Coxitis fugax (Hüftschnupfen, transiente Synovitis der Hüfte)
Kinderorthopädie
1. Woher kommt der Name?
Aus dem Lateinischen: coxa bedeutet „Hüfte“, fugax „flüchtig“ – also eine flüchtige, schnell vorübergehende Entzündung des Hüftgelenks. Im Volksmund heißt die Erkrankung „Hüftschnupfen“.
2. Was ist das?
Die Coxitis fugax (Hüftschnupfen) ist eine Entzündung der Gelenkinnenhaut des Hüftgelenks bei Kindern, die von selbst wieder ausheilt. Sie wird nicht durch Bakterien im Gelenk verursacht, sondern ist eine Reaktion des Körpers – oft auf eine Virusinfektion der oberen Atemwege. Der Hüftschnupfen ist die häufigste Ursache für plötzliche Hüftbeschwerden im Kindesalter.
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
Der Hüftschnupfen ist die häufigste Ursache für Hinken bei Kindern zwischen 3 und 8 Jahren. Jungen sind doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Die Erkrankung tritt oft nach Virusinfekten auf, also vor allem im Herbst und Winter.
2.2 Ursache und Entstehung
Das Abwehrsystem des Körpers reagiert nach einer Virusinfektion mit einer Entzündung im Hüftgelenk. Im Gelenk selbst lassen sich keine Bakterien nachweisen.
3. Beschwerden
- Plötzliches Hinken bei einem Kind, dem es sonst gut geht
- Schmerzen in Leiste, Oberschenkel oder Knie
- Eingeschränkte Beweglichkeit der Hüfte, vor allem beim Drehen des Beins nach innen
- Kein Fieber oder nur leicht erhöhte Temperatur
- Besserung von selbst innerhalb von 7 bis 10 Tagen
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Wichtig sind das Gespräch über die Krankengeschichte (Gab es in den letzten 2 Wochen einen Infekt?), die körperliche Untersuchung, eine Ultraschalluntersuchung und Blutuntersuchungen, um andere Erkrankungen auszuschließen.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Die Ultraschalluntersuchung zeigt Flüssigkeit im Hüftgelenk (Gelenkerguss), aber keine Zeichen einer bakteriellen Entzündung. Ein Röntgenbild wird angefertigt, um einen Morbus Perthes (eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes bei Kindern) und Knochenbrüche auszuschließen.
4.2 Blutuntersuchungen
- Die Entzündungswerte im Blut und die Zahl der weißen Blutkörperchen sind meist normal oder nur leicht erhöht
- Um einen harmlosen Hüftschnupfen von einer gefährlichen bakteriellen Hüftgelenksentzündung zu unterscheiden, werden vier Merkmale geprüft (die sogenannten Kocher-Kriterien): Fieber über 38,5 °C, mehr als 12.000 weiße Blutkörperchen pro Mikroliter Blut, eine Blutsenkungsgeschwindigkeit über 40 mm in der ersten Stunde und die Weigerung des Kindes, das Bein zu belasten. Treffen 0 bis 1 Merkmale zu, handelt es sich eher um einen Hüftschnupfen. Treffen 3 bis 4 Merkmale zu, ist eine bakterielle Entzündung wahrscheinlich – dann muss unbedingt Gelenkflüssigkeit mit einer Nadel entnommen und untersucht werden
5. Behandlung
- Schonung (kein Schwimmen, kein Sport)
- Entzündungshemmende Schmerzmittel (Ibuprofen, in einer dem Alter angepassten Menge)
- Bei Bedarf für wenige Tage Entlastung mit Krücken
- Aufklärung der Eltern: Die Erkrankung heilt von selbst aus
- Verlaufskontrolle: Nach 7 bis 10 Tagen sollte alles wieder normal sein
- Bessern sich die Beschwerden nicht oder besteht der Verdacht auf eine bakterielle Hüftgelenksentzündung (Fieber steigt, Entzündungswerte steigen): sofort Gelenkflüssigkeit entnehmen und im Krankenhaus abklären lassen
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Alle Maßnahmen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse.
6. Wie geht es weiter?
Der voraussichtliche Verlauf ist ausgezeichnet. Es bleiben keine Schäden zurück. Selten kann die Erkrankung erneut auftreten. Wichtig ist, den Verlauf zu kontrollieren, damit ein Morbus Perthes nicht übersehen wird.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Coxitis fugax
→ AWMF-Registersuche öffnen
8. Literatur
- Kocher MS, Zurakowski D, Kasser JR. Differentiating between septic arthritis and transient synovitis of the hip in children. J Bone Joint Surg Am. 1999;81(12):1662-1670.
- Kastrissianakis K, Beattie TF. Transient synovitis of the hip: evidence for a viral aetiology. Eur J Emerg Med. 2010;17(5):270-273.
- Fabry G. Clinical practice: the hip from birth to adolescence. Eur J Pediatr. 2010;169(2):143-148.
- Wikipedia, Artikel „Coxitis fugax“: Coxitis fugax (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
Weiterführend
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