Impingement-Syndrom der Schulter (Subacromiales Engpasssyndrom)
Orthopädie – Schulter
1. Woher kommt der Name?
Impingement ist englisch und bedeutet „Einklemmung“ oder „Anstoßen“. Der Begriff beschreibt das schmerzhafte Einklemmen von Sehnen- oder Schleimbeutelgewebe unter dem Schulterdach, wenn der Arm angehoben wird. Das Schulterdach ist ein Knochenvorsprung des Schulterblatts, der über dem Oberarmkopf liegt.
2. Was ist das?
Beim Impingement der Schulter (Engpass im Gelenk unter dem Schulterdach) werden die Sehne des Obergrätenmuskels – eine der Sehnen, die den Oberarmkopf wie eine Manschette umgeben – und der darunterliegende Schleimbeutel zwischen Oberarmkopf und Schulterdach eingeklemmt. Ursachen sind eine angeborene gebogene oder hakenförmige Form des Schulterdachs, ein Verschleiß des Gelenks zwischen Schlüsselbein und Schulterdach mit Knochenanbauten an der Unterseite, eine Schwäche der Sehnenmanschette des Oberarmkopfs oder ein gestörter Bewegungsablauf des Schulterblatts. Man unterscheidet drei Stadien: Reizzustand, Sehnenentzündung mit narbigem Umbau, Sehnenriss.
3. Beschwerden
- Schmerzhafter Bogen: Der Schmerz tritt auf, wenn der Arm seitlich zwischen 60° und 120° angehoben wird
- Schmerzen bei Arbeiten über Kopf und beim Liegen auf der betroffenen Seite
- Schmerzen in der Nacht
- Bestimmte Bewegungstests sind auffällig: Der Schmerz wird ausgelöst, wenn der angehobene Arm nach innen gedreht wird oder wenn der gestreckte Arm nach vorn oben geführt wird
- Im fortgeschrittenen Stadium lässt die Kraft beim Anheben des Arms nach
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Körperliche Untersuchung mit den oben beschriebenen Bewegungstests, außerdem die Prüfung der Kraft beim seitlichen Anheben des leicht nach innen gedrehten Arms. Beurteilt wird auch, ob sich das Schulterblatt normal bewegt. Das Gelenk zwischen Schlüsselbein und Schulterdach wird abgetastet.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbilder in drei Ebenen (von vorn, als Blick auf den Raum unter dem Schulterdach und von oben durch die Achselhöhle). Beurteilt werden die Form des Schulterdachs, das Gelenk zwischen Schlüsselbein und Schulterdach, der Raum unter dem Schulterdach und mögliche Kalkeinlagerungen. Eine Ultraschalluntersuchung schließt einen Schaden an der Sehnenmanschette des Oberarmkopfs aus. Eine Kernspin-Untersuchung ist bei unklarem Befund oder vor einer Operation sinnvoll.
4.2 Blutuntersuchungen
In der Regel unauffällig. Die Entzündungswerte im Blut werden bestimmt, um eine entzündliche Erkrankung des Schultergelenks auszuschließen, wenn die Beschwerden dafür sprechen.
5. Behandlung
Die Behandlung ohne Operation ist die erste Wahl:
- Entzündungshemmende Schmerzmittel, bei Bedarf weitere Schmerzmittel
- Krankengymnastik: Übungen, die den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zentrieren, das Schulterblatt stabilisieren und die Muskeln dehnen
- Spritze mit Kortison in den Raum unter dem Schulterdach (ein- bis zweimal, nicht häufiger)
- Stoßwellenbehandlung, wenn gleichzeitig eine Kalkschulter besteht
- Bewegungen vermeiden, die die Beschwerden auslösen
Eine Operation kommt in Frage, wenn die Behandlung ohne Operation nach 6 Monaten nicht hilft: Bei einer Gelenkspiegelung wird der Raum unter dem Schulterdach erweitert. Dabei werden der Schleimbeutel entfernt, die Unterseite des Schulterdachs geglättet und bei Bedarf das Gelenk zwischen Schlüsselbein und Schulterdach teilweise abgetragen.
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Alle Behandlungen ohne Operation einschließlich Krankengymnastik und Kortison-Spritze bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Auch die Erweiterung des Raums unter dem Schulterdach bei einer Gelenkspiegelung im Krankenhaus ist eine Kassenleistung. Die Stoßwellenbehandlung ist bei einer Kalkschulter eine Kassenleistung; bei einem reinen Impingement ohne Kalk ist sie häufig eine Selbstzahlerleistung.
6. Wie geht es weiter?
Mit einer konsequenten Behandlung ohne Operation werden 60–70 % der Patientinnen und Patienten weitgehend beschwerdefrei. Nach der Operation sind bei über 80 % gute bis sehr gute Ergebnisse zu erwarten. Rückfälle sind möglich, wenn die auslösenden Belastungen (Arbeiten über Kopf, Fehlbelastung beim Sport) nicht verändert werden.
7. Leitlinien
- AWMF 033-041 · Rotatorenmanschette (inkl. Impingement)
→ Im AWMF-Register nach 033-041 suchen
8. Literatur
- Neer CS 2nd. Anterior acromioplasty for the chronic impingement syndrome in the shoulder. J Bone Joint Surg Am. 1972;54(1):41-50.
- DGOU S2e-Leitlinie Rotatorenmanschette (AWMF 033-041).
- Wikipedia, Artikel „Impingement-Syndrom der Schulter“: Impingement-Syndrom der Schulter (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
Weitere Informationen
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