Osteochondrose der Wirbelsäule (Bandscheibendegeneration, Intervertebrale Osteochondrose)
Orthopädie – Wirbelsäule
1. Woher kommt der Name?
Der Name kommt aus dem Griechischen: osteon bedeutet „Knochen“ und chondros „Knorpel“. Er beschreibt den Verschleiß der Bandscheibe zusammen mit den Veränderungen, mit denen die angrenzenden Wirbelkörper darauf reagieren.
2. Was ist das?
Die Osteochondrose der Wirbelsäule ist eine Verschleißerkrankung der Bandscheiben. Die Bandscheibe verliert an Höhe, ihr äußerer Faserring bekommt Risse, ihr weicher Gallertkern verändert sich, und der Knochen der angrenzenden Wirbelkörper – die Grund- und Deckplatten – reagiert darauf mit Umbau. Im Röntgenbild sind typisch: eine Verdichtung der Wirbelkörper-Deckplatten und knöcherne Randanbauten. In der Kernspin-Untersuchung werden die Veränderungen der Wirbelkörper neben der Bandscheibe nach Modic in drei Typen eingeteilt (Typ 1 = Flüssigkeitseinlagerung im Knochen, Typ 2 = Umwandlung des Knochenmarks in Fettgewebe, Typ 3 = Verdichtung des Knochens).
2.1 Wie häufig ist das?
Außerordentlich häufig: Bei mehr als 50 % der Menschen über 50 Jahren ist sie im Röntgenbild nachweisbar. Der Zusammenhang zwischen dem, was auf den Bildern zu sehen ist, und den tatsächlichen Beschwerden ist jedoch nur mäßig – viele Betroffene haben keinerlei Beschwerden.
2.2 Ursache und Entstehung
Mit zunehmendem Alter verliert der Gallertkern der Bandscheibe Wasser und wasserbindende Eiweißstoffe. Dadurch wird die Bandscheibe niedriger, der Faserring reißt ein, die Last verteilt sich anders auf die Wirbelsäule, und der Knochen der Wirbelkörper unter den Deckplatten reagiert darauf mit Umbau.
3. Beschwerden
- Langanhaltender Rückenschmerz in der Mitte des Rückens über der Wirbelsäule, abhängig von Belastung und Körperhaltung
- Morgendliche Steifigkeit, Besserung durch Bewegung
- Der Schmerz kann in Gesäß oder Oberschenkel ausstrahlen, ohne dass eine Nervenwurzel gereizt ist
- Häufig ein Zufallsbefund oder eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Körperliche Untersuchung und Gespräch über die Krankengeschichte. Warnzeichen für eine gefährliche Ursache müssen ausgeschlossen werden.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbild: niedrigere Bandscheibe, Verdichtung der Deckplatten, knöcherne Randanbauten. Kernspin-Untersuchung: Die Bandscheibe erscheint auf den Bildern dunkler, weil sie Wasser verloren hat (der Grad wird nach Pfirrmann in fünf Stufen eingeteilt); Veränderungen nach Modic in den angrenzenden Wirbelkörpern; begleitende Verschleißanbauten an der Vorderseite der Wirbel; Vorwölbungen oder Vorfälle der Bandscheibe.
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig. Wenn eine entzündliche Erkrankung in Frage kommt, werden die Entzündungswerte im Blut bestimmt; bei Verdacht auf eine bakterielle Entzündung von Bandscheibe und Wirbel wird bei Bedarf mit einer Nadel eine Gewebeprobe entnommen.
4.3 Andere mögliche Ursachen der Beschwerden
- Bakterielle Entzündung von Bandscheibe und Wirbelkörper
- Entzündliche Wirbelsäulenerkrankung aus der Gruppe des Morbus Bechterew
- Wirbelkörperbruch (durch Knochenschwund oder durch eine Verletzung)
- Tumoren (Tochtergeschwülste einer Krebserkrankung, Krebserkrankung des Knochenmarks)
5. Behandlung
Ohne Operation
- Krankengymnastik, medizinisches Aufbautraining an Geräten
- Entzündungshemmende Schmerzmittel für begrenzte Zeit
- Behandlung mit den Händen, Osteopathie
- Wärme, Reizstrombehandlung, Akupunktur (Kassenleistung bei langanhaltenden Schmerzen der Lendenwirbelsäule)
- Kombinierte Schmerzbehandlung, wenn die Schmerzen dauerhaft geworden sind
- Psychotherapie (Verhaltenstherapie) bei erheblicher seelischer Belastung
Spritzen und Operation
- Spritzen in den Raum um die Rückenmarkshaut oder an die Nervenwurzel, wenn ein Teil der Schmerzen von einer Nervenwurzel ausgeht
- Eine Versteifungsoperation der betroffenen Wirbel kommt nur bei strengen Voraussetzungen in Frage: bei einer Instabilität oder bei anhaltenden Schmerzen, die auf keine Behandlung ansprechen und eindeutig zu dem passen, was auf den Bildern zu sehen ist
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die üblichen Behandlungen sind Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse. Operationen werden nur bei strengen Voraussetzungen übernommen. Der wissenschaftliche Nutzen einer Operation allein wegen einer Osteochondrose ist zurückhaltend zu bewerten – die sorgfältige Auswahl der geeigneten Patientinnen und Patienten ist entscheidend.
6. Wie geht es weiter?
Die Erkrankung schreitet langsam fort, lässt sich aber ohne Operation in den meisten Fällen gut beherrschen. Seelische und soziale Belastungsfaktoren begünstigen, dass die Schmerzen dauerhaft werden.
7. Leitlinien
- NVL nvl-007 · Nicht-spezifischer Kreuzschmerz
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8. Literatur
- Urban JP, Roberts S. Degeneration of the intervertebral disc. Arthritis Res Ther. 2003;5(3):120-130.
- Modic MT, Steinberg PM, Ross JS, Masaryk TJ, Carter JR. Degenerative disk disease: assessment of changes in vertebral body marrow with MR imaging. Radiology. 1988;166(1 Pt 1):193-199.
- Pfirrmann CW, Metzdorf A, Zanetti M, Hodler J, Boos N. Magnetic resonance classification of lumbar intervertebral disc degeneration. Spine. 2001;26(17):1873-1878.
- NVL Kreuzschmerz 2017.
- Wikipedia, Artikel „Osteochondrose der Wirbelsäule“: Osteochondrose (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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