Facharzt für Orthopädie · Osteologe (DVO) · Hamburg-Langenhorn

Sekundäre Osteoporose (Osteoporose durch Grunderkrankungen und Medikamente)

Osteologie

Hinweis: Diese Information beruht auf den aktuellen deutschen Behandlungsleitlinien und auf Fachliteratur. Sie dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt nicht das ärztliche Gespräch. Unvermeidbare Fachwörter erklärt unsere Liste medizinischer Fachbegriffe.

1. Woher kommt der Name?

„Sekundär“ heißt: Die Osteoporose (Knochenschwund) ist die Folge einer anderen Erkrankung oder eines Medikaments. Das ist mehr als eine Unterscheidung auf dem Papier – viele dieser Ursachen lassen sich behandeln, und erst dann wirkt eine Behandlung des Knochenschwunds richtig. Die Suche nach solchen Ursachen ist deshalb fester Bestandteil jeder Abklärung des Knochenschwunds.

2. Was ist das?

Ein Knochenschwund, der auf eine bestimmte Grunderkrankung, ein Medikament oder einen Faktor der Lebensweise zurückzuführen ist. Davon abgegrenzt wird der primäre Knochenschwund (nach den Wechseljahren oder im höheren Alter). Verdächtig auf eine sekundäre Ursache sind: Knochenschwund bei Männern, bei Frauen vor den Wechseljahren, ungewöhnlich niedrige Knochendichte für das Alter (der Vergleichswert mit Gleichaltrigen liegt bei −2 oder darunter), Knochenbrüche unter laufender Behandlung und auffällige Blutwerte in der Grunduntersuchung.

2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?

Bei Männern mit Knochenschwund findet sich in 40–60 % eine sekundäre Ursache, bei Frauen nach den Wechseljahren in etwa 20–30 %. Die häufigsten einzelnen Ursachen sind: Kortison, ein Mangel an Geschlechtshormonen (bei Männern), eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Überdosierung von Schilddrüsenhormon, eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen, eine gestörte Nährstoffaufnahme im Darm (Zöliakie, also Gluten-Unverträglichkeit), Alkohol und die Zuckerkrankheit.

2.2 Ursachen und Entstehung

Je nach Ursache überwiegt ein gesteigerter Knochenabbau (Überfunktion der Nebenschilddrüsen, Schilddrüsenüberfunktion, Mangel an Östrogen oder Testosteron, Entzündung, multiples Myelom), ein gehemmter Knochenaufbau (Kortison, Zuckerkrankheit, Alkohol, Bewegungsmangel) oder eine gestörte Einlagerung von Mineralien in den Knochen (Vitamin-D-Mangel, gestörte Nährstoffaufnahme im Darm, Nierenschwäche, Medikamente gegen Epilepsie).

Die wichtigsten Ursachen im Überblick

  • Hormone: Mangel an Geschlechtshormonen, Schilddrüsenüberfunktion, Überfunktion der Nebenschilddrüsen, Überschuss an körpereigenem Kortison (Cushing-Syndrom), Zuckerkrankheit Typ 1 und Typ 2, Überschuss des Milchbildungshormons Prolaktin, Mangel an Wachstumshormon
  • Magen und Darm: Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zustand nach einer Magenoperation oder einer Operation zur Gewichtsabnahme, Milchzucker-Unverträglichkeit mit kalziumarmer Ernährung, eine bestimmte chronische Entzündung der Gallenwege in der Leber
  • Nieren: chronische Nierenschwäche, Übersäuerung des Blutes durch eine Nierenstörung, erhöhte Kalziumausscheidung im Urin
  • Rheuma und Entzündungen: rheumatoide Arthritis, entzündlich-rheumatische Erkrankungen der Wirbelsäule, Lupus (eine entzündliche Bindegewebserkrankung), chronisch-verengende Lungenerkrankung („Raucherlunge“)
  • Blut und Knochenmark: multiples Myelom (eine Krebserkrankung des Knochenmarks), seine Eiweiß-Vorstufe, eine Vermehrung von Mastzellen im Körper, erbliche Blutarmut (Thalassämie)
  • Medikamente: Kortison, Aromatasehemmer (bei Brustkrebs), Medikamente, die männliche Hormone unterdrücken (bei Prostatakrebs), Medikamente gegen Epilepsie, Magensäureblocker (bei langer Einnahme), bestimmte Antidepressiva, bestimmte Blutzuckermedikamente (Glitazone), Heparin (ein Mittel zur Blutverdünnung), stark wirksame Entwässerungstabletten, Überdosierung von Schilddrüsenhormon, Medikamente, die nach einer Organübertragung das Immunsystem unterdrücken
  • Lebensweise und Sonstiges: Alkohol, Rauchen, Untergewicht und Essstörungen, Bettlägerigkeit, Organübertragung, Infektion mit dem Immunschwäche-Virus

