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Neuropathischer Schmerz (Nervenschmerz, Neuropathie-bedingter Schmerz)

Schmerzmedizin

Hinweis: Diese Information beruht auf den aktuellen deutschen Behandlungsleitlinien und auf Fachliteratur. Sie dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt nicht das ärztliche Gespräch. Unvermeidbare Fachwörter erklärt unsere Liste medizinischer Fachbegriffe.

1. Woher kommt der Name?

„Neuropathisch“ bedeutet „vom kranken Nerv ausgehend“. Der Nervenschmerz ist die unmittelbare Folge einer Schädigung oder Erkrankung des Teils des Nervensystems, der Berührung, Temperatur und Schmerz wahrnimmt und weiterleitet.

2. Was ist das?

Nervenschmerz ist ein Schmerz, der durch eine nachweisbare Schädigung oder Erkrankung der Gefühlsnerven entsteht – entweder der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark oder von Gehirn und Rückenmark selbst. Beispiele:

  • Schädigung der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark: Nervenschädigung durch die Zuckerkrankheit (Diabetes), Nervenschmerz nach einer Gürtelrose, Nervenschädigung durch eine Chemotherapie, Einklemmung eines Nervs in einer Engstelle, Nervenschädigung nach einer Verletzung
  • Schädigung in Gehirn oder Rückenmark: Schmerz nach einem Schlaganfall, Multiple Sklerose, Verletzungen des Rückenmarks
  • Mischformen: Reizung oder Schädigung einer Nervenwurzel an der Wirbelsäule

2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?

In Europa haben 7–10 % der Menschen Nervenschmerzen. Die häufigsten Ursachen: Nervenschädigung durch die Zuckerkrankheit (5–15 % der Menschen mit Diabetes), Nervenschmerz nach Gürtelrose und Nervenwurzel-Erkrankungen.

2.2 Ursachen und Entstehung

Geschädigte Nervenfasern sind krankhaft leicht erregbar und senden von selbst Schmerzimpulse aus, ohne dass ein Reiz vorliegt. Rückenmark und Gehirn werden für Schmerzreize überempfindlich, und die vom Gehirn ausgehende Schmerzhemmung ist vermindert. Natrium-Kanäle, Kalzium-Kanäle und andere Angriffspunkte an den Nervenzellen sind das Ziel moderner Medikamente.

3. Beschwerden

Typische Merkmale:

  • Brennender, einschießender, elektrisierender Schmerz
  • Dauerhafte oder anfallsartige Schmerzen
  • Schmerz durch Reize, die normalerweise nicht wehtun (zum Beispiel leichte Berührung oder die Bettdecke auf der Haut)
  • Verstärkte Schmerzantwort auf Reize, die ohnehin schmerzhaft sind
  • Unangenehme Missempfindungen, Kribbeln, Ameisenlaufen
  • Taubheitsgefühl
  • Der Schmerz folgt oft dem Versorgungsgebiet eines bestimmten Nervs

3.1 Bilder

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4. Untersuchung

Gespräch über die Krankengeschichte mit Fragebögen, die Nervenschmerzen erkennen helfen; körperliche Untersuchung mit Prüfung der Empfindung für Berührung, Temperatur, Vibration und Schmerz, bei Bedarf als genau abgestufte Messung; bei Bedarf Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und der elektrischen Muskelaktivität; eine Gewebeprobe aus der Haut bei Verdacht auf eine Erkrankung der dünnen Nervenfasern.

4.1 Untersuchung mit Bildern

Je nach Ursache: Kernspin-Untersuchung bei Verdacht auf eine Ursache in Gehirn oder Rückenmark. Kernspin-Untersuchung der Muskeln und Ultraschalluntersuchung der Nerven bei Verdacht auf eine Einklemmung eines Nervs.

