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Psoriasis-Arthritis (Schuppenflechten-Arthritis, PsA)

Rheumatologie

Hinweis: Diese Information beruht auf den aktuellen deutschen Behandlungsleitlinien und auf Fachliteratur. Sie dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt nicht das ärztliche Gespräch. Unvermeidbare Fachwörter erklärt unsere Liste medizinischer Fachbegriffe.

1. Woher kommt der Name?

Der Begriff setzt sich zusammen aus Psoriasis (Schuppenflechte; griechisch psora = „Krätze, schuppige Hauterkrankung“) und Arthritis (Gelenkentzündung). Die Psoriasis-Arthritis (Gelenkentzündung bei Schuppenflechte) ist eine eigenständige entzündliche Erkrankung aus der Gruppe der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, die Wirbelsäule und Gelenke betreffen. Sie unterscheidet sich in den Beschwerden und in den zugrunde liegenden Vorgängen im Körper von der rheumatoiden Arthritis.

2. Was ist das?

Eine langanhaltende Gelenkentzündung bei Menschen mit Schuppenflechte. Kennzeichnend sind ein ungleichmäßiger Befall der Gelenke (nicht spiegelbildlich auf beiden Körperseiten), Entzündungen der Sehnenansätze, die Schwellung ganzer Finger oder Zehen und typische Nagelveränderungen. Nach Moll und Wright werden fünf Befallsmuster unterschieden:

  • Entzündung weniger Gelenke, ungleichmäßig verteilt (häufigste Form)
  • Entzündung der Fingerendgelenke
  • Entzündung vieler Gelenke auf beiden Körperseiten (ähnlich der rheumatoiden Arthritis)
  • Entzündung der Wirbelsäule und der Kreuz-Darmbein-Gelenke
  • Verstümmelnde Form mit Zerstörung der Gelenke (selten)

Die Befallsmuster können im Verlauf wechseln oder sich überschneiden.

2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?

Von den Menschen mit Schuppenflechte entwickeln 20–30 % im Verlauf eine Psoriasis-Arthritis. In der Gesamtbevölkerung sind 0,3–1 % betroffen, Frauen und Männer gleich häufig. Am häufigsten beginnt die Erkrankung im Alter von 30 bis 50 Jahren. Meist (in 75 %) tritt die Schuppenflechte zuerst auf; bei 10–15 % beginnt die Gelenkentzündung vor den Hautveränderungen. Häufig verbunden mit Entzündungen der mittleren Augenhaut, Entzündungen der Sehnenansätze und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

2.2 Ursachen und Entstehung

Ein Zusammenspiel von erblicher Veranlagung (unter anderem das Erbmerkmal HLA-B27 und weitere Erbmerkmale des Immunsystems), Umwelteinflüssen (Infektionen, mechanische Verletzungen, die an der betroffenen Stelle einen Schub auslösen können, Rauchen, starkes Übergewicht) und überaktiven Wegen des Immunsystems. Zwei Gruppen von Entzündungsbotenstoffen – die Interleukine 23 und 17 und der Tumornekrosefaktor – spielen eine zentrale Rolle. Das erklärt, warum biotechnologisch hergestellte Medikamente, die genau diese Botenstoffe blockieren, so gut wirken. Die Entzündung der Sehnen- und Bänderansätze am Knochen ist ein typisches Merkmal und verbindet die Psoriasis-Arthritis mit den anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen der Wirbelsäule.

3. Beschwerden

  • Haut: schuppende, gerötete Herde (an den Streckseiten von Armen und Beinen, auf der Kopfhaut, hinter den Ohren, am Nabel, in der Gesäßfalte), Nagelveränderungen (Tüpfel, gelbliche „Ölflecken“, Ablösung des Nagels vom Nagelbett) – oft ein Hinweis auf eine folgende Gelenkentzündung
  • Entzündung weniger Gelenke, ungleichmäßig verteilt: vor allem große Gelenke (Knie, Sprunggelenk)
  • Befall der Fingerendgelenke (typisch für die Psoriasis-Arthritis, selten bei der rheumatoiden Arthritis) – meist zusammen mit Nagelveränderungen
  • „Wurstfinger“: Schwellung eines ganzen Fingers oder einer ganzen Zehe
  • Entzündungen der Sehnenansätze: Achillessehne, Sehnenplatte der Fußsohle, Ansätze am Brustbein
  • Entzündung der Wirbelsäule: entzündlicher Rückenschmerz (nachts und morgens am stärksten, Besserung durch Bewegung), Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke
  • Verstümmelnde Form: Zerstörung der Fingergelenke mit Verkürzung der Finger („Teleskop-Finger“, „Opernglas-Hand“)
  • Außerhalb der Gelenke: Entzündung der vorderen mittleren Augenhaut, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Stoffwechselstörungen mit Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen

3.1 Bilder

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4. Untersuchung

Die Diagnose wird aus den Beschwerden und der Untersuchung gestellt, unterstützt durch ein internationales Punktesystem aus dem Jahr 2006: Bei einer entzündlichen Erkrankung von Gelenken, Wirbelsäule oder Sehnenansätzen müssen mindestens 3 Punkte aus diesen Bereichen erreicht sein: Schuppenflechte aktuell, früher oder in der Familie (1–2 Punkte), typische Nagelveränderungen (1 Punkt), fehlender Rheuma-Antikörper im Blut (1 Punkt), Wurstfinger aktuell oder früher (1 Punkt), Nachweis neuer Knochenbildung neben den Gelenken im Röntgenbild (1 Punkt).

4.1 Untersuchung mit Bildern

Röntgenbild der Hände und Füße – kennzeichnende Befunde:

  • Knochenschäden am Rand der Gelenke und gleichzeitig neue Knochenbildung neben dem Gelenk
  • „Stift-im-Becher“-Verformung an den Fingerendgelenken (beweisend für die Erkrankung)
  • Knöcherne Versteifung von Gelenken
  • Ungleichmäßiges Befallsmuster

Ultraschalluntersuchung: Entzündung der Gelenkinnenhaut, der Sehnenansätze, des Nagelbetts und der Sehnenscheiden. Kernspin-Untersuchung der Kreuz-Darmbein-Gelenke und der Wirbelsäule bei Beschwerden an der Wirbelsäule. Kernspin-Untersuchung der Hände und Füße zeigt eine Entzündungsaktivität schon, bevor sie Beschwerden macht.

4.2 Blutuntersuchungen

  • Entzündungswerte im Blut: bei aktiver Erkrankung erhöht, oft weniger stark als bei der rheumatoiden Arthritis
  • Rheuma-Antikörper: in der Regel nicht nachweisbar (wichtige Abgrenzung zur rheumatoiden Arthritis)
  • Erbmerkmal HLA-B27: bei Befall der Wirbelsäule in 40–50 % nachweisbar
  • Harnsäure: zur Abgrenzung von der Gicht
  • Vor Beginn biotechnologisch hergestellter Medikamente: Untersuchung auf Tuberkulose sowie auf Hepatitis B und C

5. Behandlung

Die Behandlung folgt den Empfehlungen der europäischen Rheuma-Fachgesellschaft von 2019 und der internationalen Arbeitsgruppe für Schuppenflechte und Psoriasis-Arthritis; eine deutsche Behandlungsleitlinie ist in Vorbereitung.

Maßnahmen ohne Medikamente

  • Schulung der Patientinnen und Patienten, Gewichtsabnahme, Rauchstopp
  • Krankengymnastik und Alltagstraining mit Therapeuten
  • Bei Bedarf Mitbehandlung durch die Hautärztin oder den Hautarzt (äußerliche Behandlung der Schuppenflechte, Lichtbehandlung)

Behandlung mit Medikamenten

  • Entzündungshemmende Schmerzmittel: lindern die Beschwerden, vor allem bei Entzündung der Sehnenansätze und der Wirbelsäule
  • Klassische Basismedikamente gegen Rheuma:
    • Methotrexat (wirkt auch auf die Haut)
    • Leflunomid, Sulfasalazin
    • Ciclosporin (wirkt vor allem auf die Haut)
  • Biotechnologisch hergestellte Rheumamedikamente, wenn die klassischen Basismedikamente nicht ausreichen oder die Erkrankung schwer verläuft:
    • Hemmer des Tumornekrosefaktors: Adalimumab, Etanercept, Infliximab, Certolizumab, Golimumab
    • Hemmer des Interleukins 17: Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab
    • Hemmer der Interleukine 12 und 23: Ustekinumab
    • Hemmer des Interleukins 23: Guselkumab, Risankizumab
    • Abatacept (bremst die Aktivierung bestimmter Abwehrzellen)
  • Entzündungshemmer in Tablettenform für schweres Rheuma: Tofacitinib, Upadacitinib
  • Apremilast: eine Tablette, die ein Enzym der Entzündungszellen hemmt und auch auf die Haut wirkt
  • Kortison-Spritzen gezielt in einzelne Gelenke
  • Kortison in Tablettenform nur in Ausnahmefällen (Gefahr eines Rückschlags nach dem Absetzen)

5.1 Was die Krankenkasse bezahlt

Alle genannten Medikamente bezahlt bei entsprechendem Grund die gesetzliche Krankenkasse. Biotechnologisch hergestellte Rheumamedikamente und die Entzündungshemmer in Tablettenform für schweres Rheuma sind teuer; die Kosten übernehmen die Krankenkassen, wenn die klassischen Basismedikamente nicht ausreichend gewirkt haben. Apremilast ist eigens für diese Erkrankung zugelassen und wird ebenfalls erstattet. Krankengymnastik und Alltagstraining mit Therapeuten werden als Heilmittel verordnet.

6. Wie geht es weiter?

Mit frühzeitiger Diagnose und moderner Behandlung lässt sich die Psoriasis-Arthritis heute gut kontrollieren. Ohne Behandlung drohen die Zerstörung von Gelenken, Arbeitsunfähigkeit und eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität. Die verstümmelnde Form ist die schwerste Verlaufsform mit Gelenkzerstörung und Funktionsverlust. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht – eine umfassende Vorbeugung ist deshalb wichtig. Die enge Zusammenarbeit von Rheumatologie und Hautheilkunde verbessert die Ergebnisse.

7. Leitlinien

Hinweis: Die Links führen zur AWMF-Registersuche mit der jeweiligen Register-Nummer als Suchparameter. Dort finden Sie die aktuell gültige Version der Leitlinie. Bei Einträgen „in AWMF-Register suchen" existiert keine verifizierte eigenständige deutsche Leitlinie – hier gelten EULAR-, ACR- oder internationale Empfehlungen. Stand der hier genannten Register-Nummern und Versionen: nach bestem Wissen recherchiert, bitte auf awmf.org auf Aktualität prüfen.
  • Aktuelle Leitlinien zu diesem Krankheitsbild finden Sie über die Suche im AWMF-Register.

8. Literatur

  1. Gossec L, Baraliakos X, Kerschbaumer A, et al. EULAR recommendations for the management of psoriatic arthritis with pharmacological therapies: 2019 update. Ann Rheum Dis. 2020;79(6):700-712.
  2. Coates LC, Soriano ER, Corp N, et al. Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis (GRAPPA): updated treatment recommendations for psoriatic arthritis 2021. Nat Rev Rheumatol. 2022;18(8):465-479.
  3. Ritchlin CT, Colbert RA, Gladman DD. Psoriatic Arthritis. N Engl J Med. 2017;376(10):957-970.
  4. Taylor W, Gladman D, Helliwell P, et al. Classification criteria for psoriatic arthritis: development of new criteria from a large international study. Arthritis Rheum. 2006;54(8):2665-2673.
  5. Ogdie A, Weiss P. The Epidemiology of Psoriatic Arthritis. Rheum Dis Clin North Am. 2015;41(4):545-568.
  6. Nast A, Altenburg A, Augustin M, et al. Deutsche S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris (aktuelle Version siehe AWMF-Register).
  7. Wikipedia, Artikel „Psoriasis-Arthritis“: Psoriasisarthritis (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)

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