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Mischkollagenose (Sharp-Syndrom, Mixed Connective Tissue Disease (MCTD))

Rheumatologie

Hinweis: Diese Information beruht auf den aktuellen deutschen Behandlungsleitlinien und auf Fachliteratur. Sie dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt nicht das ärztliche Gespräch. Unvermeidbare Fachwörter erklärt unsere Liste medizinischer Fachbegriffe.

1. Woher kommt der Name?

Der Name „Mischkollagenose“ beschreibt, dass bei dieser Erkrankung Merkmale verschiedener entzündlicher Bindegewebserkrankungen gleichzeitig oder nacheinander auftreten – nämlich des Lupus (systemischer Lupus erythematodes), der Sklerodermie (Bindegewebsverhärtung), der Muskelentzündung (Polymyositis) und des Gelenkrheumas (rheumatoide Arthritis). Erstmals beschrieben wurde die Erkrankung 1972 von Gordon C. Sharp – daher der zweite Name „Sharp-Syndrom“.

2. Was ist das?

Die Mischkollagenose ist eine eigenständige entzündliche Bindegewebserkrankung. Kennzeichnend ist, dass sich Beschwerden des Lupus, der Sklerodermie, der Muskelentzündung (mit oder ohne Hautbeteiligung) und des Gelenkrheumas überlappen. Typisch und entscheidend für die Diagnose ist eine große Menge bestimmter Abwehrstoffe im Blut, der Mischkollagenose-Antikörper (gegen U1-RNP). Die Abgrenzung zu anderen Überlappungs-Erkrankungen und zu einer nicht näher einzuordnenden Bindegewebserkrankung ist mitunter schwierig.

2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?

Die Mischkollagenose ist selten: Etwa 2 bis 10 von 100.000 Menschen sind betroffen. Frauen erkranken 4- bis 5-mal häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, oft zunächst mit Durchblutungsstörungen der Finger (Raynaud-Syndrom).

2.2 Ursache und Entstehung

Wie bei anderen entzündlichen Bindegewebserkrankungen greift das Abwehrsystem fälschlich den eigenen Körper an. Dabei bildet es gezielt Antikörper gegen einen bestimmten Bestandteil des Zellkerns (U1-RNP). Eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle (ein bestimmtes Erbmerkmal der Gewebeverträglichkeit). Es kommt zu Schäden an der Innenwand der Blutgefäße, zu Gefäßerkrankungen und in unterschiedlichem Ausmaß zu einer bindegewebigen Vernarbung von Organen.

3. Beschwerden

Die folgenden Beschwerden können in vielfältiger Kombination auftreten:

  • Raynaud-Syndrom (anfallsartiges Weißwerden der Finger bei Kälte oder Aufregung) – fast immer vorhanden, oft die erste Beschwerde
  • Teigige Schwellung der Finger („geschwollene Hände“)
  • Gelenkentzündung, teils mit Zerstörung von Knochen am Gelenk
  • Muskelentzündung (Schwäche der körpernahen Muskeln an Schultern und Hüften, erhöhter Muskelenzym-Wert im Blut)
  • Hautveränderungen, die der Sklerodermie ähneln (Verhärtung der Haut)
  • Lungenbeteiligung: entzündliche Vernarbung des Lungengewebes, Lungenhochdruck (erhöhter Blutdruck in den Lungengefäßen – die gefürchtetste Folge, weil sie den weiteren Verlauf bestimmt)
  • Bewegungsstörung der Speiseröhre (Schluckbeschwerden, Sodbrennen)
  • Beteiligung des Herzens
  • Entzündung der Häute, die Lunge und Herz umgeben (Brustfell- und Herzbeutelentzündung)
  • Haut: lila Verfärbung der Augenlider, Knötchen über den Fingergelenken, Hautveränderungen wie beim Lupus
  • Beteiligung der Nieren – seltener als bei Lupus oder Sklerodermie
  • Nerven: Schmerzen des Gesichtsnervs (Trigeminusneuralgie) sind typisch

3.1 Bilder

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4. Untersuchung

Für die Einordnung gibt es zwei anerkannte Regelwerke (die Kriterien nach Alarcón-Segovia und nach Kasukawa), in denen festgelegt ist, welche Beschwerden und Blutbefunde zusammenkommen müssen. Entscheidend für die Diagnose ist eine große Menge der Mischkollagenose-Antikörper im Blut in Verbindung mit Beschwerden aus mindestens zwei verschiedenen entzündlichen Bindegewebserkrankungen.

