Gonarthrose (Kniegelenksarthrose, Kniearthrose)
Orthopädie – Knie
1. Woher kommt der Name?
Der Begriff Gonarthrose stammt aus dem Griechischen: gony (γόνυ) bedeutet „Knie“, arthron (ἄρθρον) bedeutet „Gelenk“, und die Endung -ose steht in der Medizin für einen langsam fortschreitenden Verschleiß ohne Entzündung. Im Englischen heißt die Erkrankung „Knee Osteoarthritis“. Der Begriff Arthrose (Gelenkverschleiß) grenzt sich damit von der „Arthritis“ (Gelenkentzündung) ab – obwohl auch beim Gelenkverschleiß immer wieder entzündliche Phasen vorkommen („aktivierte Arthrose“).
2. Was ist das?
Die Gonarthrose ist ein langsam fortschreitender Verschleiß des Kniegelenks, der alle Teile des Gelenks betrifft: den Gelenkknorpel, den Knochen unter dem Knorpel, die Gelenkinnenhaut, die Gelenkkapsel, die Menisken (die beiden halbmondförmigen Knorpelscheiben im Knie) und die Strukturen um das Gelenk herum (Muskeln, Bänder). Kernmerkmal ist der fortschreitende Verlust des Gelenkknorpels, der zu Schmerzen und Funktionsstörungen führt. Je nachdem, welcher Teil des Gelenks betroffen ist, unterscheidet man den Verschleiß der inneren Gelenkhälfte, der äußeren Gelenkhälfte und des Gelenks zwischen Kniescheibe und Oberschenkel; sind alle Teile betroffen, spricht man von Pangonarthrose. Die Gonarthrose wird unterteilt in eine primäre Form ohne erkennbare Ursache und sekundäre Formen als Folge von Verletzungen, Achsfehlstellungen (O-Bein, X-Bein), Meniskusverletzungen, entzündlichen Gelenkerkrankungen, Instabilität, Knocheninfarkten oder Stoffwechselstörungen (zum Beispiel der Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose, der seltenen Stoffwechselkrankheit Alkaptonurie oder der Gicht).
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
Die Gonarthrose ist die häufigste Verschleißerkrankung der Gelenke in Deutschland. Nach Daten der Gesundheitsberichterstattung des Robert-Koch-Instituts leiden etwa 17 % der Männer und 27 % der Frauen ab 60 Jahren an einer ärztlich festgestellten Kniearthrose. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter nahezu gleichmäßig an. Frauen sind nach den Wechseljahren häufiger und oft schwerer betroffen. Das Risiko erhöhen: Übergewicht (bei einer Körpermassezahl über 30, also starkem Übergewicht, ist das Risiko 4- bis 8-fach erhöht), weibliches Geschlecht, höheres Lebensalter, ein früherer Meniskusschaden oder eine frühere Kreuzbandverletzung, Knochenbrüche am Kniegelenk, körperlich schwere Arbeit (Knien, Heben von mehr als 25 kg), bestimmte Sportarten (Kontaktsport, Laufsport bei Fehlbelastung) sowie eine familiäre Veranlagung.
2.2 Ursachen und Entstehung
Die Gonarthrose entsteht, wenn die mechanische Belastung größer ist als die Fähigkeit des Knorpels, sein Grundgerüst zu erhalten. Zunächst gerät der Stoffwechsel der Knorpelzellen aus dem Gleichgewicht: Sie bilden weniger von den Bausteinen, die den Knorpel elastisch und fest machen, und zugleich mehr Enzyme, die das Knorpelgerüst abbauen. Der Knorpel wird weicher, an seiner Oberfläche bilden sich Auffaserungen, und er verliert an Dicke. Gleichzeitig reagiert der Knochen unter dem Knorpel: Er verdichtet sich, bildet Hohlräume und knöcherne Anbauten am Gelenkrand. Die Gelenkinnenhaut kann sich zusätzlich entzünden („aktivierte Arthrose“). Eine wichtige Rolle spielen außerdem Fehl- und Überlastungen (O-Bein, X-Bein, Übergewicht), ein gestörtes Gefühl für die Gelenkstellung und eine verminderte Kraft der vorderen und hinteren Oberschenkelmuskeln.