4.2 Blutuntersuchungen

Zur Klärung der Ursache:

  • Blutzucker-Langzeitwert und Blutzucker (Zuckerkrankheit)
  • Vitamin B12, Folsäure (Mangel)
  • Auftrennung der Bluteiweiße (krankhafte Eiweiße im Blut, Eiweißablagerungen in den Geweben – sogenannte Amyloidose)
  • Schilddrüsenwert im Blut (Schilddrüsenunterfunktion)
  • Autoantikörper gegen Zellkerne, Rheuma-Antikörper im Blut
  • Blutwerte, die auf Alkoholkonsum hinweisen, bei Verdacht auf eine Nervenschädigung durch Alkohol
  • Suche nach einer Krebserkrankung, wenn ein Tumor als Auslöser vermutet wird

5. Behandlung

Erste Wahl (nach der deutschen Behandlungsleitlinie und den Empfehlungen der internationalen Schmerzgesellschaft)

  • Mittel aus der Gruppe der Gabapentinoide (ursprünglich gegen Krampfanfälle entwickelt): Gabapentin 300–3600 mg am Tag, Pregabalin 150–600 mg am Tag
  • Ältere Mittel gegen Depressionen, die in niedriger Dosis Nervenschmerzen dämpfen: Amitriptylin 10–75 mg, Nortriptylin
  • Mittel gegen Depressionen, die die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin verstärken: Duloxetin 30–120 mg, Venlafaxin

Zweite Wahl

  • Tramadol, Tapentadol (schwächer wirkende Schmerzmittel aus der Morphin-Gruppe)
  • Behandlung auf der Haut:
    • Pflaster mit dem örtlichen Betäubungsmittel Lidocain 5 % bei Nervenschmerz nach Gürtelrose und bei örtlich begrenzten Nervenschmerzen
    • Pflaster mit dem Chili-Wirkstoff Capsaicin 8 % (Qutenza)

Dritte Wahl / Reserve

  • Starke Schmerzmittel aus der Morphin-Gruppe (Opioide) in ausgewählten Fällen
  • Das Nervengift Botulinumtoxin in sehr kleinen Mengen (bei örtlich begrenzten Nervenschmerzen)
  • Rückenmarkstimulation (ein eingepflanzter Schmerzschrittmacher, der über Elektroden am Rückenmark die Schmerzweiterleitung dämpft): bei Schmerzen, die auf keine andere Behandlung ansprechen – zum Beispiel beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom (Morbus Sudeck), bei anhaltenden Schmerzen nach Rückenoperationen oder bei Nervenschädigung durch die Zuckerkrankheit
  • Schmerzpumpen, die Medikamente direkt in den Nervenwasserraum des Rückenmarks abgeben

Ergänzend

5.1 Was die Krankenkasse bezahlt

Alle bewährten Behandlungen mit und ohne Medikamente bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Die kombinierte Schmerzbehandlung (ohne oder mit Krankenhausaufenthalt) und eine Psychotherapie werden erstattet, wenn ein Grund dafür vorliegt. Die Rückenmarkstimulation wird bei Schmerzen, die auf keine andere Behandlung ansprechen, nach Genehmigung im Einzelfall übernommen.

6. Wie geht es weiter?

Nervenschmerzen sind langanhaltend. Mit einer konsequenten Behandlung erreichen 30–50 % der Betroffenen eine deutliche Besserung (bei den meisten Medikamenten hat im Durchschnitt eine von 4 bis 7 behandelten Personen einen deutlichen Nutzen). Eine kombinierte Behandlung verbessert die Ergebnisse.

7. Leitlinien

Hinweis: Die Links führen zur AWMF-Registersuche mit der jeweiligen Register-Nummer als Suchparameter. Dort finden Sie die aktuell gültige Version der Leitlinie. Bei Einträgen „in AWMF-Register suchen" existiert keine verifizierte eigenständige deutsche Leitlinie – hier gelten EULAR-, ACR- oder internationale Empfehlungen. Stand der hier genannten Register-Nummern und Versionen: nach bestem Wissen recherchiert, bitte auf awmf.org auf Aktualität prüfen.

8. Literatur

  1. Finnerup NB, Attal N, Haroutounian S, et al. Pharmacotherapy for neuropathic pain in adults: a systematic review and meta-analysis. Lancet Neurol. 2015;14(2):162-173.
  2. Colloca L, Ludman T, Bouhassira D, et al. Neuropathic pain. Nat Rev Dis Primers. 2017;3:17002.
  3. Attal N, Cruccu G, Baron R, et al. EFNS guidelines on the pharmacological treatment of neuropathic pain. Eur J Neurol. 2010;17(9):1113-e88.
  4. AWMF S2k-Leitlinie Neuropathischer Schmerz (030-114).
  5. Baron R, Binder A, Wasner G. Neuropathic pain: diagnosis, pathophysiological mechanisms, and treatment. Lancet Neurol. 2010;9(8):807-819.
  6. Wikipedia, Artikel „Neuropathischer Schmerz“: Neuropathischer Schmerz (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)

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