Frozen Shoulder (Schultersteife, Adhäsive Kapsulitis, Periarthritis humeroscapularis)
Orthopädie – Schulter
1. Woher kommt der Name?
„Frozen Shoulder“ ist englisch und bedeutet „eingefrorene Schulter“. Der Name beschreibt die zunehmende Steifigkeit der Schulter, die sich anfühlt, als wäre das Gelenk „wie Eis“ erstarrt. Die ärztliche Bezeichnung „adhäsive Kapsulitis“ bedeutet: eine Entzündung der Gelenkkapsel, bei der die Kapsel verklebt und schrumpft.
2. Was ist das?
Die Frozen Shoulder (Schultersteife) ist eine zunehmende, schmerzhafte und entzündliche Schrumpfung der Kapsel des Schultergelenks. Die Schulter lässt sich in alle Richtungen schlechter bewegen – sowohl aus eigener Kraft als auch, wenn jemand anderes den Arm bewegt. Man unterscheidet die ursprüngliche Form, deren Ursache nicht bekannt ist, von der Form, die als Folge einer Verletzung, einer längeren Ruhigstellung, einer Operation oder einer Grunderkrankung auftritt.
2.1 Wie häufig ist die Schultersteife?
Etwa 2–5 % der Menschen sind betroffen, vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Menschen mit Zuckerkrankheit (Diabetes) erkranken drei- bis fünfmal häufiger. Auch bei Schilddrüsenerkrankungen, der Parkinson-Krankheit und nach einer Halbseitenlähmung tritt die Schultersteife häufiger auf.
2.2 Ursachen und Entstehung
Zunächst entzündet sich die Gelenkinnenhaut. Dann bilden sich in der Gelenkkapsel Zellen, die sich zusammenziehen und die Kapsel schrumpfen lassen. Es kommt zu einer narbigen Verdickung des vorderen Kapselabschnitts (des sogenannten Rotatorenintervalls) und eines Bandes zwischen Schulterblatt und Oberarmkopf. Botenstoffe der Entzündung spielen dabei eine Rolle.
3. Beschwerden
Die Erkrankung verläuft in drei Phasen:
- Einfrieren (2–9 Monate): zunehmender Schmerz, auch nachts
- Eingefroren (4–12 Monate): die Steifigkeit steht im Vordergrund, der Ruheschmerz lässt nach
- Auftauen (5–24 Monate): die Beweglichkeit kehrt langsam zurück
Besonders kennzeichnend: Das Drehen des Arms nach außen ist stark eingeschränkt. Die Bewegung im eigentlichen Schultergelenk ist blockiert; das Schulterblatt gleicht das durch Mitbewegen aus.
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Die Beschwerden und die körperliche Untersuchung sind eindeutig. Ein Röntgenbild dient dazu, andere Ursachen am Knochen auszuschließen.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbild: meist unauffällig; es schließt Gelenkverschleiß und Veränderungen am Knochen aus. Kernspin-Untersuchung: zeigt eine verdickte Gelenkkapsel, einen verdickten vorderen Kapselabschnitt, eine Flüssigkeitseinlagerung und eine verkleinerte Kapselfalte zur Achselhöhle hin. Kernspin-Untersuchung mit Kontrastmittel im Gelenk: zeigt, dass das Gelenk weniger Flüssigkeit fasst als normal.
4.2 Blutuntersuchungen
Blutzucker-Langzeitwert und Schilddrüsenwert, um eine Zuckerkrankheit und eine Schilddrüsenstörung als Risikofaktoren zu erkennen. Bei Verdacht auf eine entzündliche rheumatische Erkrankung der Schulter- und Beckenmuskeln (Polymyalgia rheumatica) die Entzündungswerte im Blut.
5. Behandlung
Behandlung ohne Operation (die Grundlage, bei 90 % der Betroffenen)
- Entzündungshemmende Schmerzmittel, andere Schmerzmittel, Schmerzbehandlung
- Spritze mit Kortison ins Schultergelenk in der Phase des Einfrierens – die Wirkung ist wissenschaftlich belegt
- Krankengymnastik – in der schmerzhaften Phase vorsichtig und ohne Gewalt; in den Phasen „Eingefroren“ und „Auftauen“ intensiver
- Aufdehnung der Gelenkkapsel mit Kochsalzlösung unter Ultraschallkontrolle als Zwischenschritt
- Zeit und Aufklärung – die Erkrankung heilt in 1–3 Jahren von selbst aus
Operation
- Lösung der verklebten und geschrumpften Gelenkkapsel im Rahmen einer Gelenkspiegelung
- Durchbewegen der Schulter in Narkose – ergänzend zur Gelenkspiegelung
- Eine Operation kommt in Frage, wenn die Behandlung ohne Operation nach 6–12 Monaten nicht hilft
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die Untersuchungen, die Kortison-Spritze, die Krankengymnastik und die Lösung der Gelenkkapsel bei einer Operation bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Die Aufdehnung der Gelenkkapsel mit Kochsalzlösung kann als Selbstzahlerleistung angeboten werden.
6. Wie geht es weiter?
Meist erholt sich die Schulter innerhalb von 1–3 Jahren vollständig. Bei 10–15 % der Betroffenen bleibt eine Einschränkung zurück, vor allem bei Menschen mit Zuckerkrankheit. Nach der Lösung der Gelenkkapsel bei einer Gelenkspiegelung nimmt die Beweglichkeit meist rasch zu. Bei Zuckerkrankheit dauert die Erholung länger.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Schultersteife / Frozen Shoulder
→ AWMF-Registersuche öffnen
8. Literatur
- Le HV, Lee SJ, Nazarian A, Rodriguez EK. Adhesive capsulitis of the shoulder: review of pathophysiology and current clinical treatments. Shoulder Elbow. 2017;9(2):75-84.
- Page MJ, Green S, Kramer S, et al. Manual therapy and exercise for adhesive capsulitis (frozen shoulder). Cochrane Database Syst Rev. 2014;(8):CD011275.
- Hand C, Clipsham K, Rees JL, Carr AJ. Long-term outcome of frozen shoulder. J Shoulder Elbow Surg. 2008;17(2):231-236.
- Wang W, Shi M, Zhou C, et al. Effectiveness of corticosteroid injections in adhesive capsulitis of shoulder: A meta-analysis. Medicine. 2017;96(28):e7529.
- Neviaser AS, Hannafin JA. Adhesive capsulitis: a review of current treatment. Am J Sports Med. 2010;38(11):2346-2356.
- Wikipedia, Artikel „Frozen Shoulder“: Schultersteife (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
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