3. Beschwerden
Die Beschwerden entwickeln sich typischerweise schleichend über Monate bis Jahre. Die wichtigsten Anzeichen sind:
- Anlaufschmerz: Schmerzen bei den ersten Schritten nach einer Ruhephase, die sich nach einigen Schritten bessern – typisch für Verschleißerkrankungen der Gelenke
- Belastungs- und Ermüdungsschmerz: Schmerzen beim längeren Gehen, beim Treppensteigen (besonders treppab), in der tiefen Hocke und beim Aufstehen aus dem Sitzen
- Morgensteifigkeit, die typischerweise kürzer als 30 Minuten dauert (im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis, bei der die Morgensteifigkeit länger als 60 Minuten anhält)
- Gelenkgeräusche: hörbares Knirschen oder Reiben bei Bewegung
- zunehmende Bewegungseinschränkung, zunächst bei der vollständigen Beugung, später auch bei der Streckung (das Knie lässt sich nicht mehr ganz durchstrecken)
- zeitweilige Ergussbildung („aktivierte Arthrose“) mit Schwellung, Überwärmung und Ruheschmerz – eine entzündliche Phase, die meist wenige Tage bis Wochen anhält
- im fortgeschrittenen Stadium Ruhe- und Nachtschmerz, Hinken, Einsteifung
- zunehmende Achsfehlstellung (oft O-Bein bei Verschleiß der inneren Gelenkhälfte, seltener X-Bein bei Verschleiß der äußeren Gelenkhälfte)
- bei Verschleiß zwischen Kniescheibe und Oberschenkel: Schmerzen beim Treppensteigen, in der tiefen Hocke und beim längeren Sitzen mit gebeugtem Knie („Kinoknie“)
Viele Betroffene berichten über einen phasenhaften Verlauf mit beschwerdearmen Zeiten und schmerzhaften Schüben. Oft sind es Einschränkungen im Alltag (Treppensteigen, Geh- und Stehdauer), die zum Arztbesuch führen.
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Die Diagnose wird aus den Beschwerden, der körperlichen Untersuchung und dem Röntgenbild gestellt. Im Gespräch geht es um die Art der Schmerzen, auslösende Faktoren, den Verlauf, Vorerkrankungen, Verletzungen, Erkrankungen in der Familie sowie berufliche und sportliche Belastung. Bei der körperlichen Untersuchung wird das Gangbild beurteilt (Hinken, Schonhaltung), die Beinachse im Stehen (Abstand der Knöchel beziehungsweise der Knie voneinander), die Beweglichkeit des Kniegelenks (normal ist eine Beugung bis 130–140° bei voller Streckung), ein Gelenkerguss (die Kniescheibe lässt sich auf der Flüssigkeit „tanzen“), Druckschmerzpunkte (innerer und äußerer Gelenkspalt, Kniescheibe), die Bänder und Menisken (um andere Ursachen und Begleitschäden zu erkennen) sowie die Muskelkraft (bei langem Verlauf schwindet der vordere Oberschenkelmuskel). Standardisierte Fragebögen erfassen Schmerzen, Steifigkeit und Funktion vergleichbar.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Das Röntgenbild ist die wichtigste Untersuchung. Üblich sind Aufnahmen in zwei Ebenen unter Belastung (von vorn im Stehen und von der Seite) sowie eine Aufnahme der Kniescheibe von unten. Typische Zeichen im Röntgenbild sind:
- Verschmälerung des Gelenkspalts (der Knorpel ist dünner geworden)
- Verdichtung des Knochens unter dem Knorpel in den belasteten Bereichen
- knöcherne Anbauten an den Gelenkrändern
- Hohlräume im Knochen unter dem Knorpel (Geröllzysten)
- Achsabweichung (O-Bein bei Verschleiß der inneren Gelenkhälfte)
Zur einheitlichen Einteilung wird die Einteilung nach Kellgren und Lawrence verwendet (Grad 0 = keine Veränderung, Grad 4 = schwerer Verschleiß mit deutlich verschmälertem Gelenkspalt, ausgeprägter Knochenverdichtung, knöchernen Anbauten und Verformung).
Die Ganzbein-Standaufnahme (ein Röntgenbild des ganzen Beins im Stehen) ist bei jüngeren Patientinnen und Patienten und vor einer geplanten Umstellungsoperation unverzichtbar, um die Beinachse und ihre Winkel zu vermessen.
Die Kernspin-Untersuchung ist sinnvoll bei jüngeren Patientinnen und Patienten, zur Früherkennung, zur Beurteilung von Menisken, Bändern und Knorpel und zur Abklärung von Flüssigkeitseinlagerungen im Knochen. Bei einem bereits nachgewiesenen Gelenkverschleiß ist ihr Nutzen begrenzt, weil sie die Behandlungsentscheidung selten beeinflusst. Die Computer-Röntgenschichtaufnahme dient der Planung vor Operationen bei komplizierten Verformungen. Die Knochenszintigraphie in drei Phasen kann bei unklarer Schmerzursache helfen, zwischen einer mechanischen und einer entzündlichen Ursache zu unterscheiden.
Quelle: Wikimedia Commons · CC BY-SA
4.2 Blutuntersuchungen
Bei der primären Gonarthrose sind die üblichen Blutwerte unauffällig. Die Blutuntersuchung dient vor allem dazu, andere Erkrankungen auszuschließen:
- Entzündungswerte und Blutbild – zum Ausschluss entzündlicher Gelenkerkrankungen (rheumatoide Arthritis, Gelenkentzündung nach einer Infektion, Gelenkentzündung durch Kristallablagerungen)
- Harnsäure bei Verdacht auf Gicht
- Rheuma-Antikörper und Autoantikörper gegen Zellkerne bei Verdacht auf rheumatoide Arthritis oder eine entzündliche Bindegewebserkrankung
- Erbmerkmal HLA-B27 bei Verdacht auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule und der Gelenke
- Eisenspeicherwerte bei Verdacht auf die Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose (bei ungewöhnlichem Ort des Verschleißes oder frühem Beginn)
Die Entnahme von Gelenkflüssigkeit mit Untersuchung der Flüssigkeit ist bei einem akuten Gelenkerguss wichtig, um die Ursache zu klären (Zahl der Zellen, Kristalle, Bakterien). Eine klare, gelbliche Flüssigkeit mit unter 2000 Zellen pro Mikroliter spricht für einen Gelenkverschleiß ohne Entzündung. Eine trübe Flüssigkeit mit deutlich mehr Zellen lässt an eine entzündliche oder bakterielle Gelenkentzündung denken.
4.3 Was es sonst noch sein kann
- Rheumatoide Arthritis (Befall beider Seiten, Morgensteifigkeit länger als eine Stunde, Rheuma-Antikörper im Blut)
- Gelenkentzündung bei Schuppenflechte und Gelenkentzündung nach einer Infektion
- Gicht oder Pseudogicht (Kalkablagerung im Knorpel; Nachweis der Kristalle in der Gelenkflüssigkeit)
- Bakterielle Gelenkentzündung (Notfall – sofortige Entnahme von Gelenkflüssigkeit)
- Meniskusschaden ohne Gelenkverschleiß
- Knocheninfarkt (Morbus Ahlbäck – meist an der inneren Gelenkrolle des Oberschenkelknochens)
- Freie Gelenkkörper durch Knorpelknötchen in der Gelenkinnenhaut
- Eine Zyste in der Kniekehle (Baker-Zyste) als Hauptbeschwerde
- Ausstrahlende Schmerzen aus der Hüfte oder der Lendenwirbelsäule
5. Behandlung
Die Behandlung folgt einem Stufenplan, der mehrere Bausteine kombiniert. Die deutsche Behandlungsleitlinie „Gonarthrose“ der Fachgesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und die internationale Arthrose-Leitlinie empfehlen, Behandlungen ohne Operation, Spritzen und Operationen stufenweise einzusetzen.
