Osteopenie (verminderte Knochendichte, Vorstufe der Osteoporose)
Osteologie
1. Woher kommt der Name?
Der Name kommt aus dem Griechischen: osteon („Knochen“) und penia („Mangel“). Er beschreibt eine in der Messung verminderte Knochendichte, die aber noch nicht das Ausmaß einer Osteoporose (Knochenschwund) erreicht. Die Osteopenie ist keine Krankheit im eigentlichen Sinn, sondern ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko. Bemerkenswert: Die meisten Knochenbrüche durch Knochenschwund ereignen sich bei Menschen mit verminderter Knochendichte – einfach, weil es viel mehr Menschen mit verminderter Knochendichte gibt als Menschen mit Knochenschwund.
2. Was ist das?
Nach der Festlegung der Weltgesundheitsorganisation liegt eine Osteopenie vor, wenn der T-Wert der Knochendichtemessung (an Lendenwirbelsäule oder Hüfte) zwischen −1,0 und −2,5 liegt. Der T-Wert gibt an, um wie viele Standardabweichungen die Knochendichte unter dem Durchschnitt junger gesunder Erwachsener liegt. Werte unter −2,5 gelten als Knochenschwund. Die Behandlungsleitlinie des Dachverbands Osteologie (der Fachgesellschaft für Knochenerkrankungen) aus dem Jahr 2023 betrachtet nicht mehr nur diesen Grenzwert, sondern stellt das berechnete Risiko für Knochenbrüche in den Mittelpunkt.
2.1 Wie häufig ist die verminderte Knochendichte?
Etwa die Hälfte aller Frauen über 50 Jahre und ein Drittel der Männer in diesem Alter haben eine verminderte Knochendichte. Da die Knochendichte mit dem Alter ganz natürlich abnimmt, ist ein T-Wert von −1,5 bei einer 75-Jährigen für ihr Alter normal (im Vergleich mit Gleichaltrigen liegt sie im Durchschnitt), bei einer 45-Jährigen dagegen auffällig.
2.2 Ursachen und Entstehung
Es wirken dieselben Mechanismen wie beim Knochenschwund, nur schwächer ausgeprägt: das Absinken der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron, Kalzium- und Vitamin-D-Mangel, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol, Untergewicht, Medikamente (Kortison, bestimmte Hormonmittel gegen Brustkrebs, Medikamente gegen Krampfanfälle) und andere Erkrankungen (Schilddrüsenüberfunktion, Glutenunverträglichkeit, langanhaltende entzündliche Erkrankungen). Wer in jungen Jahren nur eine geringe höchste Knochenmasse aufgebaut hat (durch Erbanlagen, Ernährung oder den Verlauf der Pubertät), beginnt den späteren Abbau von einem niedrigeren Ausgangspunkt.
3. Beschwerden
- Keine Beschwerden – die verminderte Knochendichte ist ein Zufallsbefund oder wird bei einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt.
- Wegweisend sind Risikofaktoren: ein Knochenbruch nach einem geringfügigen Unfall, eine Abnahme der Körpergröße um mehr als 4 cm, ein Rundrücken, Sturzneigung und Knochenbrüche in der Familie (Hüftbruch bei den Eltern).
- Bei Rückenschmerzen zusammen mit einer Abnahme der Körpergröße immer an einen Wirbelkörperbruch denken – auch bei nur verminderter Knochendichte.
4. Untersuchung
Grundlage ist die Knochendichtemessung an Lendenwirbelsäule und Hüfte. Anschließend wird das persönliche Risiko für Knochenbrüche bestimmt: nach der Behandlungsleitlinie 2023 mit einem Risikomodell, das Alter, Geschlecht, T-Wert, frühere Knochenbrüche und weitere Risikofaktoren einbezieht; international mit einem Risikorechner, der im Internet verfügbar ist. Eine grundlegende Blutuntersuchung schließt andere Ursachen aus.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Knochendichtemessung (Lendenwirbelsäule, gesamte Hüfte, Schenkelhals). Bei unklaren Rückenschmerzen oder Abnahme der Körpergröße: Röntgenbild der Brust- und Lendenwirbelsäule oder eine Aufnahme der Wirbelsäule am Knochendichte-Messgerät, mit der Wirbelbrüche erkannt werden. Ein zusätzlicher Messwert am Knochendichte-Messgerät (Knochenstruktur-Wert) kann die innere Struktur des Knochens ergänzend bewerten.
