Facharzt für Orthopädie · Osteologe (DVO) · Hamburg-Langenhorn

Phantomschmerz (Schmerz in der amputierten Extremität)

Schmerzmedizin

Hinweis: Diese Information beruht auf den aktuellen deutschen Behandlungsleitlinien und auf Fachliteratur. Sie dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt nicht das ärztliche Gespräch. Unvermeidbare Fachwörter erklärt unsere Liste medizinischer Fachbegriffe.

1. Woher kommt der Name?

Ein „Phantom“ ist ein Trugbild – etwas, das nicht wirklich da ist. Beim Phantomschmerz wird Schmerz in einem Körperteil empfunden, der nicht mehr vorhanden ist. Davon zu unterscheiden sind der Stumpfschmerz (Schmerz am Stumpf selbst) und Phantomempfindungen (Empfindungen in dem fehlenden Arm oder Bein, die nicht schmerzhaft sind).

2. Was ist das?

Eine Schmerzempfindung in einem Arm, einem Bein oder einem anderen Körperteil, der durch eine Operation oder einen Unfall abgetrennt wurde. Der Schmerz kann in einzelnen Schüben auftreten oder dauerhaft bestehen.

2.1 Wie häufig ist das?

Phantomschmerz tritt bei 50–80 % der Menschen auf, bei denen ein Körperteil abgetrennt wurde. Er ist häufiger, wenn schon vor der Abtrennung Schmerzen bestanden, wenn ein Arm betroffen ist, wenn beide Seiten betroffen sind und wenn die Abtrennung durch einen Unfall geschah.

2.2 Ursachen und Entstehung

Es wirken mehrere Ursachen zusammen:

  • Am Stumpf: Die durchtrennten Nervenenden bilden einen Nervenknoten, der von sich aus Schmerzsignale aussendet
  • Im Rückenmark: Die Nervenzellen werden überempfindlich; weil die gewohnten Signale aus dem fehlenden Körperteil ausbleiben, werden sie überaktiv
  • Im Gehirn: Der Bereich der Hirnrinde, der früher den fehlenden Körperteil versorgte, wird von benachbarten Bereichen „übernommen“

3. Beschwerden

  • Brennende, stechende oder krampfartige Schmerzen
  • Wechselnde Stärke, oft anfallsartig
  • Begleitende Phantomempfindungen (das fehlende Glied wird gespürt, manchmal in unangenehm verzerrter Form)
  • Auslöser: Stress, Wetterwechsel, Berührungsreize am Stumpf

3.1 Bilder

→ Weitere Bilder bei Wikimedia Commons

4. Untersuchung

Gespräch über die Krankengeschichte und körperliche Untersuchung. Behebbare Ursachen werden ausgeschlossen (Probleme am Stumpf, Infektion, Nervenknoten).

4.1 Untersuchung mit Bildern

In der Regel nicht nötig. Bei Verdacht auf einen Nervenknoten eine Ultraschalluntersuchung oder eine Kernspin-Untersuchung des Stumpfes.

4.2 Blutuntersuchungen

Unauffällig.

5. Behandlung

Vorbeugung (vor und während der Operation)

  • Örtliche Betäubung der Nerven oder eine Betäubung über einen Katheter nahe dem Rückenmark vor und während der Operation („vorbeugende Schmerzausschaltung“)
  • Kombinierte Schmerzbehandlung rund um die Operation
  • Frühzeitige Aufklärung und Schulung

Medikamente

  • Gabapentin, Pregabalin (Medikamente gegen Nervenschmerzen; für Phantomschmerz außerhalb der amtlichen Zulassung)
  • Amitriptylin (ein stimmungsaufhellendes Medikament, das auch Schmerzen dämpft)
  • Starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide (bei schweren Schmerzen)
  • Calcitonin (ein Hormon) als Infusion beim frischen Phantomschmerz kurz nach der Abtrennung – der Nutzen ist nur begrenzt belegt, das Mittel wurde früher häufiger eingesetzt

Behandlung ohne Medikamente

  • Spiegeltherapie: Die gesunde Seite wird vor einem Spiegel bewegt, so dass das Gehirn den fehlenden Körperteil in Bewegung „sieht“ – der Nutzen ist gut belegt, Standardverfahren
  • Abgestuftes Bewegungs-Vorstellungstraining (erst Erkennen von rechts und links auf Bildern, dann Bewegungen in der Vorstellung, dann Spiegeltherapie)
  • Reizstrombehandlung
  • Akupunktur
  • Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie, Hypnose-Behandlung)

Eingriffe an den Nerven (wenn der Schmerz auf die Behandlung nicht anspricht)

  • Betäubung des unwillkürlichen Nervensystems durch gezielte Spritzen
  • Rückenmarkstimulation
  • Gezielte Verlagerung der durchtrennten Nerven in Muskeln des Stumpfes – ein Verfahren, das schon bei der Operation angewendet wird

5.1 Was die Krankenkasse bezahlt

Die üblichen Behandlungen mit und ohne Medikamente, Prothesen und die Rehabilitation bezahlt die gesetzliche Krankenkasse.

6. Wie geht es weiter?

Der Phantomschmerz bleibt oft lange bestehen, doch mit einer kombinierten Schmerzbehandlung erreichen viele Betroffene eine erhebliche Besserung. Vorbeugende Maßnahmen vor und während der Abtrennung können den Phantomschmerz verringern.

7. Leitlinien

Hinweis: Die Links führen zur AWMF-Registersuche mit der jeweiligen Register-Nummer als Suchparameter. Dort finden Sie die aktuell gültige Version der Leitlinie. Bei Einträgen „in AWMF-Register suchen" existiert keine verifizierte eigenständige deutsche Leitlinie – hier gelten EULAR-, ACR- oder internationale Empfehlungen. Stand der hier genannten Register-Nummern und Versionen: nach bestem Wissen recherchiert, bitte auf awmf.org auf Aktualität prüfen.

8. Literatur

  1. Richardson C, Kulkarni J. A review of the management of phantom limb pain: challenges and solutions. J Pain Res. 2017;10:1861-1870.
  2. Chan BL, Witt R, Charrow AP, et al. Mirror therapy for phantom limb pain. N Engl J Med. 2007;357(21):2206-2207.
  3. Moseley GL. Graded motor imagery is effective for long-standing complex regional pain syndrome: a randomised controlled trial. Pain. 2004;108(1-2):192-198.
  4. Alviar MJ, Hale T, Dungca M. Pharmacologic interventions for treating phantom limb pain. Cochrane Database Syst Rev. 2016;10(10):CD006380.
  5. Wikipedia, Artikel „Phantomschmerz“: Phantomschmerz (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)

Fragen zu Phantomschmerz?

Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis – wir beraten Sie persönlich.

📞 040 53300630

Unsere Sprechzeiten

Dr. med. Georg P. Dahmen · alle Sprechzeiten, auch von Dr. Mallien und Frau Schlesinger

Neu: Freitags 08:00–15:00 Uhr – ganzheitliche osteologische, rheumatologische und schmerztherapeutische und kinderorthopädische Privat- und Selbstzahler-Sprechstunde bei Dr. Dahmen (nur mit Termin).
Montag08:00–13:00 offene Sprechstunde · 13:00–17:00 Terminsprechstunde · 17:00–18:00 Rezeptabholung
Dienstag08:00–13:00 offene Sprechstunde · 13:00–17:00 Terminsprechstunde · 17:00–18:00 Rezeptabholung
Mittwochambulante und stationäre Operationen in der Auenlandklinik Bad Bramstedt, Termine nur nach Vereinbarung
Donnerstag08:00–13:00 offene Sprechstunde · 13:00–17:00 Terminsprechstunde · 17:00–18:00 Rezeptabholung
Freitag08:00–15:00 Privat- und Selbstzahler-Sprechstunde · ganzheitlich osteologisch, rheumatologisch, schmerztherapeutisch, kinderorthopädisch · nur mit Termin
Samstaggeschlossen

So erreichen Sie uns telefonisch

Oder schreiben Sie uns über den Praxis-Messenger Medflex – für Rezeptbestellungen und andere Wünsche der schnellste Weg.

Online-Termin für die offene Sprechstunde

Unser Leistungsspektrum

Diagnostik, konservative Therapie und Operationen – aus einer Hand. Alle Leistungen im Überblick

Unser Ärzteteam

Praxisgemeinschaft im Ärztehaus Tangstedter Landstraße 77

Aktuelles aus der Praxis

Alle Neuigkeiten · Formulare zum Download · Klinische Studien

So finden Sie uns

Dr. med. Georg P. Dahmen
Ärztehaus Tangstedter Landstraße 77
22415 Hamburg-Langenhorn

U-Bahn: U1 bis Langenhorn Markt, dann 300 m zu Fuß.
Bus: Linien 24, 192, 193, 492, 592, 606 bis Langenhorn Markt.
Auto: Parkplätze am Langenhorner Markt und im Krohnstieg-Center.

Die Praxis ist barrierefrei erreichbar (Rampe links vom Eingang, Fahrstuhl im Haus).

Anfahrt & Karte

Karte: Tangstedter Landstraße 77 am Langenhorner Markt
Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende