Patellaspitzensyndrom (Jumper's Knee, Patella-Tendinopathie)
Orthopädie – Knie
1. Woher kommt der Name?
Die Patella ist die Kniescheibe. Das Patellaspitzensyndrom ist ein Reizzustand an der unteren Spitze der Kniescheibe, dort, wo die Kniescheibensehne ansetzt. Im Englischen heißt es „Jumper’s Knee“ („Springerknie“), weil es vor allem bei Sprungsportarten auftritt.
2. Was ist das?
Das Patellaspitzensyndrom ist eine Sehnenerkrankung durch Überlastung am oberen, kniescheibennahen Teil der Kniescheibensehne. Das Sehnengewebe verändert sich dabei verschleißartig und bildet neue kleine Blutgefäße und Bindegewebszellen. Der Schweregrad wird nach Blazina in vier Stufen eingeteilt: Schmerz nur nach dem Sport (Stufe I), Schmerz während und nach dem Sport (Stufe II), Schmerz bei Alltagstätigkeiten (Stufe III) und vollständiger Riss der Sehne (Stufe IV).
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
Bei Sportlern, die viel springen und abrupt abstoppen, sind bis zu 45 % betroffen (Volleyball, Basketball, Handball, Fußball). Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
2.2 Ursache und Entstehung
Eine langanhaltende Überlastung der Sehne führt zu kleinsten Rissen im Sehnengewebe. Darauf reagiert die Sehne mit einem Verschleißumbau – eine eigentliche Entzündung liegt nicht vor (deshalb spricht man von einer Sehnenerkrankung und nicht von einer Sehnenentzündung). Begünstigend wirken: zu hartes Training, Fehlbelastungen, zu lockere Bänder und ein Ungleichgewicht zwischen der vorderen und der hinteren Oberschenkelmuskulatur.
3. Beschwerden
- Schmerz an der unteren Spitze der Kniescheibe, die Stelle ist druckempfindlich
- Schmerz bei Belastung, besonders bei Sprüngen, beim Treppensteigen und in der tiefen Hocke
- Besserung bei Schonung, Wiederkehr bei Belastung
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Beim Abtasten findet sich ein druckschmerzhafter Punkt an der unteren Spitze der Kniescheibe.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Die Ultraschalluntersuchung zeigt eine verdickte Sehne mit aufgelockertem Gewebe; mit einer besonderen Ultraschalltechnik, die den Blutfluss sichtbar macht, lassen sich neu gebildete Blutgefäße in der Sehne erkennen. Eine Kernspin-Untersuchung wird gemacht, wenn die Behandlung nicht anschlägt; sie zeigt dann die krankhaft veränderte Sehne.
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig.
5. Behandlung
Behandlung ohne Operation
- Belastung anpassen (keine vollständige Sportpause)
- Krafttraining mit bremsenden Bewegungen, bei denen der Muskel unter Last verlängert wird (zum Beispiel langsame Kniebeugen auf einem schräg gestellten Brett nach einem festen Übungsplan) – die Wirksamkeit ist wissenschaftlich gut belegt
- Entzündungshemmende Schmerzmittel für begrenzte Zeit
- Stoßwellenbehandlung: Wirksamkeit wissenschaftlich belegt, Selbstzahlerleistung
- Eigenblutbehandlung: Selbstzahlerleistung, Wirksamkeit mäßig belegt
- Bandage für die Kniescheibensehne
Operation
- Wenn die Behandlung über 6 bis 12 Monate nicht anschlägt: Entfernung des krankhaft veränderten Gewebes an der unteren Kniescheibenspitze – über eine Gelenkspiegelung oder einen offenen Schnitt
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Krankengymnastik und die übrige Behandlung ohne Operation bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Stoßwellenbehandlung und Eigenblutbehandlung sind Selbstzahlerleistungen. Die Operation ist bei strenger Prüfung des Grundes eine Kassenleistung.
6. Wie geht es weiter?
Die Beschwerden halten lange an und kehren immer wieder, lassen sich aber mit einer konsequenten Behandlung in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen. Die Rückkehr zum Sport ist nach 3 bis 6 Monaten möglich. Eine Operation wird nur nach strenger Prüfung des Grundes empfohlen.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Patellaspitzensyndrom / Jumper's Knee
→ AWMF-Registersuche öffnen
8. Literatur
- Alfredson H, et al. Heavy-load eccentric calf muscle training for chronic Achilles tendinosis. Am J Sports Med. 1998;26(3):360-366.
- van Ark M, et al. Isometric and isotonic exercise programs in patellar tendinopathy. J Sci Med Sport. 2016;19(9):702-706.
- Alfredson H, Pietilä T, Jonsson P, Lorentzon R. Heavy-load eccentric calf muscle training for the treatment of chronic Achilles tendinosis. Am J Sports Med. 1998;26(3):360-366.
- Lian OB, Engebretsen L, Bahr R. Prevalence of jumper's knee among elite athletes from different sports: a cross-sectional study. Am J Sports Med. 2005;33(4):561-567.
- van Ark M, Cook JL, Docking SI, et al. Do isometric and isotonic exercise programs reduce pain in athletes with patellar tendinopathy in-season? J Sci Med Sport. 2016;19(9):702-706.
- Kongsgaard M, Qvortrup K, Larsen J, et al. Fibril morphology and tendon mechanical properties in patellar tendinopathy. Am J Sports Med. 2010.
- Wikipedia, Artikel „Patellaspitzensyndrom“: Patellaspitzensyndrom (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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