Tennis- und Golferellenbogen (Epicondylitis humeri radialis/ulnaris, Epikondylopathie)
Orthopädie – Ellenbogen
1. Woher kommt der Name?
Die ärztliche Bezeichnung lautet Epicondylitis. Epicondylus ist der Knochenvorsprung am unteren Ende des Oberarmknochens, an dem die Unterarmmuskeln ansetzen. Die Endung „-itis“ lässt an eine Entzündung denken. Tatsächlich handelt es sich aber vor allem um einen Verschleiß des Sehnenansatzes, eine Sehnenerkrankung durch Überlastung. Die moderne Bezeichnung ist deshalb Epikondylopathie.
2. Was ist das?
Eine langanhaltende, schmerzhafte Reizung der Sehnenursprünge am äußeren Knochenvorsprung des Ellenbogens (dort setzen die Muskeln an, die das Handgelenk strecken: Tennisellenbogen) oder am inneren Knochenvorsprung (dort setzen die Muskeln an, die das Handgelenk beugen: Golferellenbogen). Unter dem Mikroskop zeigt sich ein Umbau des Sehnengewebes mit Wucherung von Bindegewebszellen und kleinen Blutgefäßen sowie winzigen Rissen.
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
Betroffen sind 1–3 % der Bevölkerung. Der Tennisellenbogen ist siebenmal häufiger als der Golferellenbogen. Am häufigsten tritt die Erkrankung im Alter von 35 bis 55 Jahren auf, bei Frauen und Männern gleich oft. Nur 10 % der Menschen mit einem Tennisellenbogen spielen tatsächlich Tennis – meist sind es Berufstätige, die immer wieder dieselben Bewegungen mit dem Handgelenk ausführen.
2.2 Ursachen und Entstehung
Dauerhafte Überlastung oder ständig wiederholte Bewegungen führen zu winzigen Rissen am Sehnenansatz. Die Heilung ist gestört, und es bildet sich ein wucherndes Bindegewebe mit kleinen Blutgefäßen. Das Risiko erhöhen sich wiederholende Greif- und Hebebewegungen, ungewohnte Belastungen und die Arbeit mit Werkzeugen.
3. Beschwerden
- Schmerz direkt am äußeren (Tennisellenbogen) oder am inneren Knochenvorsprung des Ellenbogens (Golferellenbogen)
- Ausstrahlung in den Unterarm
- Stärkerer Schmerz, wenn das Handgelenk gegen Widerstand gestreckt (Tennisellenbogen) oder gebeugt wird (Golferellenbogen)
- Schmerz beim Greifen, beim Händedruck, beim Anheben einer Kaffeetasse
- Die Kraft beim Zugreifen lässt nach
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Beim Tennisellenbogen löst die Untersuchung den Schmerz auf verschiedene Weise aus: wenn das Handgelenk gegen Widerstand nach oben gestreckt wird, wenn die Hand bei gestrecktem Ellenbogen von der Untersucherin oder dem Untersucher nach unten gebeugt wird und wenn ein Stuhl mit gestrecktem Arm und nach unten zeigender Handfläche angehoben wird. Beim Golferellenbogen entsteht der Schmerz, wenn das Handgelenk gegen Widerstand gebeugt wird. Außerdem ist der Knochenvorsprung auf Druck schmerzhaft.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Ultraschalluntersuchung: verdickter, aufgelockerter Sehnenansatz, bei Bedarf Nachweis eines Teilrisses, von Kalkeinlagerungen und von neu gebildeten Blutgefäßen (mit einer besonderen Ultraschall-Einstellung, die den Blutfluss zeigt). Röntgenbild: meist unauffällig, gelegentlich eine Reaktion der Knochenhaut oder Verkalkungen. Kernspin-Untersuchung vor einer Operation oder wenn die Behandlung nicht anschlägt.
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig.
5. Behandlung
Behandlung ohne Operation (Erfolg in 80–90 %)
- Anpassung der Tätigkeiten, Beratung zu einem gelenkschonenden Arbeitsplatz
- Entzündungshemmende Schmerzmittel (als Salbe oder Gel auf die Haut und als Tablette, nur für begrenzte Zeit)
- Ellenbogen-Bandage mit Druckpolster
- Krankengymnastik mit Training, bei dem der Muskel unter Belastung langsam nachgibt (der Nutzen ist gut belegt)
- Stoßwellenbehandlung: wissenschaftlich belegt, Selbstzahlerleistung
- Akupunktur
- Kortison-Spritzen: wirken nur kurzfristig und verschlechtern den Verlauf auf lange Sicht – sie sollten vermieden werden
- Eigenblutbehandlung: zunehmend belegter Nutzen, Selbstzahlerleistung
- Reizstrombehandlung
Operation (in 5–10 % der Fälle)
- Durchtrennung der kleinen Schmerznerven am Knochenvorsprung (Operation nach Wilhelm; betroffen sind Äste des Speichennervs und des Muskel-Haut-Nervs)
- Operation nach Hohmann: Ablösen der Sehnenursprünge vom Knochen
- Verfahren über eine Gelenkspiegelung
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die übliche Behandlung ohne Operation, die Bandage, die Krankengymnastik und Kortison-Spritzen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Die Stoßwellenbehandlung beim Tennis- oder Golferellenbogen ist eine Selbstzahlerleistung, ebenso die Eigenblutbehandlung – über die Kosten informieren wir Sie gern in der Praxis. Operationen bezahlt bei entsprechendem Grund die Krankenkasse.
6. Wie geht es weiter?
In 80–90 % der Fälle heilt die Erkrankung innerhalb von 6–12 Monaten von selbst aus. Langanhaltende Fälle sprechen gut auf die Stoßwellenbehandlung oder auf das Training mit langsam nachgebendem Muskel an. Nach einer Operation sind die Ergebnisse in 85–90 % sehr gut.
7. Leitlinien
- AWMF 033-019 · Epicondylopathia radialis humeri
→ Im AWMF-Register nach 033-019 suchen
8. Literatur
- Bisset L, Beller E, Jull G, Brooks P, Darnell R, Vicenzino B. Mobilisation with movement and exercise, corticosteroid injection, or wait and see for tennis elbow: randomised trial. BMJ. 2006;333(7575):939.
- Coombes BK, Bisset L, Vicenzino B. Efficacy and safety of corticosteroid injections and other injections for management of tendinopathy. Lancet. 2010;376(9754):1751-1767.
- Peterson M, Butler S, Eriksson M, Svardsudd K. A randomized controlled trial of eccentric vs. concentric graded exercise in chronic tennis elbow. Clin Rehabil. 2014;28(9):862-872.
- DGOU S2e-Leitlinie Epicondylopathia radialis humeri (AWMF 033-019).
- Vicenzino B. Lateral epicondylalgia: a musculoskeletal physiotherapy perspective. Man Ther. 2003;8(2):66-79.
- Wikipedia, Artikel „Tennis- und Golferellenbogen“: Epicondylitis humeri lateralis (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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