Chondropathia patellae (Patellofemorales Schmerzsyndrom (PFPS), Retropatellar-Knorpelschaden)
Orthopädie – Knie
1. Woher kommt der Name?
Der Name stammt aus dem Griechischen: chondros bedeutet „Knorpel“, pathos bedeutet „Leiden“. Chondropathia patellae heißt also „Knorpelleiden der Kniescheibe“. Der Begriff wird oft gleichbedeutend mit „patellofemorales Schmerzsyndrom“ (Schmerzen zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen) verwendet. Beide sind aber nicht dasselbe: Beim patellofemoralen Schmerzsyndrom bestehen Beschwerden, ohne dass eine Knorpelveränderung nachgewiesen ist. Bei der Chondropathia patellae ist ein Knorpelschaden nachgewiesen.
2. Was ist das?
Eine Schädigung des Knorpels an der Rückseite der Kniescheibe, entweder durch Verschleiß oder durch eine Verletzung. Der Schaden wird nach Outerbridge in vier Grade eingeteilt: Grad 1 – der Knorpel ist an der Oberfläche erweicht; Grad 2 – Risse und Aufrauungen, die weniger als die halbe Knorpeldicke erreichen; Grad 3 – Risse, die tiefer als die halbe Knorpeldicke reichen; Grad 4 – der Knorpel fehlt an dieser Stelle vollständig, und der darunterliegende Knochen liegt frei.
2.1 Wie häufig ist die Erkrankung?
Schmerzen zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen gehören zu den häufigsten Knieschmerzen überhaupt. Besonders oft betroffen sind junge Frauen und Sportlerinnen und Sportler.
2.2 Ursachen und Entstehung
Meist wirken mehrere Ursachen zusammen: eine Fehlstellung der Kniescheibe in ihrer Gleitrinne (gemessen zum Beispiel über den Winkel zwischen Oberschenkel- und Unterschenkelachse oder über den seitlichen Abstand zwischen dem Ansatz der Kniescheibensehne und der Gleitrinne), ein zu hoher oder zu tiefer Stand der Kniescheibe, ein Ungleichgewicht der Oberschenkelmuskeln (vor allem eine Schwäche des inneren Anteils des vorderen Oberschenkelmuskels), Fußfehlstellungen und Überlastung.
3. Beschwerden
- Schmerz an der Vorderseite des Knies
- Schmerz beim Treppabgehen und in der tiefen Hocke
- „Kinoknie“: Schmerz beim längeren Sitzen mit gebeugtem Knie
- Reiben und Knirschen hinter der Kniescheibe
- Gefühl, dass das Knie „wegknickt“
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Bei der körperlichen Untersuchung wird die Kniescheibe bei gestrecktem Bein nach unten gedrückt und der vordere Oberschenkelmuskel angespannt – bei einem Knorpelschaden löst das Schmerzen aus. Außerdem wird geprüft, ob die Kniescheibe bei Druck und beim Verschieben zur Seite schmerzt.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Das Röntgenbild mit einer besonderen Aufnahme der Kniescheibe von unten zeigt die Höhe der Kniescheibe und eine Fehlstellung. Die Kernspin-Untersuchung zeigt den Knorpelschaden selbst, eine Flüssigkeitseinlagerung im Knochen und begleitende Schäden im Knie.
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig.
5. Behandlung
Behandlung ohne Operation
- Krankengymnastik: Kräftigung des inneren Anteils des vorderen Oberschenkelmuskels, der Muskeln, die die Hüfte stabilisieren, und der Gesäßmuskeln; Dehnung der hinteren Oberschenkelmuskeln
- Bandage, Klebebänder (Tape)
- Anpassung der Belastung
- Entzündungshemmende Schmerzmittel, nur für begrenzte Zeit
- Spritzen in das Gelenk: Kortison bei einer akuten Reizung; Gelenkspritze mit Hyaluronsäure als Selbstzahlerleistung
- Einlagen bei Fußfehlstellung
Operation
- Bei eindeutiger mechanischer Ursache: Korrektur der Kniescheibenführung, zum Beispiel durch Lösen des äußeren Halteapparats der Kniescheibe oder durch Versetzen des Knochenansatzes der Kniescheibensehne
- Knorpelbehandlung: Anbohren des Knochens unter dem Knorpeldefekt, damit sich Ersatzknorpel bildet, oder Verpflanzung von eigenen Knorpelzellen (Knorpelzell-Transplantation) – bei umschriebenen Defekten, die die ganze Knorpeldicke betreffen, und bei jüngeren Patientinnen und Patienten
- Selten: Ersatz der Gelenkflächen zwischen Kniescheibe und Oberschenkel durch ein künstliches Teilgelenk
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Die Behandlung ohne Operation (Krankengymnastik, Bandage, Einlagen, Kortison) und die Operationen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Die Gelenkspritze mit Hyaluronsäure ist eine Selbstzahlerleistung.
6. Wie geht es weiter?
Bei konsequenter Behandlung ohne Operation bessern sich die Beschwerden in 60–80 % der Fälle. Nach einer Knorpelbehandlung sind die Ergebnisse zufriedenstellend; sie hängen von der Größe des Defekts und vom Alter ab.
7. Leitlinien
- Suche in AWMF-Register · Patellofemorales Schmerzsyndrom / Chondropathia patellae
→ AWMF-Registersuche öffnen
8. Literatur
- Collins NJ, Barton CJ, van Middelkoop M, et al. 2018 Consensus statement on exercise therapy and physical interventions for patellofemoral pain. Br J Sports Med. 2018;52(18):1170-1178.
- Lankhorst NE, Bierma-Zeinstra SM, van Middelkoop M. Risk factors for patellofemoral pain syndrome: a systematic review. J Orthop Sports Phys Ther. 2012;42(2):81-94.
- Smith BE, Selfe J, Thacker D, et al. Incidence and prevalence of patellofemoral pain: A systematic review and meta-analysis. PLoS One. 2018;13(1):e0190892.
- Wikipedia, Artikel „Chondropathia patellae“: Chondropathia patellae (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
Weiterführend
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