Hallux rigidus (Großzehengrundgelenks-Arthrose (MTP-I-Arthrose))
Orthopädie – Fuß
1. Woher kommt der Name?
Der Name kommt aus dem Lateinischen: hallux bedeutet „Großzehe“ und rigidus „steif“. Die Steifigkeit des Großzehengrundgelenks ist das wichtigste Anzeichen der Erkrankung.
2. Was ist das?
Hallux rigidus ist ein Gelenkverschleiß des Großzehengrundgelenks. Vor allem das Anheben der Großzehe in Richtung Fußrücken ist eingeschränkt. Typisch ist ein knöcherner Anbau am Gelenkrand auf der Oberseite des Gelenks (Fußrückenseite). Die Einteilung nach Coughlin und Shurnas unterscheidet die Grade 0 bis IV – nach Beweglichkeit, Schmerz und den Veränderungen im Röntgenbild.
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
Etwa 2,5 % der Menschen über 50 Jahre sind betroffen. Die Veranlagung kommt in Familien gehäuft vor. Beide Geschlechter sind ähnlich betroffen, Frauen etwas häufiger. Es ist nach dem Hallux valgus (der Schiefstellung der Großzehe) der zweithäufigste Gelenkverschleiß am Fuß.
2.2 Ursachen und Entstehung
Meist entsteht die Erkrankung ohne erkennbare Ursache. Sie kann aber auch die Folge einer Verletzung, einer Schiefstellung der Großzehe (Hallux valgus), eines angehobenen ersten Mittelfußknochens oder eines Schadens an Knorpel und darunterliegendem Knochen sein. Dauernde Reizung und Abnutzung des Gelenks führen zu einem fortschreitenden Verlust des Knorpels.
3. Beschwerden
- Schmerzen im Großzehengrundgelenk bei Belastung, besonders beim Abrollen des Fußes
- Knöcherner Höcker auf der Oberseite des Gelenks, tastbar oder sichtbar
- Probleme mit Schuhen (enge Schuhe, Absätze)
- Eingeschränktes Anheben der Großzehe (weniger als 30° bei fortgeschrittenem Verschleiß)
- Schonender Gang, bei dem der Fuß über die Außenkante abgerollt wird
- Begleitende Schmerzen im Bereich der benachbarten Mittelfußknochen
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Bei der körperlichen Untersuchung wird geprüft, wie weit sich die Großzehe anheben lässt (im Vergleich zur anderen Seite), und die knöchernen Anbauten werden abgetastet.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbild des Vorfußes von oben und von der Seite, jeweils im Stehen unter Belastung. Es zeigt:
- Verschmälerung des Gelenkspalts
- Knöcherner Anbau auf der Oberseite des Gelenks („Höcker auf dem Fußrücken“)
- Verdichtung des Knochens unter dem Knorpel, Bildung von Hohlräumen (Zysten)
- Freie Knochen- oder Knorpelstücke im Gelenk
Einteilung nach Coughlin und Shurnas von Grad 0 (normal) bis Grad IV (Beweglichkeit unter 10°, schwerer Verschleiß).
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig. Bei unklarer Entzündung werden die Harnsäure (Gicht! Sie betrifft typischerweise das Großzehengrundgelenk) und Rheuma-Antikörper bestimmt.
5. Behandlung
Ohne Operation
- Steife Schuhsohle (Einlage aus Kohlefaser, Abrollhilfe am Konfektionsschuh)
- Maßgefertigte Einlagen mit einer versteifenden Feder unter der Großzehe
- Entzündungshemmende Schmerzmittel für begrenzte Zeit
- Kortison-Spritze in das Gelenk
- Gelenkspritze mit Hyaluronsäure (Selbstzahlerleistung, der Nutzen ist nur mäßig belegt)
- Krankengymnastik
Operation
- Grad I–II: Abtragung der knöchernen Anbauten auf der Oberseite des Gelenks, bei Bedarf zusätzlich ein Knochenkeil aus dem Grundglied der Großzehe entfernen (Operation nach Moberg), damit sich die Zehe wieder besser anheben lässt
- Grad III–IV:
- Versteifung des Großzehengrundgelenks: die bewährteste Behandlung – schmerzfrei und voll belastbar
- Entfernung eines Gelenkanteils (Operation nach Keller): nur bei älteren Menschen, die körperlich wenig aktiv sind
- Künstliches Gelenk oder Teilgelenkersatz: zurückhaltender Einsatz, die Langzeitergebnisse sind unterschiedlich
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die Schuhzurichtung mit Abrollhilfe, Einlagen, die Kortison-Spritze und die Operation bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Einlagen aus Kohlefaser werden auf Rezept erstattet (mit Eigenanteil). Gelenkspritzen mit Hyaluronsäure sind eine Selbstzahlerleistung.
6. Wie geht es weiter?
Nach einer Versteifung des Gelenks sind die Schmerzen meist deutlich gebessert und der Fuß ist voll belastbar; die fehlende Beweglichkeit wird im Alltag gut vertragen. Die Abtragung der knöchernen Anbauten mit der Operation nach Moberg bringt in frühen Stadien lange zufriedenstellende Ergebnisse. Die Langzeitergebnisse nach einem künstlichen Gelenk sind unterschiedlich; bei Lockerung oder Verschleiß ist eine erneute Operation nötig.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Hallux rigidus
→ AWMF-Registersuche öffnen
8. Literatur
- Coughlin MJ, Shurnas PS. Hallux rigidus. Grading and long-term results of operative treatment. J Bone Joint Surg Am. 2003;85(11):2072-2088.
- Deland JT, Williams BR. Surgical management of hallux rigidus. J Am Acad Orthop Surg. 2012;20(6):347-358.
- Baumhauer JF, Singh D, Glazebrook M, et al. Prospective, randomized, multi-centered clinical trial assessing safety and efficacy of a synthetic cartilage implant versus first metatarsophalangeal arthrodesis in advanced hallux rigidus. Foot Ankle Int. 2016;37(5):457-469.
- McNeil DS, Baumhauer JF, Glazebrook MA. Evidence-based analysis of the efficacy for operative treatment of hallux rigidus. Foot Ankle Int. 2013;34(1):15-32.
- Wikipedia, Artikel „Hallux rigidus“: Hallux rigidus (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
Weiterführend
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