3. Beschwerden

  • Knochenschwund und Knochenbrüche wie bei der primären Form, aber oft in untypischem Alter oder beim untypischen Geschlecht
  • Hinweise auf die Grunderkrankung: Gewichtsverlust, Durchfälle, Hitzeunverträglichkeit, Nierensteine, Verlust des sexuellen Verlangens, Muskelschwäche, Blässe, Knochenschmerzen
  • Versagen der Behandlung: neue Knochenbrüche oder Verlust an Knochendichte, obwohl die Medikamente richtig eingenommen werden

4. Untersuchung

Ein gezieltes Gespräch (Medikamente, Grunderkrankungen, Ernährung, Alkohol, Erkrankungen in der Familie), die körperliche Untersuchung, die Knochendichtemessung und die Blut-Grunduntersuchung nach den Empfehlungen des Dachverbands der deutschsprachigen Knochen-Fachgesellschaften. Weitere Untersuchungen nur bei Hinweisen: Zöliakie-Antikörper, ein Test auf Kortison-Überschuss, die genauere Eiweißuntersuchung und die freien Leichtketten (Bruchstücke von Antikörpern) im Blut, Tryptase (ein Wert für Mastzellen), Kalzium im über 24 Stunden gesammelten Urin, Knochenumbau-Werte im Blut.

4.1 Untersuchung mit Bildern

Knochendichtemessung; Röntgenbild der Wirbelsäule bei Verdacht auf einen Knochenbruch; bei Hinweisen auf ein multiples Myelom eine Computer-Röntgenschichtaufnahme des ganzen Körpers mit niedriger Strahlendosis; bei Überfunktion der Nebenschilddrüsen eine Ultraschalluntersuchung und eine Szintigraphie der Nebenschilddrüsen; bei Mangel an Geschlechtshormonen bei Bedarf eine Kernspin-Untersuchung der Hirnanhangsdrüse.

4.2 Blutuntersuchungen

Grunduntersuchung nach den Empfehlungen der Knochen-Fachgesellschaften: Blutbild, Entzündungswerte, Kalzium, Phosphat, Knochenstoffwechsel-Wert, Nierenwert Kreatinin und Nierenleistung, ein Leberwert, Natrium, Schilddrüsenwert, Eiweiß-Auftrennung im Blut, Vitamin-D-Wert, bei Männern Testosteron. Typische Befundmuster: erhöhtes Kalzium und erhöhtes Nebenschilddrüsenhormon weisen auf eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen hin; erhöhter Knochenstoffwechsel-Wert, niedriges Phosphat und niedriges Vitamin D auf eine Knochenerweichung; ein auffälliges Eiweiß in der Eiweiß-Auftrennung auf ein multiples Myelom; ein niedriger Schilddrüsenwert auf eine Schilddrüsenüberfunktion; ein auffälliges Blutbild oder auffällige Entzündungswerte auf eine Entzündung oder eine Erkrankung des Blutes.

5. Behandlung

An erster Stelle steht die Behandlung der Ursache: Entfernung der vergrößerten Nebenschilddrüse, glutenfreie Ernährung, Einstellung der Schilddrüse, Hormonersatz bei Mangel an Geschlechtshormonen, Absetzen oder Umstellen auslösender Medikamente, Verzicht auf Alkohol, Normalgewicht. Gleichzeitig die Grundmaßnahmen (Kalzium, Vitamin D, Bewegung, Vorbeugung von Stürzen) und bei entsprechendem Risiko für Knochenbrüche eine gezielte medikamentöse Behandlung des Knochenschwunds. Die Wahl des Medikaments richtet sich nach der Grunderkrankung: zum Beispiel keine knochenschützenden Medikamente bei schwerer Nierenschwäche, Vorsicht mit dem Antikörper gegen Knochenabbau bei Neigung zu niedrigem Kalzium im Blut, bevorzugt knochenaufbauende Medikamente bei Kortison-Behandlung.

5.1 Was die Krankenkasse bezahlt

Die Blut-Grunduntersuchung, die Knochendichtemessung bei entsprechendem Risiko und die Behandlung der Grunderkrankung bezahlt die Krankenkasse. Weitere Blutuntersuchungen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse bei begründetem Verdacht ebenfalls.

