Transiente Osteoporose der Hüfte (Knochenmarködem-Syndrom, KMÖS)
Osteologie
1. Woher kommt der Name?
„Transient“ bedeutet vorübergehend: Die transiente Osteoporose (der vorübergehende Knochenschwund) heilt in aller Regel von allein aus. Ihre Bedeutung liegt in der Abgrenzung von der Hüftkopfnekrose – einem Knocheninfarkt des Hüftkopfes, der ohne Behandlung zum Einbruch des Hüftkopfes führt – und darin, dass Betroffene mit heftigen Schmerzen oft lange ohne Diagnose bleiben, weil das Röntgenbild anfangs normal ist.
2. Was ist das?
Eine von selbst ausheilende Erkrankung mit plötzlich einsetzendem Hüftschmerz, Unfähigkeit, das Bein zu belasten, und einer ausgedehnten Flüssigkeitseinlagerung im Knochenmark von Hüftkopf und Schenkelhals in der Kernspin-Untersuchung; später zeigt das Röntgenbild eine Entkalkung in diesem Bereich. Ein anderer Name ist Knochenmarködem-Syndrom. Seltener sind Knie, Sprunggelenk oder Fuß betroffen. Wandert die Flüssigkeitseinlagerung von Gelenk zu Gelenk, spricht man von einem wandernden regionalen Knochenschwund.
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
Eine seltene Erkrankung. Zwei Gruppen sind typisch: Männer zwischen 40 und 60 Jahren (etwa drei Viertel der Fälle) und Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel, bei ihnen meist die linke Hüfte. Bei 20–40 % der Betroffenen ist später ein weiteres Gelenk betroffen.
2.2 Ursachen und Entstehung
Die Ursache ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden eine vorübergehende Durchblutungsstörung mit Blutstau in den Venen und erhöhtem Druck im Knochen, kleinste Brüche der Knochenbälkchen mit einer Flüssigkeitseinlagerung als Reaktion sowie Vorgänge an Nerven und Gefäßen, die denen beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom (Morbus Sudeck) ähneln. Manche Fachleute sehen die Erkrankung als umkehrbare Frühform des Knocheninfarkts.
3. Beschwerden
- Plötzlich oder innerhalb weniger Tage einsetzender Leisten- und Hüftschmerz ohne Unfall
- Schmerzhaftes Hinken, Schmerz bei Belastung; Nachtschmerz weniger ausgeprägt
- Die Beweglichkeit ist meist nur am Ende der Bewegung eingeschränkt, es gibt keine Entzündungszeichen
- Höhepunkt nach 4–8 Wochen, dann langsame Besserung über Monate
4. Untersuchung
Die Beschwerden sind nicht eindeutig; entscheidend ist die Kernspin-Untersuchung. Das Röntgenbild ist in den ersten 4–8 Wochen unauffällig und zeigt danach eine fleckige Entkalkung des Hüftkopfs; der Gelenkspalt bleibt erhalten, und es gibt keinen Bruch unter dem Gelenkknorpel. Abzugrenzen sind: Hüftkopfnekrose, Ermüdungsbruch des Schenkelhalses, Hüftgelenkentzündung, Tumor, Knochenentzündung durch Bakterien, Kalkablagerungen im Gelenkknorpel.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Kernspin-Untersuchung: eine ausgedehnte, nicht scharf begrenzte Flüssigkeitseinlagerung im Knochenmark von Hüftkopf und Schenkelhals (in einer Aufnahmeart dunkel, in der flüssigkeitsempfindlichen Aufnahmeart hell), häufig ein Gelenkerguss; keine Abgrenzungslinie (das typische Doppellinien-Zeichen des Knocheninfarkts) und kein Bruch unter dem Gelenkknorpel. In der Schwangerschaft ist die Kernspin-Untersuchung ohne Kontrastmittel unbedenklich. Das Röntgenbild dient dem Ausschluss anderer Ursachen; eine Knochenszintigraphie ist nur noch selten nötig.
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig; die Entzündungswerte sind normal (Abgrenzung zur Hüftgelenkentzündung). Der Vitamin-D-Wert im Blut wird bestimmt – ein Mangel ist häufig und sollte ausgeglichen werden.
5. Behandlung
- Entlastung der betroffenen Hüfte mit Unterarmgehstützen für 6–8 Wochen, bis die Schmerzen nachlassen – das schützt vor einem nachfolgenden Bruch des Schenkelhalses oder unter dem Gelenkknorpel
- Schmerzmittel (entzündungshemmende Schmerzmittel außerhalb der Schwangerschaft; in der Schwangerschaft Paracetamol)
- Krankengymnastik, um Beweglichkeit und Muskulatur zu erhalten; kein Sport mit Stößen und Sprüngen
- Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels
- Medikamente (außerhalb der amtlichen Zulassung): Infusionen mit dem gefäßerweiternden Medikament Iloprost oder knochenschützende Medikamente (zum Beispiel Zoledronat, Ibandronat) können den Verlauf verkürzen; nicht in der Schwangerschaft
- Eine Operation (Anbohrung des Knochens zur Druckentlastung) nur in Ausnahmefällen bei sehr langwierigen Verläufen oder bei Verdacht auf den Übergang in einen Knocheninfarkt
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Kernspin-Untersuchung, Gehstützen, Krankengymnastik und Schmerzbehandlung bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Iloprost und knochenschützende Medikamente werden bei dieser Diagnose außerhalb ihrer amtlichen Zulassung eingesetzt.
6. Wie geht es weiter?
Der Verlauf ist gut: Die Beschwerden bilden sich in 6–12 Monaten vollständig zurück, die Flüssigkeitseinlagerung im Knochenmark verschwindet in der Kernspin-Untersuchung nach 3–9 Monaten ohne bleibende Schäden. Rückfälle am selben Gelenk sind selten; ein weiteres Gelenk kann betroffen werden. Bei Schwangeren bilden sich die Beschwerden nach der Entbindung meist rasch zurück.
7. Leitlinien
- AWMF 033-050 · Atraumatische Femurkopfnekrose des Erwachsenen (zur Abgrenzung)
→ Im AWMF-Register nach 033-050 suchen
8. Literatur
- Curtiss PH Jr, Kincaid WE. Transitory demineralization of the hip in pregnancy: a report of three cases. J Bone Joint Surg Am. 1959;41-A(7):1327-1333.
- Hofmann S, Engel A, Neuhold A, et al. Bone-marrow oedema syndrome and transient osteoporosis of the hip: an MRI-controlled study of treatment by core decompression. J Bone Joint Surg Br. 1993;75(2):210-216.
- Korompilias AV, Karantanas AH, Lykissas MG, Beris AE. Bone marrow edema syndrome. Skeletal Radiol. 2009;38(5):425-436.
- Aigner N, Petje G, Schneider W, et al. Bone marrow edema syndrome of the femoral head: treatment with the prostacyclin analogue iloprost vs. core decompression. Wien Klin Wochenschr. 2005;117(4):130-135.
- Wikipedia, Artikel „Transiente Osteoporose“: Transiente Osteoporose (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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