4.2 Blutuntersuchungen
Grundlegende Blutuntersuchung nach der Behandlungsleitlinie: Blutbild, Entzündungswerte, Kalzium, Phosphat, alkalische Phosphatase (ein Enzym des Knochenstoffwechsels), Nierenwert und Nierenleistung, ein Leberwert, Schilddrüsenwert, Auftrennung der Bluteiweiße, der Vitamin-D-Wert im Blut; bei Männern Testosteron. Ziel: einen Knochenschwund als Folge einer anderen Erkrankung nicht zu übersehen (Überfunktion der Nebenschilddrüsen, Knochenmarkkrebs, Glutenunverträglichkeit, Schilddrüsenüberfunktion).
5. Behandlung
Grundmaßnahmen (für alle)
- Kalzium 1000 mg am Tag, am besten über die Ernährung (Milchprodukte, kalziumreiches Mineralwasser, grünes Gemüse)
- Vitamin D 800–1000 internationale Einheiten am Tag, besonders in den Wintermonaten
- Krafttraining und Gleichgewichtsübungen, Vorbeugung von Stürzen
- Nicht rauchen, Alkohol begrenzen, Untergewicht vermeiden
- Medikamente, die auf den Knochen wirken, überprüfen (Magensäureblocker, Kortison)
Behandlung mit Medikamenten
Nach der Behandlungsleitlinie 2023 wird eine gezielte Behandlung empfohlen, wenn das berechnete Risiko, innerhalb von 3 Jahren einen Hüft- oder Wirbelkörperbruch zu erleiden, 5 % oder mehr beträgt; ab 3 % kann sie erwogen werden – unabhängig davon, ob der T-Wert im Bereich der verminderten Knochendichte liegt. Nach einem Wirbelkörper- oder Hüftbruch besteht in der Regel ein Grund für die Behandlung. Eingesetzt werden knochenschützende Medikamente (Alendronat, Risedronat, Zoledronat), der Antikörper gegen Knochenabbau (Denosumab) und bei sehr hohem Risiko knochenaufbauende Medikamente (Teriparatid, Romosozumab).
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die Knochendichtemessung bezahlt die gesetzliche Krankenkasse, wenn bereits ein Knochenbruch ohne passenden Unfall eingetreten ist, bei bestimmten Risiken (zum Beispiel einer Behandlung mit Kortison) und zur Überprüfung einer Behandlung. Als reine Vorsorge ohne Risikofaktoren ist sie eine Selbstzahlerleistung. Die grundlegende Blutuntersuchung und die Behandlung mit Medikamenten bezahlt die gesetzliche Krankenkasse, wenn ein Grund dafür vorliegt.
6. Wie geht es weiter?
Ohne Gegenmaßnahmen verliert eine Frau nach den Wechseljahren etwa 1–2 % ihrer Knochenmasse pro Jahr. Konsequente Grundmaßnahmen können den Verlust bremsen; eine erneute Knochendichtemessung ist je nach Ausgangswert nach 2–5 Jahren sinnvoll. Das Risiko für Knochenbrüche ist bei verminderter Knochendichte etwa 1,5- bis 2-fach erhöht, bleibt aber von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich – deshalb zählt das Gesamtrisiko und nicht der einzelne Messwert.
7. Leitlinien
- AWMF 183-001 · Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern
→ Im AWMF-Register nach 183-001 suchen
8. Literatur
- Dachverband Osteologie (DVO). Leitlinie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern. Version 2023.
- Siris ES, Chen YT, Abbott TA, et al. Bone mineral density thresholds for pharmacological intervention to prevent fractures. Arch Intern Med. 2004;164(10):1108-1112.
- Kanis JA, Cooper C, Rizzoli R, Reginster JY. European guidance for the diagnosis and management of osteoporosis in postmenopausal women. Osteoporos Int. 2019;30(1):3-44.
- Reid IR, Horne AM, Mihov B, et al. Fracture prevention with zoledronate in older women with osteopenia. N Engl J Med. 2018;379(25):2407-2416.
- Wikipedia, Artikel „Osteopenie“: Osteopenie (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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