Achillessehnenruptur (Achillessehnenriss, ASR)
Orthopädie – Fuß
1. Woher kommt der Name?
Die Achillessehne ist nach dem Helden Achilles aus der griechischen Sage benannt. Seine einzige verwundbare Stelle war die Ferse – genau dort setzt die Sehne am Knochen an. Der Begriff „Ruptur“ bedeutet Riss.
2. Was ist das?
Die Achillessehnenruptur (der Achillessehnenriss) ist ein vollständiger Riss der Achillessehne. Die Sehne reißt typischerweise 2–6 cm oberhalb ihres Ansatzes am Fersenbein. In diesem Abschnitt ist die Sehne besonders schlecht durchblutet. Ein nur teilweiser Riss ist seltener. Je nachdem, wie lange der Riss zurückliegt, spricht man von einem frischen Riss (jünger als 2 Wochen), einem älteren Riss (2–6 Wochen alt) oder einem lange bestehenden Riss (älter als 6 Wochen).
2.1 Wie häufig ist der Achillessehnenriss?
Jedes Jahr erleiden 20–30 von 100.000 Menschen einen Achillessehnenriss. Die Zahl nimmt stark zu, weil immer mehr ältere Menschen in der Freizeit Sport treiben. Männer sind viermal häufiger betroffen als Frauen. Am häufigsten reißt die Sehne im Alter von 30 bis 50 Jahren. Das Risiko erhöhen: sportliche Überlastung, bestimmte Antibiotika (die Gruppe der Fluorchinolone), örtliche Spritzen mit Kortison, eine lange bestehende Sehnenerkrankung durch Überlastung der Achillessehne sowie rheumatische Erkrankungen.
2.2 Ursachen und Entstehung
Meist reißt die Sehne bei einer plötzlichen Belastung, bei der der Wadenmuskel unter Spannung gedehnt wird – zum Beispiel beim Start zu einem Sprint, beim Tennis oder beim Squash. In der Regel war die Sehne vorher bereits durch Verschleiß geschwächt.
3. Beschwerden
- Ein Gefühl wie ein Peitschenhieb („als hätte mir jemand in die Wade getreten“)
- Plötzlicher Schmerz, danach oft überraschend wenig Schmerz
- Eine tastbare Delle in der Sehne
- Der Wadendruck-Test ist auffällig (Ärztinnen und Ärzte nennen ihn Thompson-Test): Drückt man die Wade zusammen, senkt sich der Fuß nicht mehr nach unten. Dieser Test ist sehr zuverlässig und einfach durchzuführen
- Der Zehenstand ist nicht mehr möglich
3.1 Bilder
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4. Untersuchung
Die körperliche Untersuchung ist meist eindeutig. Der Wadendruck-Test (Simmonds- oder Thompson-Test, siehe oben) ist dabei unverzichtbar.
4.1 Untersuchung mit Bildern
Die Ultraschalluntersuchung ist das wichtigste Verfahren. Sie zeigt die vollständige Unterbrechung der Sehne und den Bluterguss. Außerdem lässt sich die Sehne bei Bewegung beobachten. Eine Kernspin-Untersuchung ist nur bei unklaren Befunden oder vor einer Wiederherstellungs-Operation nötig.
4.2 Blutuntersuchungen
Die Blutwerte sind unauffällig. Reißt die Sehne wiederholt, muss nach einer Ursache gesucht werden, die den ganzen Körper betrifft.
5. Behandlung
Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen: Die Behandlung ohne Operation und die Operation führen zu vergleichbaren Ergebnissen – sowohl bei der späteren Belastbarkeit als auch bei der Zahl der erneuten Risse. Voraussetzung ist, dass die Behandlung ohne Operation früh mit Bewegung und Belastung beginnt (mit einem besonderen Behandlungsschuh, zum Beispiel dem Vario-Stabil-Schuh).
Behandlung ohne Operation (mit früher Bewegung)
- Der Fuß wird 6–8 Wochen in Spitzfuß-Stellung gehalten – in einem Behandlungsschuh (Vario-Stabil) oder einer Stützschiene für den Unterschenkel
- Der Fuß wird schrittweise wieder in Richtung Schienbein angehoben
- Frühe Belastung ist erlaubt
- Krankengymnastik ab der 2. bis 4. Woche
Operation
- Naht der Sehne – offen oder über kleine Schnitte (verschiedene Nahttechniken, zum Beispiel nach Krackow oder Bunnell, oder mit dem Achillon-System)
- Bei frischem Riss: Naht durch die Haut hindurch, ohne die Sehne freizulegen
- Bei lange bestehendem Riss (älter als 6 Wochen): Wiederherstellung der Sehne, zum Beispiel durch eine Verlängerung der Sehne oder durch die Verlagerung einer Nachbarsehne (der Sehne, die die Großzehe beugt)
- Gründe für eine Operation: aktive Sportlerinnen und Sportler, sehr junge Patientinnen und Patienten. Bei älteren Menschen wird eher ohne Operation behandelt
Nachbehandlung (bei beiden Wegen gleich)
- Frühe Bewegung, Belastung nach einem festen Plan
- Rückkehr zum Sport nach 4–6 Monaten
5.1 Was die Krankenkasse bezahlt
Beide Behandlungswege und alle Hilfsmittel (Behandlungsschuh, Stützschienen) bezahlt die gesetzliche Krankenkasse.
6. Wie geht es weiter?
Die Sehne reißt nach der Behandlung ohne Operation und nach der Operation etwa gleich häufig erneut (3–5 % bei einer Behandlung mit früher Bewegung). 70–90 % der Betroffenen kehren zum Sport zurück, meist mit leicht verringerter Wadenkraft. Ein lange bestehender Riss verläuft komplizierter und erfordert eine Wiederherstellungs-Operation.
7. Leitlinien
- AWMF 012-026 · Achillessehnenruptur
→ Im AWMF-Register nach 012-026 suchen
8. Literatur
- Willits K, Amendola A, Bryant D, et al. Operative versus nonoperative treatment of acute Achilles tendon ruptures: a multicenter randomized trial using accelerated functional rehabilitation. J Bone Joint Surg Am. 2010;92(17):2767-2775.
- Myhrvold SB, Brouwer EF, Andresen TKM, et al. Nonoperative or Surgical Treatment of Acute Achilles Tendon Rupture. N Engl J Med. 2022;386(15):1409-1420.
- Ochen Y, Beks RB, van Heijl M, et al. Operative treatment versus nonoperative treatment of Achilles tendon ruptures: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2019;364:k5120.
- DGU S2e-Leitlinie Achillessehnenruptur (AWMF 012-026).
- Wikipedia, Artikel „Achillessehnenruptur“: Achillessehnenruptur (allgemeinverständliche Übersicht, abgerufen Oktober 2026)
Weiterführend
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