Plantarfasziitis (Fersensporn, Fasciitis plantaris, Plantarfasziopathie)
Orthopädie – Fuß
1. Woher kommt der Name?
Der Name kommt aus dem Lateinischen: planta („Fußsohle“) und fascia („Faserhaut“). Gemeint ist die Sehnenplatte der Fußsohle, die vom Fersenbein bis zu den Zehen spannt. Der „Fersensporn“ beschreibt nur die knöcherne Folgeerscheinung – die eigentliche Erkrankung ist die Reizung am Ansatz dieser Sehnenplatte am Fersenbein.
2. Was ist das?
Eine langanhaltende, verschleißbedingte (meist nicht entzündliche) Reizung der Sehnenplatte der Fußsohle an ihrem Ursprung am inneren Fersenbeinhöcker. Der knöcherne „Fersensporn“ ist die Folge der dauernden Zugbelastung, nicht die Ursache.
2.1 Wie häufig ist das?
Sehr häufig: Etwa 10 % aller Menschen sind im Laufe ihres Lebens betroffen. Am häufigsten im Alter von 40–60 Jahren, Frauen häufiger. Risikofaktoren: Übergewicht, Stehberufe, Laufsport, verkürzte Wadenmuskeln, Fußfehlstellungen (Hohlfuß, Plattfuß).
2.2 Ursache und Entstehung
Kleinste Verletzungen am Ursprung der Sehnenplatte führen zu dauernden Reparaturvorgängen. Dabei vernarbt das Gewebe, das Fettpolster unter der Ferse schwindet, und als Begleiterscheinung bildet sich der knöcherne Fersensporn. Nach heutiger Auffassung handelt es sich eher um eine Sehnenerkrankung durch Überlastung als um eine Entzündung.
3. Beschwerden
- Fersenschmerz unter der Ferse oder an ihrer Innenseite
- Typischer Anlaufschmerz nach Ruhe (die ersten Schritte am Morgen)
- Besserung nach einigen Schritten, später Schmerz bei Belastung
- Druckschmerz am inneren Fersenbeinhöcker
- Stärkerer Schmerz, wenn die Zehen nach oben gebogen werden
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Die Diagnose wird durch die körperliche Untersuchung gestellt: Druckschmerz an der Ferse; beim Hochbiegen der Großzehe spannt sich die Sehnenplatte an und löst den Schmerz aus.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbild: knöcherner Fersensporn bei etwa 50 % – er hängt nicht mit den Beschwerden zusammen. Ultraschalluntersuchung: verdickte (über 4 mm), aufgelockerte Sehnenplatte. Kernspin-Untersuchung, wenn die Behandlung nicht anschlägt, um andere Ursachen auszuschließen (Ermüdungsbruch des Fersenbeins, Schleimbeutelentzündung zwischen Achillessehne und Fersenbein).
4.2 Blutuntersuchungen
Unauffällig. Bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit Beschwerden an beiden Fersen: Erbmerkmal HLA-B27 und Entzündungswerte im Blut, um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule und Gelenke auszuschließen.
5. Behandlung
Ohne Operation (über 90 % Erfolg)
- Dehnungsübungen für die Sehnenplatte der Fußsohle und die Wadenmuskeln (mehrmals täglich) – die Wirksamkeit ist sehr gut belegt
- Individuell angepasste Einlagen mit weichem Fersenpolster
- Entzündungshemmende Schmerzmittel für begrenzte Zeit, als Salbe oder Gel
- Stoßwellenbehandlung: seit 2023 Kassenleistung bei langanhaltender Plantarfasziitis (Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses; 3 Sitzungen pro Fuß und Jahr)
- Nachtschiene
- Kortison-Spritze: wirkt kurzfristig, sollte sparsam eingesetzt werden (Gefahr, dass das Fettpolster unter der Ferse schwindet)
- Eigenblutbehandlung (Selbstzahlerleistung)
- Krankengymnastik
Operation (selten, unter 5 %)
- Teilweise Durchtrennung der Sehnenplatte (offen oder in Schlüsselloch-Technik mit einer Kamera)
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die Stoßwellenbehandlung bezahlt die gesetzliche Krankenkasse seit 2023 bei langanhaltender Plantarfasziitis, die auf andere Behandlungen nicht anspricht. Einlagen, Spritzen und die Operation sind ebenfalls Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse. Die Eigenblutbehandlung ist eine Selbstzahlerleistung.
6. Wie geht es weiter?
Die Beschwerden klingen von selbst innerhalb von 12–18 Monaten ab. Die Stoßwellenbehandlung verkürzt den Verlauf. Operationen sind in der Mehrzahl erfolgreich (70–80 %).
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Plantarfasziopathie
→ AWMF-Registersuche öffnen
8. Literatur
- Riddle DL, Pulisic M, Pidcoe P, Johnson RE. Risk factors for plantar fasciitis: a matched case-control study. J Bone Joint Surg Am. 2003;85-A(5):872-877.
- Aggarwal A, Gajavelli D. Clinical effectiveness of extracorporeal shock wave therapy in plantar fasciitis. J Am Podiatr Med Assoc. 2019.
- Lou J, Wang S, Liu S, Xing G. Effectiveness of Extracorporeal Shock Wave Therapy Without Local Anesthesia in Patients with Recalcitrant Plantar Fasciitis: A Meta-Analysis. J Foot Ankle Surg. 2017;56(3):520-527.
- McMillan AM, Landorf KB, Barrett JT, et al. Diagnostic imaging for chronic plantar heel pain: a systematic review. J Foot Ankle Res. 2009;2:32.
- Wikipedia, Artikel „Plantarfasziitis“: Plantarfasziitis (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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