Schenkelhalsfraktur (Mediale Hüftfraktur, hüftnahe Fraktur)
Orthopädie – Hüfte
1. Woher kommt der Name?
Der Schenkelhals ist der schmale Knochenabschnitt am oberen Ende des Oberschenkelknochens, der den Hüftkopf mit dem Schaft verbindet. Eine Schenkelhalsfraktur ist ein Bruch dieses Abschnitts – zwischen dem Hüftkopf und den beiden Knochenvorsprüngen (Rollhügeln) am oberen Oberschenkel.
2. Was ist das?
Ein Knochenbruch des Schenkelhalses. Ärztinnen und Ärzte verwenden verschiedene Einteilungen (in Arztbriefen oft mit römischen Zahlen geschrieben):
- Nach Pauwels: nach dem Winkel der Bruchlinie zur Waagerechten (Grad 1 unter 30°, Grad 2 30–50°, Grad 3 über 50°). Je steiler die Bruchlinie, desto unsicherer ist der Bruch
- Nach Garden: nach der Verschiebung (Grad 1 nicht verschoben und eingestaucht, Grad 2 nicht verschoben, Grad 3 verschoben, aber die Bruchstücke berühren sich noch, Grad 4 vollständig verschoben)
- Nach der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen: Gruppe 31B1 bis 31B3
2.1 Wie häufig ist die Schenkelhalsfraktur?
In Deutschland gibt es jedes Jahr etwa 130.000 Knochenbrüche in Hüftnähe. Hauptursache ist ein Sturz bei Knochenschwund (Osteoporose) im höheren Alter. 75 % der Betroffenen sind Frauen, die meisten über 75 Jahre. Bei jüngeren Menschen kommt der Bruch nur bei Unfällen mit großer Krafteinwirkung vor.
2.2 Ursachen und Entstehung
Bei älteren Menschen genügt wegen des Knochenschwunds oft schon ein leichter Sturz. Risikofaktoren: Neigung zu Stürzen, Muskelschwund im Alter, Nervenerkrankungen, Demenz und die Einnahme vieler Medikamente gleichzeitig.
3. Beschwerden
- Plötzlicher heftiger Schmerz in Hüfte oder Leiste nach einem Sturz
- Stehen und Gehen sind nicht möglich
- Typische Fehlstellung: Das Bein ist nach außen gedreht und verkürzt
- Jede Bewegung schmerzt, das Bein kann nicht aktiv angehoben werden
- Bei einem eingestauchten, stabilen Bruch (Garden Grad 1) ist gelegentlich noch eingeschränktes Gehen möglich
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Betrachtung des Beins, Prüfung von Durchblutung, Beweglichkeit und Gefühl.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbild: Übersichtsaufnahme des Beckens von vorn und eine Aufnahme der Hüfte von der Seite. Computer-Röntgenschichtaufnahme bei Verdacht auf einen Bruch, der im Röntgenbild nicht zu sehen ist, oder zur Planung einer schwierigen Operation. Kernspin-Untersuchung: erkennt verborgene Brüche am zuverlässigsten (bei älteren Menschen mit typischen Beschwerden, aber unauffälligem Röntgenbild).
4.2 Blutuntersuchungen
Vor der Operation die üblichen Blutwerte: Blutgruppe, Blutbild, Gerinnungswerte, Blutsalze, Entzündungswert, Kreatinin (Nierenwert). Im weiteren Verlauf wird ein Knochenschwund abgeklärt: Knochendichtemessung, Vitamin-D-Wert im Blut, Kalzium, Nebenschilddrüsenhormon, Schilddrüsenwert und eine Untersuchung der Bluteiweiße.
5. Behandlung
Eine rasche Operation (innerhalb von 24 Stunden) senkt die Sterblichkeit!
Jüngere Menschen und nicht verschobene Brüche (Garden Grad 1–2)
- Der Hüftkopf wird erhalten und der Bruch operativ stabilisiert (operative Stabilisierung eines Knochenbruchs): mit Hohlschrauben oder mit einer sogenannten dynamischen Hüftschraube, die mit einer Platte am Schaft verbunden ist
Ältere Menschen und verschobene Brüche (Garden Grad 3–4)
- Teilprothese (nur der Hüftkopf wird ersetzt, die Hüftpfanne bleibt erhalten): bei begrenzter Lebenserwartung oder schlechtem Allgemeinzustand
- Vollständiges künstliches Hüftgelenk (Hüftkopf und Pfanne werden ersetzt): bei aktiven Menschen über 70, die körperlich noch fit sind
Behandlung rund um die Operation
- Gemeinsame Betreuung durch Unfallchirurgie und Altersmedizin – das senkt die Zahl der Komplikationen und die Sterblichkeit
- Aufstehen und Bewegen schon am ersten Tag nach der Operation
- Vorbeugung gegen Blutgerinnsel (Thrombose), Vorbeugung gegen Verwirrtheitszustände, Schmerzbehandlung
- Beginn einer Behandlung des Knochenschwunds
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die gesamte Behandlung im Krankenhaus mit Operation, altersmedizinischer Betreuung und anschließender Rehabilitation bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Auch die Behandlung des Knochenschwunds zur Vorbeugung weiterer Brüche (knochenschützende Medikamente, Antikörper gegen Knochenabbau) wird erstattet. Zunehmend gibt es besondere Betreuungsprogramme, die nach einem Knochenbruch die Abklärung und Behandlung des Knochenschwunds sicherstellen.
6. Wie geht es weiter?
Im ersten Jahr nach dem Bruch sterben 15–30 % der Betroffenen, abhängig vom Alter. Nur die Hälfte erreicht wieder die Beweglichkeit wie vor dem Bruch. 20–30 % werden pflegebedürftig. Den Verlauf verbessern entscheidend: eine frühe Operation, die gemeinsame Betreuung durch Unfallchirurgie und Altersmedizin, eine Rehabilitation und die Behandlung des Knochenschwunds, damit weitere Brüche verhindert werden.
7. Leitlinien
- AWMF 012-001 · Schenkelhalsfraktur des Erwachsenen
→ Im AWMF-Register nach 012-001 suchen - AWMF 187-044 · Alterstraumatologische Versorgung des geriatrischen Patienten
→ Im AWMF-Register nach 187-044 suchen
8. Literatur
- Florschutz AV, Langford JR, Haidukewych GJ, Koval KJ. Femoral neck fractures: current management. J Orthop Trauma. 2015;29(3):121-129.
- Bhandari M, Swiontkowski M. Management of Acute Hip Fracture. N Engl J Med. 2017;377(21):2053-2062.
- HEALTH Investigators, Bhandari M, Einhorn TA, et al. Total Hip Arthroplasty or Hemiarthroplasty for Hip Fracture. N Engl J Med. 2019;381(23):2199-2208.
- DGU S2e-Leitlinie Schenkelhalsfraktur (AWMF 012-001).
- Leung F, Lau TW, Kwan K, Chow SP, Kung AW. Does timing of surgery matter in fragility hip fractures? Osteoporos Int. 2010.
- Wikipedia, Artikel „Schenkelhalsfraktur“: Schenkelhalsfraktur (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
Weiterführend
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