Hallux valgus (Ballenzeh, Frostballen)
Orthopädie – Fuß
1. Woher kommt der Name?
„Hallux“ ist der lateinische Name der Großzehe, „valgus“ bedeutet „nach außen abweichend“. Der Begriff beschreibt also die Abweichung der Großzehe zur Außenseite des Fußes hin – meist mit einem auffälligen „Ballen“ an der Innenseite.
2. Was ist das?
Der Hallux valgus (Ballenzeh) ist eine Fehlstellung des ersten Zehenstrahls: Der erste Mittelfußknochen weicht nach innen ab, die Großzehe weicht nach außen ab, und die beiden kleinen Knochen unter dem Großzehengrundgelenk (Sesambeine) sind aus ihrer Führung gerutscht. Häufig besteht zugleich ein Spreizfuß. Ursachen sind eine erbliche Veranlagung, eine Bindegewebsschwäche und ungeeignete Schuhe (hohe Absätze, enge Schuhe); selten entsteht die Fehlstellung nach einer Verletzung. Frauen sind zehnmal häufiger betroffen als Männer.
3. Beschwerden
- sichtbare Abweichung der Großzehe nach außen und Vorwölbung an der Innenseite („Ballen“)
- Druckschmerzen und Schleimbeutelentzündung am Ballen
- Reibung am Schuh, Rötung, Hornschwiele
- Schmerzen im Vorfuß bei Belastung; weil die Last auf die benachbarten Mittelfußknochen verlagert wird, schmerzt es auch unter deren Köpfchen
- beginnender Gelenkverschleiß des Großzehengrundgelenks im fortgeschrittenen Stadium
- Bildung von Hammerzehen an den benachbarten Zehen
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Die Fehlstellung ist mit bloßem Auge zu erkennen. Die Ärztin oder der Arzt beurteilt die Fußform, einen Spreizfuß, Hornschwielen und die Beweglichkeit der Gelenke. Durch eine Bewegungsprüfung wird festgestellt, ob das Großzehengrundgelenk bereits steif ist (Hallux rigidus).
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbild des Fußes im Stehen (von oben und von der Seite) zum Ausmessen der Fehlstellung:
- Winkel zwischen Großzehe und erstem Mittelfußknochen: unter 15° normal, 15–20° leichte, 20–40° mittlere, über 40° schwere Fehlstellung
- Winkel zwischen dem ersten und dem zweiten Mittelfußknochen
- Stellung der Sesambeine (nach einer Einteilung von Hardy und Clapham)
- Passen die Gelenkflächen noch zueinander? Wie stark ist der Gelenkverschleiß?
4.2 Blutuntersuchungen
Besondere Blutuntersuchungen sind nicht erforderlich.
5. Behandlung
Ohne Operation:
- weite, flache Schuhe, Polster für den Ballen, Nachtschiene (begrenzte Wirkung)
- Fußgymnastik, Einlagen für den Spreizfuß mit einer Abstützung hinter den Köpfchen der Mittelfußknochen
- entzündungshemmende Schmerzmittel bei Entzündungszeichen
Operation bei Beschwerden – das Verfahren richtet sich nach dem Ausmaß der Fehlstellung:
- Durchtrennung und Verschiebung des ersten Mittelfußknochens nahe dem Köpfchen (Operation nach Chevron) bei leichter bis mittlerer Fehlstellung
- Längere, schräge Durchtrennung und Verschiebung des ersten Mittelfußknochens (Scarf-Operation) bei mittlerer bis schwerer Fehlstellung
- Durchtrennung des Knochens nahe seinem Ansatz an der Fußwurzel oder Versteifung des Gelenks zwischen Fußwurzel und erstem Mittelfußknochen (Operation nach Lapidus) bei schwerer Form, wenn dieses Gelenk instabil ist
- Zusätzliche Korrektur am Grundglied der Großzehe (Operation nach Akin)
- Versteifung des Großzehengrundgelenks, wenn bereits ein Gelenkverschleiß besteht
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Untersuchung, Hilfsmittel ohne Operation (Einlagen auf Rezept) und die Operation bezahlt die Krankenkasse. Wunsch-Operationen aus rein kosmetischen Gründen werden nicht erstattet. Komfort-Einlagen ohne medizinischen Grund müssen selbst bezahlt werden.
6. Wie geht es weiter?
Die Behandlung ohne Operation kann die Beschwerden lindern, die Fehlstellung aber nicht beheben. Nach einer modernen Operation sind die Ergebnisse sehr gut, wenn das Verfahren richtig ausgewählt und die Nachbehandlung eingehalten wird – etwa 85–90 % der Patientinnen und Patienten sind zufrieden. Ein Rückfall ist möglich, vor allem wenn ein ungeeignetes Verfahren gewählt wurde. Normale Schuhe können nach 6–8 Wochen wieder getragen werden.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Hallux valgus
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8. Literatur
- Coughlin MJ, Jones CP. Hallux valgus: demographics, etiology, and radiographic assessment. Foot Ankle Int. 2007;28(7):759-777.
- Perera AM, Mason L, Stephens MM. The pathogenesis of hallux valgus. J Bone Joint Surg Am. 2011;93(17):1650-1661.
- Wikipedia, Artikel „Hallux valgus“: Hallux valgus (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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