Patellaluxation (Kniescheibenverrenkung)
Orthopädie – Knie
1. Woher kommt der Name?
Patella ist das lateinische Wort für die Kniescheibe, und Luxation bedeutet „Ausrenkung“. Gemeint ist das Herausgleiten der Kniescheibe aus ihrer Gleitrinne am unteren Ende des Oberschenkelknochens – fast immer nach außen.
2. Was ist das?
Bei der Kniescheiben-Ausrenkung springt die Kniescheibe vollständig aus ihrer Gleitrinne, meist nach außen. Man unterscheidet:
- Ausrenkung durch eine Verletzung (einmalig)
- Wiederkehrende Ausrenkung
- Gewohnheitsmäßige Ausrenkung (bei jeder Beugung, meist weil die Gleitrinne fehlgebildet ist)
Häufig reißt dabei das innere Halteband der Kniescheibe, und es entstehen Verletzungen an Knorpel und Knochen. Risikofaktoren sind: eine zu flach angelegte Gleitrinne, eine zu hoch stehende Kniescheibe, ein vergrößerter Abstand zwischen Schienbeinhöcker und Gleitrinne, X-Beine und allgemein lockere Bänder.
2.1 Wie häufig ist das?
Jährlich erleiden 5–43 von 100.000 Menschen eine Kniescheiben-Ausrenkung. Am häufigsten betrifft sie 10- bis 17-Jährige, Mädchen und Frauen öfter als Jungen und Männer. Nach einer ersten Ausrenkung liegt das Risiko eines Rückfalls bei etwa 30 %, bei Risikofaktoren deutlich höher.
2.2 Ursache und Entstehung
Meist kommen eine anatomische Veranlagung und eine Verletzung zusammen. Das innere Halteband der Kniescheibe ist der wichtigste Zügel, der die Kniescheibe daran hindert, nach außen zu gleiten.
3. Beschwerden
- Im akuten Fall: plötzliche Verrenkung, starker Schmerz; beim Strecken des Knies springt die Kniescheibe oft von selbst wieder an ihren Platz
- Schwellung, Bluterguss im Gelenk (ein Hinweis auf den Riss des inneren Haltebands!)
- Bei wiederkehrender Ausrenkung: Gefühl der Unsicherheit, Wegknicken des Knies
- Abwehr und Angst, wenn die Kniescheibe bei leicht gebeugtem Knie nach außen geschoben wird
3.1 Bilder
→ Weitere Bilder bei Wikimedia Commons
4. Untersuchung
Körperliche Untersuchung: Die Kniescheibe wird bei leicht gebeugtem Knie nach außen geschoben – löst das Angst oder Abwehr aus, spricht das für eine Instabilität. Außerdem wird geprüft, wie weit sich die Kniescheibe verschieben lässt.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbilder (von vorn, von der Seite und eine Aufnahme, die die Kniescheibe in ihrer Gleitrinne zeigt): Form der Gleitrinne (Einteilung nach Dejour in die Stufen A bis D), Höhe der Kniescheibe (Messverfahren nach Caton-Deschamps), knöcherne Begleitverletzungen. Kernspin-Untersuchung: Riss des inneren Haltebands, Eindellungsbruch mit Knorpel und Knochen, Knochenprellung am äußeren Gelenkknorren des Oberschenkelknochens, Messung des Abstands zwischen Schienbeinhöcker und Gleitrinne (normal unter 15 mm, krankhaft über 20 mm).
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig.
5. Behandlung
Erste Ausrenkung ohne Begleitverletzungen
- Ohne Operation: Einrenken, Stützschiene für 4–6 Wochen, Krankengymnastik (Aufbau des vorderen Oberschenkelmuskels, Gleichgewichts- und Koordinationstraining)
- Frühe Bewegung wird empfohlen
Bei abgesprengtem Knorpel-Knochen-Stück, wiederkehrender Ausrenkung oder Risikofaktoren
- Versorgung abgesprengter Knorpel-Knochen-Stücke durch eine Gelenkspiegelung
- Wiederherstellung des inneren Haltebands: das Standardverfahren bei wiederkehrender Instabilität der Kniescheibe
- Bei einem Abstand zwischen Schienbeinhöcker und Gleitrinne über 20 mm: Versetzung des Schienbeinhöckers (Operation nach Elmslie-Trillat)
- Bei schwer fehlgebildeter Gleitrinne: operative Vertiefung der Gleitrinne
- Bei X-Bein: Umstellungsoperation am unteren Oberschenkelknochen
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die Behandlung ohne Operation und die Operationen sind Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse.
6. Wie geht es weiter?
Nach einer ersten Ausrenkung liegt das Risiko einer erneuten Ausrenkung bei 15–40 %. Nach der Wiederherstellung des inneren Haltebands ist die Kniescheibe sehr gut stabil; eine erneute Ausrenkung kommt in weniger als 10 % der Fälle vor. 80–90 % kehren zum Sport zurück. Langfristig ist das Risiko für einen Gelenkverschleiß zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen erhöht.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Patellaluxation
→ AWMF-Registersuche öffnen
8. Literatur
- Balcarek P, Oberthür S, Hopfensitz S, et al. Which patellae are likely to redislocate? Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2014;22(10):2308-2314.
- Stefancin JJ, Parker RD. First-time traumatic patellar dislocation: a systematic review. Clin Orthop Relat Res. 2007;455:93-101.
- Schneider DK, Grawe B, Magnussen RA, et al. Outcomes After Isolated Medial Patellofemoral Ligament Reconstruction for the Treatment of Recurrent Lateral Patellar Dislocations. Am J Sports Med. 2016;44(11):2993-3005.
- Dejour H, Walch G, Nove-Josserand L, Guier C. Factors of patellar instability. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 1994;2(1):19-26.
- Wikipedia, Artikel „Patellaluxation“: Patellaluxation (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
Weiterführend
Fragen zu Patellaluxation?
Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis – wir beraten Sie persönlich.
