Rhizarthrose (Daumensattelgelenks-Arthrose, CMC-I-Arthrose)
Orthopädie – Hand
1. Woher kommt der Name?
Aus dem Griechischen: rhiza bedeutet „Wurzel“. Gemeint ist die „Daumenwurzel“, also das Daumensattelgelenk zwischen Handwurzel und erstem Mittelhandknochen. Die Endung -arthrose steht für Gelenkverschleiß.
2. Was ist das?
Die Rhizarthrose ist ein Gelenkverschleiß des Daumensattelgelenks, also des Gelenks zwischen dem großen Vieleckbein in der Handwurzel und dem ersten Mittelhandknochen. Oft ist zusätzlich das benachbarte Gelenk zwischen Kahnbein und Vieleckbeinen verschlissen. Der Schweregrad wird nach Eaton und Littler in vier Stufen eingeteilt (Stufe I bis IV).
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
Die Rhizarthrose ist der häufigste Gelenkverschleiß an der Hand. Bei Frauen über 50 Jahren sind 25 % betroffen, bei Männern 8 %. Beschwerden haben etwa 10 % derjenigen, bei denen der Verschleiß im Röntgenbild zu sehen ist. Die Erkrankung tritt in manchen Familien gehäuft auf.
2.2 Ursache und Entstehung
Ursachen sind eine Überbeanspruchung des Gelenks (zum Beispiel durch den Pinzettengriff zwischen Daumen und Zeigefinger), eine zu große Lockerheit des Bandes an der Handinnenseite des Gelenks, Verletzungen sowie hormonelle Veränderungen nach den Wechseljahren.
3. Beschwerden
- Schmerzen im Daumenballen und am Daumengrundgelenk, die in die Handwurzel ausstrahlen
- Schmerz beim Greifen, beim Aufdrehen von Verschlüssen, beim Drehen eines Schlüssels und beim Pinzettengriff
- Schwellung; der erste Mittelhandknochen rutscht teilweise aus dem Gelenk heraus (beim Drücken und Drehen des Daumens entsteht ein schmerzhaftes Reiben)
- Verminderte Kraft
- Im späten Stadium: Schwanenhals-Fehlstellung des Daumens, bei der das Daumengrundgelenk überstreckt ist
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Körperliche Untersuchung: Beim sogenannten Grind-Test wird der Daumen in Längsrichtung in das Gelenk gedrückt und gleichzeitig gedreht – das löst bei Rhizarthrose Schmerz und Reiben aus. Zusätzlich kann ein Röntgenbild unter Belastung des Daumens angefertigt werden (Aufnahme nach Eaton und Littler).
4.1 Untersuchung mit Bildern
Das Röntgenbild wird von der Handrückenseite und von der Seite angefertigt, bei Bedarf zusätzlich unter Belastung. Es zeigt einen schmaler gewordenen Gelenkspalt, knöcherne Anbauten, ein teilweises Herausrutschen des Knochens aus dem Gelenk, eine Verdichtung des Knochens unter dem Knorpel und Hohlräume im Knochen. Auch das benachbarte Gelenk zwischen Kahnbein und Vieleckbeinen wird beurteilt.
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig. Um andere Erkrankungen auszuschließen, werden bei Bedarf die Rheuma-Antikörper, die Harnsäure und Kristalle in der Gelenkflüssigkeit untersucht.
5. Behandlung
Behandlung ohne Operation
- Stützschiene für den Daumen (Nachtschiene, Schiene für den Tag)
- Entzündungshemmende Schmerzmittel, andere Schmerzmittel
- Gelenkschule beim Alltagstraining mit Therapeuten (Schulung eines gelenkschonenden Pinzettengriffs)
- Kortison-Spritze in das Gelenk
- Gelenkspritze mit Hyaluronsäure (Selbstzahlerleistung)
Operation
- Entfernung des großen Vieleckbeins mit Aufhängung des Daumens: Der Knochen wird entfernt und der Daumen mit einem Sehnenstreifen stabilisiert, der in die entstandene Lücke eingelegt wird (das übliche Verfahren in Deutschland)
- Künstliches Daumensattelgelenk: wird zunehmend eingesetzt, mit guten Ergebnissen in den ersten Jahren
- Versteifung des Gelenks: in besonderen Fällen (Handwerker, hohe Kraftanforderung)
- Einlegen von Gewebe in das Gelenk ohne Knochenentfernung, Wiederherstellung des Bandes
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Stützschienen, die Kortison-Spritze und die Operationen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Spritzen mit Hyaluronsäure sind Selbstzahlerleistungen.
6. Wie geht es weiter?
Der Gelenkverschleiß schreitet im Laufe der Zeit fort. Ohne Operation lassen sich die Beschwerden lange beherrschen. Nach der Entfernung des Vieleckbeins mit Aufhängung des Daumens werden die Schmerzen in 85 bis 90 % der Fälle deutlich besser, allerdings mit einem gewissen Kraftverlust. Mit den neuen künstlichen Gelenken sind die Patientinnen und Patienten sehr zufrieden; Ergebnisse über lange Zeiträume werden noch gesammelt.
7. Leitlinien
- Aktuelle Leitlinien zu diesem Krankheitsbild finden Sie über die Suche im AWMF-Register.
8. Literatur
- Berger AJ, Meals RA. Management of osteoarthrosis of the thumb joints. J Hand Surg Am. 2015;40(4):843-850.
- Eaton RG, Littler JW. Ligament reconstruction for the painful thumb carpometacarpal joint. J Bone Joint Surg Am. 1973;55(8):1655-1666.
- Vermeulen GM, Slijper H, Feitz R, Hovius SE, Moojen TM, Selles RW. Surgical management of primary thumb carpometacarpal osteoarthritis: a systematic review. J Hand Surg Am. 2011;36(1):157-169.
- Aktuelle Leitlinien zu diesem Krankheitsbild finden Sie über die Suche im AWMF-Register.
- Wilkens SC, Bargon CA, Mohamadi A, Chen NC, Coert JH. Non-operative treatment for thumb carpometacarpal osteoarthritis: a systematic review. Osteoarthr Cartil. 2019;27(8):1139-1146.
- Wikipedia, Artikel „Rhizarthrose“: Rhizarthrose (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
Weiterführend
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