Kalkschulter (Tendinosis calcarea, Kalkeinlagerung der Rotatorenmanschette)
Orthopädie – Schulter
1. Woher kommt der Name?
Der ärztliche Name „Tendinosis calcarea“ kommt aus dem Lateinischen: tendo („Sehne“) und calcarius („kalkhaltig“). Der Kalk lagert sich typischerweise in der Sehne des Obergrätenmuskels ab, die oben über den Oberarmkopf zieht.
2. Was ist das?
Bei der Kalkschulter lagern sich Kalksalze (Hydroxylapatit, das gleiche Mineral wie im Knochen) in den Sehnen der Rotatorenmanschette ab – das ist die Gruppe von vier Sehnen, die den Oberarmkopf in der Schulterpfanne hält und dreht. Meist ist die Sehne des Obergrätenmuskels betroffen. Es gibt eine Einteilung nach dem Aussehen im Röntgenbild (nach Gärtner, Stufen I bis III) und eine Einteilung nach Krankheitsphasen (nach Uhthoff: Bildung des Kalks, Auflösung des Kalks, Phase nach dem Kalk). Das Kalkdepot ist oft größer als 5 mm.
2.1 Wie häufig ist das?
3–20 % der Erwachsenen haben Kalkablagerungen in der Schulter, häufig ohne Beschwerden. Frauen sind etwas häufiger betroffen, meist im Alter von 30–50 Jahren.
2.2 Ursache und Entstehung
Sehnenzellen wandeln sich in knorpelähnliche Zellen um, in die sich anschließend Kalk einlagert. Der Auslöser ist unbekannt. Von sich aus verläuft die Erkrankung typischerweise in Phasen: Der Kalk bildet sich, löst sich von selbst wieder auf, und die Sehne heilt aus.
3. Beschwerden
- Schulterschmerz – oft plötzlich und heftig in der Phase, in der sich der Kalk auflöst, auch in Ruhe
- Eingeschränktes seitliches Anheben des Arms; „schmerzhafter Bogen“: Der Schmerz tritt vor allem im mittleren Bereich der Anhebebewegung auf
- Nachtschmerz, Schmerz beim Liegen auf der betroffenen Seite
- Verlauf in Phasen mit beschwerdefreien Zeiten
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Beschwerden und körperliche Untersuchung, Röntgenbild, Ultraschalluntersuchung.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbild in zwei Ebenen (genau von vorn in der Gelenkebene und als Aufnahme des Raums unter dem Schulterdach): Die Lage des Kalkdepots wird bestimmt. Einteilung nach Gärtner (I: scharf begrenzt und dicht; II: weich, wolkig; III: verschwunden, ausgeheilt). Ultraschalluntersuchung: Darstellung auch in Bewegung; ermöglicht das Anstechen des Kalkdepots mit einer Nadel.
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig.
5. Behandlung
Ohne Operation
- Entzündungshemmende Schmerzmittel, andere Schmerzmittel
- Krankengymnastik
- Stoßwellenbehandlung: Die Wirksamkeit ist gut belegt; seit 2019 Kassenleistung bei Kalkschulter (3 Sitzungen pro Jahr und Schulter)
- Anstechen und Ausspülen des Kalkdepots unter Ultraschallkontrolle: Mit zwei Nadeln wird das Depot durchstochen und mit Kochsalzlösung gespült; anschließend wird Kortison gespritzt
- Kortison-Spritze in den Raum unter dem Schulterdach in der Phase mit plötzlichen, heftigen Schmerzen
Operation
- Entfernung des Kalkdepots bei einer Gelenkspiegelung, wenn die anderen Behandlungen nicht helfen oder das Depot sehr groß ist
- Ist zusätzlich die Rotatorenmanschette geschädigt, wird beides in einer Operation versorgt
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die Stoßwellenbehandlung bei Kalkschulter bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Auch das Anstechen und Ausspülen unter Ultraschallkontrolle und die Operationen sind Kassenleistungen.
6. Wie geht es weiter?
In 70–80 % der Fälle löst sich das Kalkdepot innerhalb von Wochen bis Monaten von selbst auf, vor allem unter der Stoßwellenbehandlung. Nach einer Operation sind die Ergebnisse in über 85 % der Fälle sehr gut.
7. Leitlinien
- AWMF 033-032 · Tendinosis calcarea der Rotatorenmanschette
→ Im AWMF-Register nach 033-032 suchen
8. Literatur
- Uhthoff HK, Loehr JW. Calcific tendinopathy of the rotator cuff: pathogenesis, diagnosis, and management. J Am Acad Orthop Surg. 1997;5(4):183-191.
- Louwerens JK, Sierevelt IN, van Hove RP, van den Bekerom MP, van Noort A. Prevalence of calcific deposits within the rotator cuff tendons in adults with and without subacromial pain syndrome. J Shoulder Elbow Surg. 2015;24(10):1588-1593.
- Bannuru RR, Flavin NE, Vaysbrot E, Harvey W, McAlindon T. High-energy extracorporeal shock-wave therapy for treating chronic calcific tendinitis of the shoulder. Ann Intern Med. 2014;160(8):542-549.
- DGOU S2e-Leitlinie Tendinosis calcarea (AWMF 033-032).
- Speed CA, Hazleman BL. Calcific tendinitis of the shoulder. N Engl J Med. 1999;340(20):1582-1584.
- Wikipedia, Artikel „Kalkschulter“: Tendinosis calcarea (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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