Femoroacetabuläres Impingement (FAI) (Hüftimpingement, Cam-/Pincer-Impingement)
Orthopädie – Hüfte
1. Woher kommt der Name?
Der Fachname „femoroacetabuläres Impingement“ setzt sich zusammen aus den lateinischen Wörtern femur (Oberschenkelknochen) und acetabulum (Hüftpfanne) sowie dem englischen Wort „impingement“ (Einklemmung). Gemeint ist also eine Einklemmung zwischen Oberschenkelknochen und Hüftpfanne – ein Engpass im Gelenk.
2. Was ist das?
Beim Hüft-Engpass stoßen Oberschenkelhals und Hüftpfanne bei bestimmten Bewegungen aneinander, weil die Knochen nicht ganz regelrecht geformt sind. Man unterscheidet:
- Nockenwellen-Typ (englisch „Cam“): Der Übergang vom Hüftkopf zum Schenkelhals ist verdickt. Ein bestimmter Winkel am Hüftkopf (der Alpha-Winkel) beträgt dann mehr als 55°
- Beißzangen-Typ (englisch „Pincer“): Die Hüftpfanne ist zu groß oder nach hinten gedreht und umfasst den Hüftkopf zu weit
- Mischform: beide Veränderungen zusammen (am häufigsten)
Die Folge: Die Gelenklippe und der Knorpel werden geschädigt. Dadurch kann schon bei jungen Menschen ein vorzeitiger Gelenkverschleiß der Hüfte (Hüftarthrose) entstehen.
2.1 Wie häufig ist der Hüft-Engpass?
Bei 10–25 % der Jugendlichen ohne Beschwerden finden sich auf dem Röntgenbild Veränderungen, die zu einem Hüft-Engpass passen – vor allem bei sportlich Aktiven. Ein Hüft-Engpass mit Beschwerden ist eine häufige Ursache von Leistenschmerzen bei jungen Erwachsenen. Männer haben häufiger den Nockenwellen-Typ, Frauen häufiger den Beißzangen-Typ.
2.2 Ursachen und Entstehung
Die Verdickung beim Nockenwellen-Typ entsteht wahrscheinlich während des Wachstums durch starke sportliche Belastung (Fußball, Eishockey, Skifahren). Der Beißzangen-Typ ist angeboren oder entwickelt sich mit dem Alter (die Knochenanlage ist zu groß). Die Einklemmung tritt auf, wenn die Hüfte gebeugt, nach innen geführt und zugleich nach innen gedreht wird.
3. Beschwerden
- Schmerzen in der Leiste oder außen an der Hüfte, oft abhängig von der Körperhaltung
- Typische Geste: Betroffene umfassen die Hüfte seitlich mit Daumen und Zeigefinger, so dass die Hand ein „C“ bildet
- Schmerz bei langem Sitzen, beim Beugen der Hüfte und bei sportlicher Betätigung
- Die Hüfte lässt sich bei 90° Beugung schlechter nach innen drehen
- Schmerz, wenn die Hüfte gebeugt, nach innen geführt und nach innen gedreht wird (der typische Einklemmungs-Test bei der Untersuchung)
3.1 Bilder
→ Weitere Bilder bei Wikimedia Commons
4. Untersuchung
Die Untersuchung besteht aus Bewegungstests: Die Hüfte wird gebeugt, nach innen geführt und nach innen gedreht – oder gebeugt, nach außen gespreizt und nach außen gedreht – und geprüft, ob das Schmerzen auslöst. Dazu kommt eine Prüfung der Beweglichkeit und Kraft. Eine Spritze mit einem Betäubungsmittel in das Hüftgelenk unter Röntgenkontrolle kann bestätigen, dass der Schmerz wirklich aus dem Gelenk kommt.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Röntgenbild des Beckens von vorn und eine besondere Aufnahme mit gebeugter Hüfte (Dunn-Aufnahme):
- Alpha-Winkel über 55° → Nockenwellen-Typ
- Bestimmte Überlappungen der Pfannenränder im Bild → Beißzangen-Typ oder nach hinten gedrehte Pfanne
- Fehlende Taille zwischen Hüftkopf und Schenkelhals
Kernspin-Untersuchung mit Kontrastmittel im Gelenk, die in strahlenförmigen Schnitten ausgewertet wird: zeigt Risse der Gelenklippe, Knorpelschäden und die Verdickung des Nockenwellen-Typs.
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig.
5. Behandlung
Ohne Operation
- Anpassung der Aktivitäten: Haltungen und Bewegungen vermeiden, die die Beschwerden auslösen
- Krankengymnastik: Stabilisierung der Hüfte, Beweglichkeit des Beckens, Kräftigung des Rumpfes
- Entzündungshemmende Schmerzmittel und andere Schmerzmittel
- Spritze mit Kortison in das Gelenk unter Röntgen- oder Ultraschallkontrolle
Operation
- Gelenkspiegelung der Hüfte: Dabei wird die Verdickung am Hüftkopf abgetragen (Nockenwellen-Typ), der Pfannenrand abgetragen (Beißzangen-Typ) und die Gelenklippe wieder angenäht oder ersetzt
- Offene Operation bei besonderen Befunden
- Ergebnisse: gute bis sehr gute Ergebnisse bei 75–85 % der Betroffenen, wenn die Operation aus dem richtigen Grund durchgeführt wird
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Untersuchung, Behandlung ohne Operation und Gelenkspiegelung der Hüfte bezahlt die gesetzliche Krankenkasse, wenn ein klarer Grund für die Behandlung vorliegt.
6. Wie geht es weiter?
Bei frühzeitiger Behandlung kann der nachfolgende Gelenkverschleiß der Hüfte verzögert oder verhindert werden. Nach einer Gelenkspiegelung bessern sich die Beschwerden meist rasch; Sport ist nach 4–6 Monaten wieder möglich. Besteht bereits ein Gelenkverschleiß der Hüfte, sind die Ergebnisse schlechter.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Femoroacetabuläres Impingement (FAI)
→ AWMF-Registersuche öffnen
8. Literatur
- Griffin DR, Dickenson EJ, O'Donnell J, et al. The Warwick Agreement on femoroacetabular impingement syndrome (FAI syndrome): an international consensus statement. Br J Sports Med. 2016;50(19):1169-1176.
- Ganz R, Parvizi J, Beck M, et al. Femoroacetabular impingement: a cause for osteoarthritis of the hip. Clin Orthop Relat Res. 2003;(417):112-120.
- Griffin DR, Dickenson EJ, Wall PDH, et al. Hip arthroscopy versus best conservative care for the treatment of femoroacetabular impingement syndrome (UK FASHIoN): a multicentre randomised controlled trial. Lancet. 2018;391(10136):2225-2235.
- Nepple JJ, Prather H, Trousdale RT, et al. Diagnostic Imaging of Femoroacetabular Impingement. J Am Acad Orthop Surg. 2013.
- Wikipedia, Artikel „Femoroacetabuläres Impingement (FAI)“: Femoroacetabuläres Impingement (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
Weiterführend
Fragen zu Femoroacetabuläres Impingement (FAI)?
Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis – wir beraten Sie persönlich.