Behandlung ohne Operation (Grundlage)
- Aufklärung und Schulung („Arthrose-Schule“): die Erkrankung verstehen, Schonung des Gelenks gegen aktive Bewegung abwägen
- Gewichtsabnahme: Jedes Kilogramm weniger verringert die Belastung des Kniegelenks beim Gehen um etwa 4 kg. Eine Gewichtsabnahme um 5–10 % verbessert Schmerz und Funktion deutlich (wissenschaftlich gut belegt)
- Krankengymnastik und Bewegungsbehandlung: Kräftigung des vorderen Oberschenkelmuskels, Training des Gleichgewichts und der Gelenkwahrnehmung, Erhalt der Beweglichkeit. Ausdauertraining (Schwimmen, Radfahren, zügiges Gehen) bessert Schmerz und Funktion nachweislich (wissenschaftlich gut belegt)
- Hilfsmittel: Pufferabsatz, entlastende Einlagen, gelegentlich Unterarmgehstützen
- Stützschienen: entlastende Knieschienen, wenn nur eine Gelenkhälfte betroffen ist (zum Beispiel Verschleiß der inneren Gelenkhälfte mit O-Bein)
- Physikalische Behandlung: Wärme- und Kälteanwendungen, Reizstrombehandlung, Stoßwellenbehandlung (Nutzen uneinheitlich belegt), Akupunktur (bei Kniearthrose Kassenleistung)
Behandlung mit Medikamenten
- Paracetamol: begrenzte Wirksamkeit, wird in aktuellen Leitlinien kritisch bewertet
- Entzündungshemmende Schmerzmittel zum Auftragen auf die Haut (Diclofenac-Gel): gut belegte Wirkung, geringe Belastung des übrigen Körpers
- Entzündungshemmende Schmerzmittel zum Einnehmen (auch die neueren, magenschonenderen Wirkstoffe): nur für begrenzte Zeit; Risiken für Magen-Darm, Herz-Kreislauf und Nieren beachten; bei Risikopatientinnen und -patienten zusammen mit einem Magenschutzmittel
- Duloxetin (ein Medikament gegen Depressionen, das auch Schmerzen dämpft): bei langanhaltenden Schmerzen mit überempfindlicher Schmerzverarbeitung; hierfür nicht ausdrücklich zugelassen
- Opioide (starke Schmerzmittel): zurückhaltender Einsatz, nur bei Schmerzen, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen
- Kortison-Spritze in das Gelenk: wirksam in der entzündlichen Phase, nicht häufiger als 3- bis 4-mal pro Jahr
- Gelenkspritze mit Hyaluronsäure: lindert Schmerzen kurz- bis mittelfristig bei Verschleiß Grad 2 bis 3; Nutzen umstritten; in Deutschland Selbstzahlerleistung
- Eigenblutbehandlung: zunehmend belegter Nutzen, Selbstzahlerleistung
Operation
- Gelenkspiegelung: nur bei eindeutigen mechanischen Beschwerden (Blockierung des Gelenks, Korbhenkelriss des Meniskus) – nicht als Routineeingriff bei Gelenkverschleiß (die Studienlage spricht gegen ein „Säubern“ des Gelenks ohne solche Beschwerden)
- Umstellungsoperation nahe dem Kniegelenk (am Schienbeinkopf oder am unteren Oberschenkelknochen): wenn nur eine Gelenkhälfte betroffen ist und die Beinachse abweicht, bei jüngeren, aktiven Patientinnen und Patienten – das eigene Gelenk bleibt erhalten, ein künstliches Gelenk wird um 10–15 Jahre hinausgeschoben
- Teilgelenkersatz (Schlittenprothese): bei Verschleiß nur der inneren oder nur der äußeren Gelenkhälfte, wenn das Kreuzband unversehrt und die Beinachse gut ist
- Künstliches Kniegelenk: das bewährteste Verfahren bei fortgeschrittenem Verschleiß des ganzen Gelenks. Moderne Verfahren schließen das Einsetzen mit Computer- und Roboterunterstützung sowie individuell angepasste Prothesen ein
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die Untersuchung (Gespräch, körperliche Untersuchung, Röntgenbild in zwei Ebenen und unter Belastung, Kernspin-Untersuchung bei entsprechendem Grund) ist Kassenleistung. Die Behandlung ohne Operation mit Krankengymnastik (6 Behandlungen pro Verordnung, bei Langzeitverordnung bis zu 10), Schmerzmitteln nach ärztlicher Einschätzung, entzündungshemmenden Schmerzmitteln und Kortison-Spritzen in das Gelenk sowie die Operationen (Gelenkspiegelung, Umstellungsoperation, Schlittenprothese, künstliches Kniegelenk) bezahlt die gesetzliche Krankenkasse.
Akupunktur bei langanhaltender Kniearthrose ist seit 2007 Kassenleistung (bis zu 10 Sitzungen zu je 30 Minuten, einmal pro Erkrankung, eine Wiederholung frühestens nach 12 Monaten).
Nicht routinemäßig erstattet werden:
- Gelenkspritzen mit Hyaluronsäure (Selbstzahlerleistung – über die Kosten informieren wir Sie gern in der Praxis)
- Eigenblutbehandlung (Selbstzahlerleistung – über die Kosten informieren wir Sie gern in der Praxis)
- Stoßwellenbehandlung bei Kniearthrose (Selbstzahlerleistung)
- Komfort-Einlagen ohne strenge medizinische Notwendigkeit
- besondere Behandlungen mit den Händen außerhalb des Heilmittelkatalogs
- eine private zweite Meinung, besondere Prothesenwünsche (je nach Kasse)
Einige Krankenkassen bieten Sonderprogramme für Menschen mit Arthrose an (strukturierte Behandlungsprogramme oder Vorbeugungskurse) – eine Nachfrage direkt bei der eigenen Krankenkasse lohnt sich.
6. Wie geht es weiter?
Die Gonarthrose ist eine fortschreitende Erkrankung – der Knorpelschaden lässt sich nach heutigem Wissen nicht rückgängig machen. Der Verlauf ist jedoch sehr unterschiedlich und hängt von Risikofaktoren, Muskelkraft, Gewicht, Beinachse, Begleiterkrankungen und der Mitarbeit bei der Behandlung ab. Durch konsequente Behandlung ohne Operation, Gewichtsabnahme, Kräftigung der Beinmuskeln und Vermeidung von Überlastung lässt sich der Verlauf bei vielen Betroffenen über viele Jahre verlangsamen. Eine frühzeitige Umstellungsoperation bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit Achsabweichung kann ein späteres künstliches Gelenk um 10–15 Jahre hinauszögern.
Das künstliche Kniegelenk hat ausgezeichnete Langzeitergebnisse: Nach 15 Jahren sind über 90 % der Prothesen noch an Ort und Stelle und funktionsfähig, nach 20 Jahren etwa 80–85 %. Die Zufriedenheit der Operierten liegt bei 80–90 %. Etwa 15–20 % berichten nach der Operation über bleibende Beschwerden (Restschmerz, Gefühl der Instabilität). Deshalb sind realistische Erwartungen und eine gute Aufklärung vor der Operation besonders wichtig.
6.1 Vorbeugung
- Normalgewicht anstreben (Körpermassezahl unter 25)
- Regelmäßige gelenkschonende Bewegung (Schwimmen, Radfahren, Gehen mit Stöcken)
- Kräftigung der vorderen und hinteren Oberschenkelmuskeln
- Extreme Belastungen der Knie ohne Ausgleich vermeiden
- Meniskus- und Kreuzbandverletzungen frühzeitig behandeln, um Folgeschäden zu vermeiden
- Abweichungen der Beinachse korrigieren, wenn ein entsprechender Grund besteht
7. Leitlinien
- AWMF 033-004 · Gonarthrose
→ Im AWMF-Register nach 033-004 suchen
8. Literatur
- Kohn MD, Sassoon AA, Fernando ND. Classifications in Brief: Kellgren-Lawrence Classification of Osteoarthritis. Clin Orthop Relat Res. 2016;474(8):1886-1893.
- Bannuru RR, Osani MC, Vaysbrot EE, et al. OARSI guidelines for the non-surgical management of knee, hip, and polyarticular osteoarthritis. Osteoarthritis Cartilage. 2019;27(11):1578-1589.
- Michael JW, Schlüter-Brust KU, Eysel P. Epidemiologie, Ätiologie, Diagnostik und Therapie der Gonarthrose. Dtsch Arztebl Int. 2010;107(9):152-162.
- Losina E, Paltiel AD, Weinstein AM, et al. Lifetime medical costs of knee osteoarthritis management in the United States. Arthritis Care Res. 2015;67(2):203-215.
- Bergmeister KD, Janni W, Beier JP (Hrsg.). Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. 4. Aufl., Thieme, 2022. Kapitel Gonarthrose.
- DGOOC S2k-Leitlinie Gonarthrose (AWMF-Registernr. 033-004). Langfassung verfügbar im AWMF-Register.
- Kolasinski SL, Neogi T, Hochberg MC, et al. 2019 ACR/AF Guideline for the Management of Osteoarthritis of the Hand, Hip, and Knee. Arthritis Rheumatol. 2020;72(2):220-233.
- Wikipedia, Artikel „Gonarthrose“: Gonarthrose (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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