6. Wie geht es weiter?

Wird die Ursache beseitigt, erholt sich die Knochendichte oft deutlich (zum Beispiel nach der Entfernung der vergrößerten Nebenschilddrüse oder unter glutenfreier Ernährung um 5–10 % im ersten Jahr). Bleibt die Ursache unerkannt, spricht die Behandlung des Knochenschwunds schlechter an. Deshalb gilt: Jeder Knochenschwund bei Männern und bei jüngeren Frauen und jeder Knochenbruch unter laufender Behandlung ist ein Anlass, nach der Ursache zu suchen.

7. Leitlinien

Hinweis: Die Links führen zur AWMF-Registersuche mit der jeweiligen Register-Nummer als Suchparameter. Dort finden Sie die aktuell gültige Version der Leitlinie. Bei Einträgen „in AWMF-Register suchen" existiert keine verifizierte eigenständige deutsche Leitlinie – hier gelten EULAR-, ACR- oder internationale Empfehlungen. Stand der hier genannten Register-Nummern und Versionen: nach bestem Wissen recherchiert, bitte auf awmf.org auf Aktualität prüfen.

8. Literatur

  1. Dachverband Osteologie (DVO). Leitlinie Osteoporose 2023 – Kapitel Basisdiagnostik und sekundäre Osteoporosen.
  2. Painter SE, Kleerekoper M, Camacho PM. Secondary osteoporosis: a review of the recent evidence. Endocr Pract. 2006;12(4):436-445.
  3. Hofbauer LC, Hamann C, Ebeling PR. Approach to the patient with secondary osteoporosis. Eur J Endocrinol. 2010;162(6):1009-1020.
  4. Ebeling PR, Nguyen HH, Aleksova J, et al. Secondary osteoporosis. Endocr Rev. 2022;43(2):240-313.
  5. Wikipedia, Artikel „Osteoporose“: Osteoporose (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)

Fragen zu Sekundäre Osteoporose?

Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis – wir beraten Sie persönlich.

📞 040 53300630

Unsere Sprechzeiten

Dr. med. Georg P. Dahmen · alle Sprechzeiten, auch von Dr. Mallien und Frau Schlesinger

Neu: Freitags 08:00–15:00 Uhr – ganzheitliche osteologische, rheumatologische und schmerztherapeutische und kinderorthopädische Privat- und Selbstzahler-Sprechstunde bei Dr. Dahmen (nur mit Termin).
Montag08:00–13:00 offene Sprechstunde · 13:00–17:00 Terminsprechstunde · 17:00–18:00 Rezeptabholung
Dienstag08:00–13:00 offene Sprechstunde · 13:00–17:00 Terminsprechstunde · 17:00–18:00 Rezeptabholung
Mittwochambulante und stationäre Operationen in der Auenlandklinik Bad Bramstedt, Termine nur nach Vereinbarung
Donnerstag08:00–13:00 offene Sprechstunde · 13:00–17:00 Terminsprechstunde · 17:00–18:00 Rezeptabholung
Freitag08:00–15:00 Privat- und Selbstzahler-Sprechstunde · ganzheitlich osteologisch, rheumatologisch, schmerztherapeutisch, kinderorthopädisch · nur mit Termin
Samstaggeschlossen

So erreichen Sie uns telefonisch

Oder schreiben Sie uns über den Praxis-Messenger Medflex – für Rezeptbestellungen und andere Wünsche der schnellste Weg.

Online-Termin für die offene Sprechstunde

Unser Leistungsspektrum

Diagnostik, konservative Therapie und Operationen – aus einer Hand. Alle Leistungen im Überblick

Unser Ärzteteam

Praxisgemeinschaft im Ärztehaus Tangstedter Landstraße 77

Aktuelles aus der Praxis

Alle Neuigkeiten · Formulare zum Download · Klinische Studien

So finden Sie uns

Dr. med. Georg P. Dahmen
Ärztehaus Tangstedter Landstraße 77
22415 Hamburg-Langenhorn

U-Bahn: U1 bis Langenhorn Markt, dann 300 m zu Fuß.
Bus: Linien 24, 192, 193, 492, 592, 606 bis Langenhorn Markt.
Auto: Parkplätze am Langenhorner Markt und im Krohnstieg-Center.

Die Praxis ist barrierefrei erreichbar (Rampe links vom Eingang, Fahrstuhl im Haus).

Anfahrt & Karte

Karte: Tangstedter Landstraße 77 am Langenhorner Markt
Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende