Morbus Scheuermann (Adoleszentenkyphose, Juvenile Osteochondrose der Wirbelsäule)
Kinderorthopädie
1. Woher kommt der Name?
Die Erkrankung ist nach dem dänischen Röntgenarzt Holger Werfel Scheuermann (1877–1960) benannt. „Morbus“ ist das lateinische Wort für Krankheit.
2. Was ist das?
Der Morbus Scheuermann (die Scheuermann-Krankheit) ist eine Wachstumsstörung der Brustwirbelsäule und/oder der Lendenwirbelsäule. Die Wirbelkörper verformen sich keilförmig (mindestens 5° Keilform bei 3 aufeinanderfolgenden Wirbeln), Bandscheibengewebe bricht in die Wirbelkörper ein (Schmorl-Knötchen), und die oberen und unteren Abschlussplatten der Wirbelkörper werden unregelmäßig. Die Folge ist ein fest eingestellter Rundrücken (eine verstärkte Rundung der Wirbelsäule nach hinten).
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
1–8 % der Bevölkerung sind betroffen. Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen. Die Erkrankung zeigt sich zwischen dem 10. und 17. Lebensjahr.
2.2 Ursachen und Entstehung
Mehrere Faktoren wirken zusammen: eine erbliche Veranlagung, mechanische Belastung (schweres Heben, Sport in der Pubertät) und eine örtliche Wachstumsstörung. Die Keilform entsteht im vorderen Teil der Wirbelkörper, weil sich das Wachstumszentrum nach hinten verlagert.
3. Beschwerden
- Zunehmender Rundrücken
- Rückenschmerz bei Belastung
- Haltungsschwäche
- Ist auch der Übergang zur Lendenwirbelsäule betroffen, zusätzlich Kreuzschmerzen
- Muskelverspannungen, schwache Bauchmuskeln
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Die Ärztin oder der Arzt betrachtet den Rücken (Rundrücken) und lässt den Oberkörper nach vorn beugen – dabei wird die Rundung deutlich sichtbar. Außerdem wird die Beweglichkeit der Wirbelsäule gemessen: Wie weit entfalten sich Brust- und Lendenwirbelsäule beim Vorbeugen (gemessen an Markierungen auf der Haut), und wie groß ist der Abstand zwischen Fingerspitzen und Boden?
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbild der Brust- und Lendenwirbelsäule von der Seite im Stehen:
- Keilförmige Wirbelkörper (mindestens 5° bei mindestens 3 aufeinanderfolgenden Wirbeln)
- Schmorl-Knötchen (Einbrüche von Bandscheibengewebe in die Abschlussplatten der Wirbel)
- Unregelmäßige obere und untere Abschlussplatten
- Messung des Winkels der Rundung (Cobb-Winkel); an der Brustwirbelsäule sind 20–40° normal
Eine Kernspin-Untersuchung ist nur in Sonderfällen nötig (bei Nervenstörungen oder untypischen Verläufen).
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig.
5. Behandlung
Leichte Form (Rundung unter 50°)
- Haltungsschulung
- Gezielte Krankengymnastik (Aufrichtung, Kräftigung der Rückenstrecker und der Bauchmuskeln, Dehnung der Brustmuskeln)
- Sport: Schwimmen (in Rückenlage), Reiten, Volleyball
Mittlere Form (Rundung 50–75°) bei noch offenen Wachstumsfugen
- Korsettbehandlung (zum Beispiel Milwaukee- oder Boston-Korsett) für 18–23 Stunden am Tag bis zum Ende des Wachstums
- Intensive Krankengymnastik
Schwere Form (Rundung über 75°) oder anhaltende Schmerzen nach dem Ende des Wachstums
- Operation, bei der die Wirbelsäule aufgerichtet und in diesem Abschnitt versteift wird (von hinten, selten zusätzlich mit einem Zugang von vorn)
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Krankengymnastik und Korsett bezahlt die Krankenkasse. Die Operation wird erstattet, wenn ein entsprechender Grund vorliegt.
6. Wie geht es weiter?
Leichte und mittlere Formen haben langfristig einen guten Verlauf. Ein schwerer Rundrücken kann im Erwachsenenalter zu langanhaltenden Rückenschmerzen und Haltungsproblemen führen. Schäden an Nerven oder Rückenmark sind selten.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Morbus Scheuermann / Adoleszentenkyphose
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Weiterführend
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