ACP-Eigenbluttherapie (Autologes Conditioniertes Plasma, PRP – plättchenreiches Plasma)
Bei der ACP-Therapie werden aus einer kleinen Menge Ihres eigenen Blutes die Blutplättchen (Thrombozyten) mit ihren Wachstumsfaktoren konzentriert und gezielt in ein Gelenk oder an eine erkrankte Sehne gespritzt. Ziel ist es, körpereigene Heilungsvorgänge anzustoßen, Entzündung zu dämpfen und Schmerzen zu lindern – ohne Kortison und ohne Fremdstoffe.
Was ist ACP?
ACP steht für Autologes Conditioniertes Plasma – international spricht man von PRP (platelet-rich plasma, plättchenreiches Plasma). Blutplättchen sind nicht nur für die Blutgerinnung zuständig: In ihren Speicherkörnchen (α-Granula) enthalten sie eine Vielzahl von Wachstumsfaktoren, die bei jeder Verletzung die Reparatur steuern. Dazu gehören
- PDGF (platelet-derived growth factor) – lockt Reparaturzellen an und regt ihre Vermehrung an,
- TGF-β (transforming growth factor) – fördert die Bildung von Kollagen und Knorpelmatrix,
- VEGF – verbessert die Durchblutung des geschädigten Gewebes,
- IGF-1, EGF, FGF – stimulieren Zellwachstum und Gewebeumbau,
- außerdem entzündungshemmende Botenstoffe wie den Interleukin-1-Rezeptorantagonisten (IL-1Ra), der im Gelenk einen wichtigen Entzündungsweg blockiert.
Durch die Aufbereitung werden diese Faktoren in zwei- bis dreifacher Konzentration gegenüber normalem Blut angereichert. Wir verwenden das Arthrex ACP®-Doppelspritzensystem; es liefert ein leukozytenarmes Plasma (LP-PRP): Weiße Blutkörperchen, die bei der Injektion ins Gelenk eine Entzündungsreaktion verstärken könnten, werden weitgehend entfernt. Das Verfahren ist geschlossen und steril – das Blut hat zu keinem Zeitpunkt Kontakt mit der Umgebungsluft.
Wie läuft die Behandlung ab?
- Blutentnahme: Aus der Armvene werden etwa 15 ml Blut in die spezielle Doppelspritze entnommen – wie bei einer normalen Blutabnahme.
- Zentrifugation: Die Spritze wird 5 Minuten zentrifugiert. Dabei trennen sich die schweren roten Blutkörperchen vom plättchenreichen Plasma.
- Gewinnung: Mit der inneren Spritze werden 3–5 ml ACP abgezogen – ohne die Spritze zu öffnen.
- Injektion: Das ACP wird unter sterilen Bedingungen in das Gelenk (z. B. Knie, Hüfte, Schulter, Sprunggelenk) oder an die erkrankte Sehne gespritzt. Bei Sehnen und tiefen Gelenken erfolgt die Injektion ultraschallgesteuert, damit das Plasma exakt an der richtigen Stelle ankommt.
- Serie: Üblich sind 3 Injektionen im Abstand von etwa einer Woche; bei Sehnenerkrankungen genügen oft 1–2 Injektionen. Der gesamte Termin dauert etwa 30 Minuten.
Wichtig vor der Behandlung: Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac, ASS) sollten nach Möglichkeit eine Woche vorher und zwei Wochen nachher pausiert werden, da sie die Plättchenfunktion und damit die Wirkung beeinträchtigen. Ausreichend trinken am Behandlungstag erleichtert die Blutentnahme.
Wann hilft ACP?
Arthrose
Am besten untersucht ist die Kniegelenksarthrose in leichtem bis mittlerem Stadium (Kellgren-Lawrence I–III). Mehrere Metaanalysen randomisierter Studien zeigen, dass PRP Schmerz und Funktion über 6–12 Monate stärker verbessert als Hyaluronsäure oder Kochsalzlösung; bei fortgeschrittener Arthrose (Grad IV) ist der Nutzen gering. Auch bei Hüftarthrose, Sprunggelenks- und Schulterarthrose wird ACP eingesetzt, die Datenlage ist dort dünner. Das ACP kann mit Hyaluronsäure kombiniert werden.
Sehnen- und Sehnenansatzerkrankungen
- Tennis- und Golferellenbogen – hier zeigt PRP in Studien nach 6–12 Monaten bessere Ergebnisse als Kortison, das zwar kurzfristig wirkt, die Sehne aber langfristig schwächt
- Patellaspitzensyndrom (Jumper's Knee) und Achillessehnentendinopathie
- Plantarfasziitis / Fersensporn
- Sehnenreizungen der Rotatorenmanschette, Bursitis trochanterica / Gluteal-Tendinopathie an der Hüfte
- Teilrisse von Sehnen und Bändern zur Unterstützung der Heilung
Muskelverletzungen und Sport
Bei Muskelfaserrissen und Zerrungen kann ACP die Heilungszeit verkürzen; im Leistungssport ist das Verfahren seit Jahren etabliert und nach den Regeln der WADA erlaubt.
Was sagt die Wissenschaft?
Zu PRP gibt es inzwischen über hundert kontrollierte Studien. Für die Kniearthrose kommen aktuelle Übersichtsarbeiten (z. B. Filardo et al. 2021, Belk et al. 2021) zu dem Ergebnis, dass PRP im Vergleich zu Hyaluronsäure zu einer stärkeren und länger anhaltenden Besserung von Schmerz und Funktion führt – bei allerdings unterschiedlicher Qualität der Studien und uneinheitlichen Präparaten. Die deutsche S2k-Leitlinie Gonarthrose führt PRP als mögliche Option auf, die internationale OARSI-Leitlinie bewertet die Evidenz wegen der Heterogenität zurückhaltend. Für die Epicondylitis belegen Studien eine Überlegenheit gegenüber Kortison nach einem Jahr. Wir sagen Ihnen offen: ACP ist kein Wundermittel und heilt keine Arthrose – es ist ein gut verträglicher Baustein in einem Behandlungskonzept, zu dem Bewegung, Muskelaufbau, Gewichtskontrolle und bei Bedarf weitere Verfahren gehören.
Verträglichkeit, Risiken, Gegenanzeigen
Da ausschließlich körpereigenes Material verwendet wird, sind allergische Reaktionen ausgeschlossen. Nach der Injektion kann es für 1–3 Tage zu Schmerzen, Spannungsgefühl oder Schwellung kommen – das ist Ausdruck der gewünschten Reaktion; Kühlen und Schonung reichen aus. Infektionen sind bei steriler Technik sehr selten (unter 1 : 10.000). Nicht durchgeführt wird ACP bei Blutgerinnungsstörungen oder Thrombozytenmangel, bei akuten Infekten, Hautentzündung an der Injektionsstelle, bösartigen Erkrankungen, in der Schwangerschaft und unter bestimmten Blutverdünnern (Rücksprache).
Nach der Behandlung
- Gelenk 1–2 Tage schonen, danach normale Alltagsbelastung; Sport nach etwa einer Woche
- Keine NSAR für zwei Wochen (Paracetamol ist möglich)
- Begleitend Physiotherapie bzw. exzentrisches Training bei Sehnenerkrankungen – das verstärkt den Effekt
- Die Wirkung baut sich über 4–8 Wochen auf und hält meist 6–12 Monate; die Behandlung kann wiederholt werden
Kosten
Die ACP-Therapie ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen und wird als Selbstzahlerleistung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Private Krankenversicherungen und Beihilfe erstatten die Behandlung in der Regel. Vor Beginn erhalten Sie einen schriftlichen Kostenvoranschlag mit allen Positionen. Die Behandlung bieten wir in der Privat- und Selbstzahler-Sprechstunde am Freitag und nach Vereinbarung an.
Literatur
- Filardo G, Previtali D, Napoli F, Candrian C, Zaffagnini S, Grassi A. PRP injections for the treatment of knee osteoarthritis: a meta-analysis of randomized controlled trials. Cartilage. 2021;13(1 Suppl):364S-375S.
- Belk JW, Kraeutler MJ, Houck DA, Goodrich JA, Dragoo JL, McCarty EC. Platelet-rich plasma versus hyaluronic acid for knee osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Am J Sports Med. 2021;49(1):249-260.
- Mishra AK, Skrepnik NV, Edwards SG, et al. Efficacy of platelet-rich plasma for chronic tennis elbow: a double-blind, prospective, multicenter, randomized controlled trial of 230 patients. Am J Sports Med. 2014;42(2):463-471.
- Gosens T, Peerbooms JC, van Laar W, den Oudsten BL. Ongoing positive effect of platelet-rich plasma versus corticosteroid injection in lateral epicondylitis: a double-blind randomized controlled trial with 2-year follow-up. Am J Sports Med. 2011;39(6):1200-1208.
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). S2k-Leitlinie Gonarthrose. AWMF-Register 187-050, 2018 (in Überarbeitung).
