Meniskusläsion (Meniskusriss, Meniscus tear)
Orthopädie – Knie
1. Woher kommt der Name?
Meniskus kommt vom griechischen meniskos („Halbmond“) und bezeichnet die beiden halbmondförmigen Knorpelscheiben im Kniegelenk: den Innenmeniskus und den Außenmeniskus. „Läsion“ bedeutet Verletzung oder Schädigung.
2. Was ist das?
Ein Riss oder eine andere Verletzung der Menisken. Die Einteilung erfolgt nach:
- Rissform: Längsriss, Korbhenkelriss (ein Längsriss, bei dem sich der innere Teil wie ein Henkel abhebt), strahlenförmiger Riss, Lappenriss, waagerechter Riss, zusammengesetzter Riss
- Zone: Der äußere Rand des Meniskus ist gut durchblutet und kann heilen („rot-rote Zone“); die mittlere Zone ist mäßig durchblutet („rot-weiß“); der innere Teil hat keine Blutgefäße und heilt kaum („weiß-weiße Zone“)
- Ursache: durch einen Unfall oder durch Verschleiß
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
Meniskusverletzungen sind häufig. Unfallbedingte Risse betreffen vor allem junge Sportlerinnen und Sportler. Verschleißbedingte Risse sind ab dem 40. Lebensjahr häufig – in der Kernspin-Untersuchung findet man sie bei vielen Menschen, die gar keine Beschwerden haben. Im höheren Alter treten sie oft zusammen mit einem Kniegelenkverschleiß auf.
2.2 Ursache und Entstehung
Unfallbedingt: eine Drehbewegung des Knies bei feststehendem Fuß, typisch bei Kontaktsportarten. Verschleißbedingt: Das Gewebe des Meniskus verliert mit dem Alter an Festigkeit.
3. Beschwerden
- Knieschmerzen am inneren oder äußeren Gelenkspalt, je nachdem, welcher Meniskus betroffen ist
- Schmerzen bei Belastung und in der tiefen Hocke
- Wiederkehrender Gelenkerguss (Flüssigkeit im Knie)
- Beim Korbhenkelriss: Das Knie blockiert und lässt sich nicht mehr strecken oder beugen
- Auffällige Meniskus-Tests: Zum Beispiel löst das Drehen des Unterschenkels bei gebeugtem Knie Schmerz aus, der Druckschmerz am Gelenkspalt wandert beim Beugen nach hinten, oder Druck auf das Knie im Schneidersitz schmerzt
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Die Untersuchung besteht aus den Meniskus-Tests und dem Abtasten des Gelenkspalts. Bei einem Erguss wird Gelenkflüssigkeit entnommen und untersucht.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Die Kernspin-Untersuchung ist das Verfahren der Wahl; sie erkennt Meniskusrisse sehr zuverlässig. Die Veränderungen werden nach Stoller in drei Stufen eingeteilt. Das Röntgenbild dient dazu, einen begleitenden Gelenkverschleiß oder Knochenbrüche auszuschließen.
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig. Bei einem unklaren Erguss wird die entnommene Gelenkflüssigkeit untersucht; nach einer frischen Verletzung ist sie oft blutig.
5. Behandlung
Ohne Operation
- Bei verschleißbedingten Rissen ohne Blockierung: entzündungshemmende Schmerzmittel, Krankengymnastik, Anpassung der Belastung, Kälte oder Wärme, bei Bedarf Spritzen in das Gelenk
- Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen: Bei einem verschleißbedingten Meniskusriss ohne Blockierung ist die Behandlung ohne Operation einer Gelenkspiegelung nicht unterlegen
Operation (Gelenkspiegelung)
- Meniskusnaht: bei frischen Rissen in der gut durchbluteten Randzone, bei jüngeren Patientinnen und Patienten und bei Korbhenkelrissen – sie erhält das Gelenk! Der Riss heilt in 70–90 % der Fälle
- Teilentfernung des Meniskus: bei Rissen, die sich nicht nähen lassen – der zerstörte Anteil wird entfernt, der Rand bleibt erhalten
- Meniskusverpflanzung (Einsetzen eines Spender-Meniskus): bei jüngeren Menschen, deren Meniskus vollständig entfernt wurde und bei denen ein Gelenkverschleiß beginnt – nur in spezialisierten Zentren
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Alle Untersuchungen und Behandlungen sind Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse.
6. Wie geht es weiter?
Nach einer Meniskusnaht heilt der Riss bei richtiger Auswahl der Patientinnen und Patienten in 70–90 % der Fälle ein. Nach einer Teilentfernung ist das Risiko für einen Gelenkverschleiß langfristig erhöht – und zwar umso mehr, je mehr Meniskusgewebe entfernt wurde. Bei verschleißbedingten Rissen lassen sich die Beschwerden meist ohne Operation gut beherrschen.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Meniskuserkrankung
→ AWMF-Registersuche öffnen
8. Literatur
- Beaufils P, Becker R, Kopf S, et al. Surgical management of degenerative meniscus lesions: the 2016 ESSKA meniscus consensus. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2017;25(2):335-346.
- Sihvonen R, Paavola M, Malmivaara A, et al. Arthroscopic partial meniscectomy versus sham surgery for a degenerative meniscal tear. N Engl J Med. 2013;369(26):2515-2524.
- Katz JN, Brophy RH, Chaisson CE, et al. Surgery versus physical therapy for a meniscal tear and osteoarthritis. N Engl J Med. 2013;368(18):1675-1684.
- Aktuelle Leitlinien zu diesem Krankheitsbild finden Sie über die Suche im AWMF-Register.
- Makris EA, Hadidi P, Athanasiou KA. The knee meniscus: structure-function, pathophysiology, current repair techniques, and prospects for regeneration. Biomaterials. 2011;32(30):7411-7431.
- Wikipedia, Artikel „Meniskusläsion“: Meniskus (Anatomie) (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
Weiterführend
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