Schnappfinger (Tendovaginitis stenosans, Schnellender Finger, Trigger finger)
Orthopädie – Hand
1. Woher kommt der Name?
Der Name beschreibt, was man spürt: das „Schnappen“, wenn die Sehne durch eine Engstelle gleitet. Die ärztliche Bezeichnung lautet Tendovaginitis stenosans – das heißt „verengende Sehnenscheidenentzündung“. Die Sehnenscheide ist die Hülle, in der die Sehne gleitet.
2. Was ist das?
Die Beugesehnen der Finger werden durch Ringbänder dicht am Knochen geführt. Beim Schnappfinger ist die Sehnenscheide am ersten Ringband (Ärztinnen und Ärzte nennen es Ringband A1) in der Hohlhand verengt. Sehne und Ringband passen nicht mehr zueinander, und die Sehne bleibt beim Beugen und Strecken hängen – das verursacht das typische Schnappen. Der Schweregrad wird nach Quinnell und Green in die Stufen 0 bis IV eingeteilt.
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
2–3 % der Bevölkerung sind betroffen, bei Menschen mit Zuckerkrankheit 10–20 %. Frauen erkranken viermal häufiger als Männer. Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen 50 und 60 Jahren auf. Häufige Begleiterkrankungen: Zuckerkrankheit, Schilddrüsenunterfunktion, rheumatoide Arthritis (entzündliches Gelenkrheuma), Amyloidose (eine Eiweiß-Ablagerungskrankheit), Gicht.
2.2 Ursachen und Entstehung
Die Sehne verdickt sich knotig oder das Ringband verengt sich. Dadurch ist die Sehne dicker als der Tunnel, durch den sie laufen muss. Sie klemmt am Eingang des Tunnels ein, und es kommt zu einem schmerzhaften Schnappen.
3. Beschwerden
- Schnappen beim Beugen und Strecken des Fingers, oft morgens am stärksten
- Druckschmerz über dem ersten Ringband (in der Hohlhand, kurz vor dem Fingergrundgelenk)
- Tastbarer Knoten
- Fortgeschritten: Der Finger blockiert in Beugestellung und muss mit der anderen Hand gestreckt werden
- Häufig betroffen: Daumen, Mittel- und Ringfinger
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Die Diagnose ist durch die körperliche Untersuchung eindeutig (Abtasten, Auslösen des Schnappens).
4.1 Untersuchung mit Bildern
Bilder sind nicht unbedingt erforderlich. Die Ultraschalluntersuchung zeigt die verdickte Sehne und das verdickte Ringband sowie Flüssigkeit in der Sehnenscheide.
4.2 Blutuntersuchungen
Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung: Blutzucker-Langzeitwert, Schilddrüsenwert im Blut, Rheuma-Antikörper im Blut, Harnsäure.
5. Behandlung
Ohne Operation
- Fingerschiene zur Ruhigstellung
- Entzündungshemmende Schmerzmittel für begrenzte Zeit
- Kortison-Spritze an das Ringband (ein- bis zweimal) – Erfolg bei 50–85 %, bei Menschen mit Zuckerkrankheit seltener
- Alltagstraining mit Therapeuten
Operation
- Offene Spaltung des ersten Ringbands – ambulant in örtlicher Betäubung, über einen kleinen Schnitt; Heilung in 2–3 Wochen
- Spaltung des Ringbands durch die Haut mit einer Nadel (Verfahren nach Wagner)
- Erfolg bei über 95 %, Rückfälle bei unter 2 %
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Kortison-Spritzen und die operative Spaltung des Ringbands bezahlt die gesetzliche Krankenkasse.
6. Wie geht es weiter?
Der Verlauf ist sehr gut. Nach einer Operation sind die Beschwerden praktisch immer dauerhaft verschwunden.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Tendovaginitis stenosans / Schnappfinger
→ AWMF-Registersuche öffnen
8. Literatur
- Ryzewicz M, Wolf JM. Trigger digits: principles, management, and complications. J Hand Surg Am. 2006;31(1):135-146.
- Makkouk AH, Oetgen ME, Swigart CR, Dodds SD. Trigger finger: etiology, evaluation, and treatment. Curr Rev Musculoskelet Med. 2008;1(2):92-96.
- Saldana MJ. Trigger digits: diagnosis and treatment. J Am Acad Orthop Surg. 2001;9(4):246-252.
- Lim MH, Lim KK, Rasheed MZ, Narayanan S, Beng-Hoi Tan A. Outcome of open trigger digit release. J Hand Surg Eur Vol. 2007;32(4):457-459.
- Wikipedia, Artikel „Schnappfinger“: Schnellender Finger (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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