4.1 Untersuchung mit Bildern

Wie bei den anderen entzündlichen Bindegewebserkrankungen: eine Computer-Röntgenschichtaufnahme der Lunge in hoher Auflösung (Suche nach Vernarbungen des Lungengewebes), eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Suche nach Lungenhochdruck), eine Magenspiegelung oder Druckmessung in der Speiseröhre bei Beschwerden beim Schlucken, eine Kernspin-Untersuchung der Muskulatur bei Muskelentzündung sowie eine Untersuchung der feinsten Blutgefäße am Nagelbett unter dem Mikroskop.

4.2 Blutuntersuchungen

  • Mischkollagenose-Antikörper: in großer Menge nachweisbar, entscheidend für die Diagnose
  • Autoantikörper gegen Zellkerne: nachweisbar, mit gesprenkeltem Muster unter dem Mikroskop
  • Meist keine Antikörper gegen die Erbsubstanz (typisch für Lupus), keine Sklerodermie-Antikörper und keine Smith-Antikörper (typisch für Lupus) – dies hilft bei der Abgrenzung
  • Rheuma-Antikörper im Blut häufig nachweisbar
  • Der Muskelenzym-Wert (Kreatinkinase) ist bei Muskelentzündung erhöht
  • Die Entzündungswerte im Blut: die Blutsenkung ist meist erhöht, das C-reaktive Protein unterschiedlich
  • Die Komplement-Eiweiße des Abwehrsystems sind meist normal (wichtiger Unterschied zum Lupus)

5. Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach den Organen, die betroffen sind, und nach den jeweils im Vordergrund stehenden Beschwerden:

  • Entzündungshemmende Schmerzmittel und das Rheuma-Basismedikament Hydroxychloroquin bei milden Verläufen, bei Gelenkentzündung und Hautbeteiligung
  • Kortison bei aktiven Schüben
  • Das Rheuma-Basismedikament Methotrexat bei Gelenk- oder Muskelentzündung
  • Die das Abwehrsystem dämpfenden Medikamente Azathioprin und Mycophenolat bei schwerer Beteiligung innerer Organe
  • Das stark abwehrdämpfende Medikament Cyclophosphamid bei lebensbedrohlichen Verläufen
  • Biotechnologisch hergestellte Rheumamedikamente (Rituximab), wenn die Erkrankung auf die übliche Behandlung nicht anspricht
  • Spezielle Medikamente gegen Lungenhochdruck in einem darauf spezialisierten Zentrum
  • Behandlung je nach betroffenem Organ (magensäurehemmende Medikamente bei Sodbrennen, Behandlung der Durchblutungsstörungen der Finger und anderes)

5.1 Was die Krankenkasse bezahlt

Die Untersuchungen und die übliche Behandlung bezahlt die gesetzliche Krankenkasse.

6. Wie geht es weiter?

Der voraussichtliche Verlauf ist günstiger als bei der klassischen Sklerodermie mit ausgedehntem Hautbefall oder bei schwerem Lupus, aber ernster als bei einer nicht näher einzuordnenden Bindegewebserkrankung. Den größten Einfluss auf den Verlauf hat der Lungenhochdruck – deshalb sind eine frühe Suche danach und eine frühe Behandlung entscheidend. Bei konsequenter Behandlung leben nach 10 Jahren noch über 80 % der Erkrankten.

7. Leitlinien

Hinweis: Die Links führen zur AWMF-Registersuche mit der jeweiligen Register-Nummer als Suchparameter. Dort finden Sie die aktuell gültige Version der Leitlinie. Bei Einträgen „in AWMF-Register suchen" existiert keine verifizierte eigenständige deutsche Leitlinie – hier gelten EULAR-, ACR- oder internationale Empfehlungen. Stand der hier genannten Register-Nummern und Versionen: nach bestem Wissen recherchiert, bitte auf awmf.org auf Aktualität prüfen.

8. Literatur

  1. Sharp GC, Irvin WS, Tan EM, Gould RG, Holman HR. Mixed connective tissue disease—an apparently distinct rheumatic disease syndrome associated with a specific antibody to an extractable nuclear antigen (ENA). Am J Med. 1972;52(2):148-159.
  2. Alarcón-Segovia D, Cardiel MH. Comparison between 3 diagnostic criteria for mixed connective tissue disease. J Rheumatol. 1989;16(3):328-334.
  3. Tani C, Carli L, Vagnani S, et al. The diagnosis and classification of mixed connective tissue disease. J Autoimmun. 2014;48-49:46-49.
  4. Gunnarsson R, Molberg O, Gilboe IM, Gran JT. The prevalence and incidence of mixed connective tissue disease: a national multicentre survey of Norwegian patients. Ann Rheum Dis. 2011;70(6):1047-1051.
  5. Cappelli S, Bellando Randone S, Martinović D, et al. "To be or not to be," ten years after: evidence for mixed connective tissue disease as a distinct entity. Semin Arthritis Rheum. 2012;41(4):589-598.
  6. Wikipedia, Artikel „Mischkollagenose“: Mischkollagenose (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)

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